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Container-Investmentfirma P&R insolvent: Was Anleger jetzt wissen müssen

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Über 50.000 Anleger, die ihr Geld in Schiffscontainer der Investmentgesellschaft P&R gesteckt haben, müssen um ihr Geld bangen – der Münchener Finanzdienstleister hat für Teile seiner Gruppe Insolvenz angemeldet. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Anleger im Überblick.

Schiffscontainer
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Das Wichtigste in Kürze

  • Investitionen in Schiffscontainer gehören zum so genannten Grauen Kapitalmarkt. Hier ist grundsätzlich ein Totalverlust Ihres eingesetzten Geldes möglich.
  • Mit der Insolvenz der Gesellschaft P&R bangen nun 51.000 Anleger darum, ob und wie viel sie noch zurückbekommen.
  • Forderungen sollten Sie erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens anmelden, wenn der Insolvenzverwalter Sie angeschrieben hat.
  • Lassen Sie außerdem prüfen, ob Sie beim damaligen Abschluss der Anlage falsch beraten worden sind.

 

Um was geht es bei den Container-Direktinvestments?

Das Modell war einfach: Anleger kauften Schiffscontainer, die dann vermietet wurden. Die Anleger erhielten die entsprechenden Mietzahlungen. Dafür verpflichtete P&R sich in dem Vertrag, am Ende der Vertragslaufzeit die Container zum Zeitwert zurückzukaufen.
Am 15. März 2018 haben drei Leasing- und Vertriebsfirmen der Container-Investmentfirma P&R aus Grünwald bei München nun für die breite Öffentlichkeit überraschend Insolvenz beantragt. 51.000 Kunden, die solche Direktinvestments in Container getätigt hatten, bangen nun um ihr Geld. Die Laufzeit der Geldanlagen beträgt in der Regel zwischen drei und fünf Jahren. Fällt P&R aufgrund der Insolvenz nun aus, hat der Anleger keinen sogenannten Anspruchsgegner mehr.


Wer ist von der Insolvenz von P&R betroffen?

Betroffen sind rund 51.000 Kapitalanleger, die in eine der drei folgenden Container-Leasing- und Vertriebsfirmen der Investmentgesellschaft P&R investiert haben:

  • P & R Container Leasing GmbH (Az.: 1542 IN 727/18)
  • P & R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az.: 1542 IN 726/18)
  • P & R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az.: 1542 IN 728/18)

Für diese drei Unternehmen der P&R-Gruppe wurde jeweils ein Insolvenzantrag gestellt. Damit beginnt nun das sogenannte "vorläufige Insolvenzverfahren". Hierbei wird zunächst geprüft, welcher finanzielle Spielraum besteht, unter anderem um die Verfahrenskosten zu bezahlen. Weitere Gesellschaften der P&R-Gruppe sind derzeit nicht betroffen.

Auf der Internetseite www.insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht das Insolvenzgericht Beschlüsse zu den laufenden Verfahren.

Welche Folgen hätte ein Insolvenzverfahren für Anleger?

Bei einem Insolvenzverfahren können nicht nur die Mietzahlungen ausfallen   es kann möglicherweise auch zu Folgekosten für die Unterhaltung der Schiffcontainer kommen. Denn: Letztlich ist der Anleger ja Eigentümer des Containers. In der Praxis kann das aber schwierig werden, da die Container weltweit verteilt sind.


Was können betroffene Anleger jetzt tun?

  • Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht abschätzbar, wie die vorläufigen Insolvenzverfahren ausgehen. Forderungen sollten Sie als Anleger erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens anmelden werden. Es besteht derzeit also noch kein Handlungsbedarf.
  • Im Falle eines Insolvenzverfahrens werden alle bekannten Gläubiger vom Insolvenzverwalter angeschrieben und zur Forderungsanmeldung aufgefordert. Hierfür müssen Sie dann ein Formular, innerhalb einer vom Gericht bestimmten Frist, ausfüllen.
  • Lassen Sie außerdem prüfen, ob Sie beim damaligen Abschluss der Anlage falsch beraten worden sind. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn Ihnen die Anlage als ebenso sicher wie ein Sparbuch empfohlen wurde. Ist dies der Fall, können Sie möglicherweise Schadenersatzansprüche gegen den Finanzberater oder -vermittler durchsetzen. Dabei hilft Ihnen Ihre Verbraucherzentrale.
  • Verfallen Sie nicht in Panik! Lassen Sie sich nicht vorschnell auf mögliche Angebote von Containeraufkäufern ein oder treten Sie nicht vorschnell Ansprüche an Forderungsaufkäufer ab.
  • Auch für weitergehende Fragen können Sie sich bei einem Rechtsanwalt beraten lassen, der sich auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisiert hat, oder sich an Ihre Verbraucherzentrale wenden.
    Wichtig: Die Verbraucherzentrale kann geschädigte Anleger nicht gerichtlich vertreten. Hierfür müssen Sie sich an einen niedergelassenen Rechtsanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht wenden