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Smartphone nur gemietet, nicht gekauft: Turbado abgemahnt

Stand:

Der Online-Händler Turbado bietet Smartphones und Tablets an. Doch das Kaufangebot ist gar keines: Der Kunde erwirbt das Gerät nicht, sondern mietet es nur. Die Marktwächter haben Turbado abgemahnt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Online-Händler Turbado bot günstige Smartphones und Tablets an. Doch das vermeintliche Kaufangebot war gar keines: Der Kunde erwirbt das Gerät nicht, sondern mietet es nur.
  • Nach Auffassung der Marktwächterexperten der Verbraucherzentralen klären die Betreiber nicht transparent genug über das Geschäftsmodell auf. Deshalb sind sie gegen den Händler vorgegangen.
  • Das Landgericht Berlin hat dem Onlinehändler Turbado inzwischen untersagt, Smartphones, Tablets und Konsolen anzubieten, ohne darüber zu informieren, dass die Geräte nur vermietet werden.
Zwei Hände halten ein Smartphone, auf dessen Display die Internetseite turbado.de zu sehen ist.

Der Online-Händler Turbado vermietet Geräte, statt sie zu verkaufen.

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In Google-Anzeigen sowie an prominenten Stellen der eigenen Webseite sprach Turbado mit Aussagen wie "Preiswertes Smartphone ohne Vertrag kaufen" von einem Kauf des Handys. Erst in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) wurde klar, dass es sich um einen Mietvertrag handelt. Turbado informiert damit nach Ansicht der Marktwächter nicht transparent über das Mietverhältnis. Anhand der Aussagen auf der Webseite und in ihren Anzeigen ist die Miete für Verbraucher nur äußerst schwer erkennbar.

Dies bestätigen auch Verbraucherbeschwerden, die den Verbraucherzentralen vorliegen. Bei der Sichtung der Beschwerden kam außerdem heraus: Auch auf dem Amazon Marketplace bietet Turbado Smartphones an. Turbado stellt auf dem Marktplatz jedoch keine AGB zu Verfügung, so dass Verbraucher hier erst recht von einem Kauf ausgehen.

Irreführendes Angebot birgt Risiko für Verbraucher

Mieten Verbraucher ein Smartphone bei Turbado, bleibt der Online-Händler Eigentümer davon. Verbraucher müssen ihr Smartphone nach Vertragsende zurückgeben. Ein Weiterverkauf ist nicht möglich. Zudem könnte die Firma Nachzahlungen verlangen, wenn sie den Zustand bei Rückgabe des Geräts als unzureichend empfindet.

Laut den AGB von Turbado darf der Kunde keine eigenen Reparaturen an dem Produkt vornehmen. Zudem muss er einen Schaden unverzüglich anzeigen. Tut er dies nicht, kann Turbado Schadensersatz verlangen. Auch Verbesserungen oder Veränderungen am Smartphone sind dem Mieter gemäß der AGB nicht gestattet. Unter das Verbot könnten auch Softwareupdates fallen. Eine bequeme und vor allem sichere Nutzung des Handys ist dann kaum mehr möglich.

Turbado hält sich auch auf Nachfrage bedeckt

Nach Hinweisen von Verbrauchern bestellte das Marktwächter-Team über den Amazon Marketplace selbst ein Smartphone von Turbado und fragte anschließend nach dem Vertragsverhältnis. Der Turbado-Kundenservice erläuterte, dass man seinen Kunden mehr biete "als bei einem normalen Kauf". Hierzu führte er zunächst aus, dass der Kunde auf unbefristete Zeit mieten könne und formal das Gerät im Eigentum von Turbado bleibe. In einem weiteren Schreiben gab er an, dass man die Miete bei Amazon nicht bewerbe. Eine klare Aussage, ob es sich um eine Miete oder einen Kauf handelt, machte der Anbieter jedoch nicht.

Für die Verbraucher muss nach Ansicht der Marktwächter bei Vertragsabschluss eindeutig klar sein, ob es sich um einen Kauf oder eine Miete handelt. Turbado haben die Experten des Marktwächters Digitale Welt abgemahnt und aufgefordert es zu unterlassen, in seinem Angebot und in Werbeanzeigen einen Kauf zu suggerieren, der laut AGB gar nicht möglich ist, da die angebotene Ware lediglich vermietet wird.

Update vom 15. Dezember 2020:

Das Landgericht Berlin hat dem Onlinehändler Turbado untersagt, Smartphones, Tablets und Konsolen anzubieten, ohne darüber zu informieren, dass die Geräte nur vermietet werden (rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Berlin vom 5.05.2020, Az. 15 O 107/18). Mehr dazu erfahren Sie hier.

Betroffene, die Probleme mit diesem oder anderen Online-Shops haben, können sich an die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen wenden.