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Geldanlage in Zeiten des Brexit: Keine Panik!

Stand:

Der Austritt der Briten aus der EU ist kurz vor dem Stichtag im März 2019 noch immer nicht geregelt. Kurzfristig kann das für Turbulenzen sorgen. Doch bei Aktien und anderen Geldanlagen sollten Verbraucher nun nicht hastig handeln.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Brexit bringt viele Unsicherheiten für Wirtschaft und Verbraucher mit sich.
  • Insbesondere Aktienmärkte reagieren mit starken Kursschwankungen, gleiches gilt für den Wechselkurs des britischen Pfunds.
  • Anleger sollten Geduld haben: Sie laufen mit eiligen Entscheidungen Gefahr, Geld zu verlieren.
  • An der Europäischen Einlagensicherung ändert sich zunächst nichts.
Ein Puzzle mit Europafsternen und britischer Fahne
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Das Austrittsabkommen zwischen Großbritannien und der EU ist im Parlament vorerst gescheitert. Damit ist immer noch offen, wie der Brexit in der Praxis letztlich aussehen wird. Zwar haben sich die Regierungschefs im November 2018 auf ein Austrittsabkommen geeinigt. Dieses beinhaltet insbesondere eine Übergangsfrist bis Ende 2020, die bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen bis Ende 2022 verlängert werden kann. Während dieser Übergangsfrist bliebe Großbritannien im EU-Binnenmarkt und in der Europäischen Zollunion.

Allerdings muss, damit das Austrittsabkommen rechtlich gültig ist, es von beiden Seiten - also sowohl von der Europäischen Union als auch vom britischen Parlament - formell ratifiziert werden. Die EU hat das Abkommen Ende November 2018 auf einem Sondergipfel beschlossen. Bei der Abstimmung im britischen Parlament im Januar 2019 hingegen hat die Mehrheit der Abgeordneten gegen das Abkommen gestimmt. Wie es weitergeht, nachdem Großbritannien das Austrittsabkommen abgelehnt hat, ist offen.

Wir raten: Vertrauen Sie keinen Geheimtipps und treffen Sie Entscheidungen in Ruhe! Die Erfahrung lehrt, dass Turbulenzen an den Finanzmärkten oft ebenso schnell gehen wie sie gekommen sind. Und langfristige Trendänderungen kann ohnehin niemand vorhersehen.

Wer als privater Anleger nun übereilt Aktien, Investmentfonds und/oder andere Wertpapiere handelt, tut dies - gewollt oder unbewusst - nicht unter strategischen Gesichtspunkten, sondern handelt spekulativ. Auf jeden Fall kosten die Transaktionen erneut Gebühren.

Ursprünglich war ein geregelter Austritt Großbritanniens bis zum 29. März 2019 vorgesehen. Dieser Termin ist unter den aktuellen Umständen kaum mehr zu halten. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) kritisiert, dass für Verbraucher auf beiden Seiten des Ärmelkanals diese Rechtsunsicherheit nicht mehr tragbar ist:

"Ein Austritt ohne Abkommen würde nicht nur die Wirtschaft schädigen, sondern auch Verbraucher im Regen stehen lassen. Viele Verbraucher planen bereits ihren Osterurlaub. Sie brauchen dringend Klarheit darüber, welche Regeln dann gelten werden und ob sie bei einem Urlaub in Großbritannien noch auf ihre gewohnten Rechte vertrauen können. Großbritannien muss jetzt Verantwortung übernehmen und alles dafür tun, dass es einen geregelten Austritt gibt. [...]"

Urlaub in Großbritannien wird wohl günstiger

Mögen Kurse insbesondere in Großbritannien und der EU kurzfristig stark fallen - wir gehen davon aus, dass der Brexit sich dauerhaft nicht entscheidend für deutsche Verbraucher auswirken wird. Die Aktienkurse kehren nach solchen Schocks in der Regel wieder auf ein "normales" Niveau zurück. Wer sein Geld nicht dringend braucht, sollte geduldig bleiben.

Konkrete Auswirkungen könnte der Brexit für Verbraucher vor allem in folgenden Bereichen haben:

  • Ein Urlaub in Großbritannien wird günstiger, wenn das Pfund gegenüber dem Euro im Wert fällt.
  • Britische Waren können günstiger importiert werden.
  • Geldanlagen und Darlehen, die in Pfund getätigt wurden, können kurzfristig sehr stark schwanken. Die langfristige Wirkung kann heute nicht vorhergesagt werden. Wer Geld in Pfund angelegt hat und das Geld nicht kurzfristig benötigt, kann die Entwicklung daher abwarten. Denn bei einem übereilten Verkauf kann man wegen des fallenden Kurses des britischen Pfunds Verluste machen.
  • Wer ein Darlehen in Pfund aufgenommen hat, kann unter Umständen Gewinn machen. Denn zu zahlenden Raten werden aufgrund eines gestiegenen Euro preiswerter. Solche Darlehen in fremder Währung gelten aber ohnehin als mit einem sehr hohen Risiko verbunden: Schon relativ geringe Änderungen im Wechselkurs haben große Auswirkungen auf die Rendite einer Geldanlage beziehungsweise die Kosten eines Darlehens.

Der Hintergrund: Auch bei Währungen gilt grundsätzlich das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wenn weniger Haushalte, Unternehmen und Staaten den Euro oder das Pfund nachfragen, geht der Preis runter. Im Zuge der griechischen Schuldenkrise des Jahres 2010 hat der Euro beispielsweise gegenüber dem US-Dollar zeitweise über zehn Prozent seines Wertes verloren.

Auf- und Abwertungen in dieser Größenordnung sind allerdings nicht ungewöhnlich und kamen in der Vergangenheit schon öfter vor. Nachdem der Euro gegenüber dem US Dollar bis zum Sommer 2014 wieder aufgewertet hatte, gab es nicht zuletzt durch die Politik der Europäischen Zentralbank und der neuerlichen Griechenlandkrise eine erneute Abwertung.

Eine Abwertung des Euro würde es für Verbraucher teurer machen, außerhalb des Euro-Raumes Waren und Dienstleistungen einzukaufen oder dort Urlaub zu machen. Für deutsche Unternehmen wird es teurer, Waren zu importieren. Andererseits können Unternehmen Waren günstiger ins Ausland exportieren. Umgekehrt bedeutet die Abwertung des britischen Pfund, dass ein Urlaub in Großbritannien preiswerter wird und Verbraucher britische Waren günstiger importieren können. Für die exportorientierte deutsche Industrie wird es schwieriger, Waren in England abzusetzen.

Erspartes bleibt in der Einlagensicherung

Liegt Ihr Erspartes bei britischen Banken (die Bank of Scotland etwa ist hierzulande recht aktiv), ändert der Brexit zunächst nichts an der Einlagensicherung. Sie haben auch dann weiterhin einen Anspruch nach europäischem Standard, solange die Briten keine anderweitigen Regelungen treffen. Bis auf weiteres sind auf diesem Wege also schon 75.000 Pfund pro Kunde abgesichert. Dies entspricht zwar - wegen ungünstiger Wechselkurse - nicht ganz der von der EU vorgegebenen Absicherung von 100.000 Euro, dürfte aber für die meisten Sparer ausreichen.

Zusätzlich sind einige britischer Banken auch Mitglieder im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Sicherungseinrichtung, die im Falle einer Pleite noch deutlich höhere Beträge absichert.

Diese Einlagensicherung ist dafür angelegt, im Falle der Pleite eines einzelnen Instituts das Guthaben der Sparer zu schützen. Theoretisch ist es durchaus möglich, dass in Großbritannien andere Sicherheitsregeln als von der EU gefordert eingeführt werden. Ob dies in der Praxis geplant ist oder gar umgesetzt wird, kann heute niemand sagen. Selbst wenn: Wahrscheinlich würde das Monate, wenn nicht Jahre dauern - wie der gesamte Prozess des Austritts Großbritanniens aus der EU.

Was soll ich jetzt unternehmen?

Es gelten auch jetzt die Regeln, die Sie als Anleger zu jeder Zeit beachten sollten: Sie sollten Ihr Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilen, um Risiken zu minimieren. Lassen Sie sich nicht verrückt machen. In Situationen wie dieser hört man immer wieder von vermeintlich sicheren Häfen wie Immobilien oder Gold. Niemand weiß heute, ob der Brexit langfristige Auswirkungen auf den Euro hat oder ob eine Inflation droht.

Informieren Sie sich anhand geeigneter Ratgeber und lassen Sie sich unabhängig beraten. Es ist auch durchaus sinnvoll, regelmäßig zu überprüfen, ob Ihre aktuellen Geldanlagen weiterhin zu Ihren individuellen Zielen passen.

Starke Kursschwankungen nach der Brexit-Ankündigung

Schon direkt nachdem die Briten im Referendum mehrheitlich den EU-Austritt beschlossen hatten, haben sich die Aktienmärkte und Währungskurse in starke Schwankungen begeben. Im November 2016 hat das Londoner High Court in seinem Urteil dem britischen Parlament ein Mitspracherecht eingeräumt. Die britische Regierung könnte den Brexit also nicht alleine erklären, auch nicht auf Basis des Referendums.

Im Frühjahr 2017 wurde der formelle Antrag für den Austritt aus der Europäischen Union gestellt. Damit begannen die Austrittsgespräche, die maximal zwei Jahre dauern dürfen und bis März 2019 abgeschlossen sein müssen. Wenn das Land den Schritt, also den Brexit, letztlich vollzogen hat, entsteht eine bislang einmalige Situation - darum kann niemand eine sichere Prognose für die weitere Entwicklung abgeben. Sicher ist nur, dass die Auswirkungen für die Briten bedeutender sein werden als für den Rest Europas und damit auch für deutsche Verbraucher.