Kostenloses Online-Seminar "Nahrungsergänzung im Alter" am 3. Dezember um 15 Uhr. Jetzt hier anmelden und bequem von zuhause aus teilnehmen.

Kontovergleich bei Check24 nach Klage offline – Stiftung Warentest folgt

Stand:

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat Klage gegen das Vergleichsportal Check24 eingereicht. Er sieht Mängel beim Girokonto-Vergleich, der nur wenige Kreditinstitute und Kontomodelle umfasst und teilweise veraltet war. Nun bietet die Stiftung Warentest eine Übergangslösung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine EU-Richtlinie sieht vor, dass Verbraucher umfassende Vergleiche von Girokonten erhalten sollen. Solche Vergleiche müssen unabhängig und transparent sein.
  • Der vzbv hat gegen das einzige entsprechende Angebot in Deutschland Klage eingereicht. Unter anderem deckte Check24 nach Ansicht des vzbv nicht ausreichend Anbieter und Kontomodelle ab.
  • Eine irreführende Verwendung des Zertifikats in der Nähe anderer Angebote von Check24 hatte außerdem die Verbraucherzentrale NRW erfolgreich abgemahnt.
  • Bis die Aufsichtsbehörde BaFin ein Vergleichsportal voraussichtlich 2022 anbietet, stellt die Stiftung Warentest ihren Kontovergleich kostenfrei zur Verfügung.
Mann blickt auf PC-Monitor mit der Website check24
Die Grafik des "zertifizierten Girokonto-Vergleichs" auf der kommerziellen Vergleichsseite haben Verbraucherschützer als irreführend abgemahnt. (Foto vom 01.09.2020)
On

"60 Euro im Jahr: Mehr sollte ein Girokonto nicht kosten", schreibt die Stiftung Warentest in ihrem Girokonten-Vergleich. Die Infos können jetzt kostenlos abgerufen werden – gewöhnlich müssen Testergebnisse auf der Internetseite bezahlt werden. Die Stiftung springt ein, weil Deutschland gemäß der europäischen Zahlungskontenrichtlinie einen unabhängigen und kostenfreien Kontovergleich im Internet anbieten muss. Der soll voraussichtlich ab dem 2. Quartal 2022 von der Aufsichtsbehörde BaFin zur Verfügung gestellt und betrieben werden.

Zuvor hatte das Unternehmen Check24 eine Kontovergleichswebseite gestartet – aber nach fünf Monaten wieder vom Netz genommen. Hintergrund waren eine Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) und eine Abmahnung der Verbraucherzentrale NRW. Nach deren Auffassung genügte die Seite nicht den gesetzlichen Anforderungen an eine solche Vergleichswebseite. Das Angebot von Check24 sei nicht geeignet gewesen, für Verbraucher einen Überblick über geeignete Kontoangebote am Markt zu finden. Die Webseite sei zwar vom TÜV Saarland zertifiziert, aber dennoch mangelhaft und unzureichend. "Sie erfüllte unserer Meinung nach schlicht nicht die europarechtlichen Anforderungen", so Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Aufgrund einer EU-Richtlinie müssen Verbraucher auf unabhängigen Vergleichsseiten im Internet die Vorteile und Rahmenbedingungen verschiedener Girokonten kostenlos vergleichen können. Gegen die Umsetzung bei Check24 hatte der vzbv Klage eingereicht (Landgericht München I, Az.: 33 O 15655/20). In verschiedenen Punkten sehen die Verbraucherschützer Verstöße gegen die EU-Richtlinie und die einschlägigen Vorschriften des Zahlungskontengesetzes:

  • Check24 bietet keine wesentliche Marktabdeckung. Zum Stand Ende September 2020 umfasste der Girokonto-Vergleich lediglich 556 und damit nicht einmal ein Drittel der in Deutschland existierenden Kreditinstitute (Stand 31.12.2019: 1717).
  • Hinzu kommt, dass in mehr als 90 Prozent der Fälle nur ein einziges Kontomodell einer Bank genannt wurde.
  • Schließlich fand der vzbv auch deutlich veraltete Informationen im Girokonto-Vergleich. Beispielsweise war zum Stichprobenzeitpunkt Ende September ein Konto auf der Website gelistet, welches seit mindestens fast drei Monaten nicht mehr existierte.

Zudem hat die Marktbeobachtung des vzbv festgestellt, dass die Suchfilter nicht korrekt funktionieren. So wurden in vier von fünf überprüften Postleitzahlbereichen in Hamburg, Leipzig, München und Berlin Kontoangebote zentraler Sparkassen und Volksbanken nicht angezeigt.

Dem vzbv geht es darum, dass Verbraucher eine Vergleichswebsite zur Verfügung gestellt bekommen, wie sie sich der europäische Gesetzgeber mit der Zahlungskontenrichtlinie vorgestellt hat. Die Lösung von Check24 erfüllte das aus Sicht des vzbv bis zuletzt nicht.

Abmahnung wegen unzulässiger Werbung mit Zertifikat

Entsprechende Vergleichsseiten nach der EU-Richtlinie müssen in Deutschland zertifiziert werden, damit die Vergleiche mit größtmöglicher Unabhängigkeit und Transparenz stattfinden. Check24 hat für seinen gesetzlichen Girokonto-Vergleich ein Zertifikat vom TÜV Saarland. Es hat dieses Zertifikat aber auch an anderen Stellen verwendet. Dagegen ist die Verbraucherzentrale NRW erfolgreich vorgegangen.

Der Hintergrund: Das Vergleichsportal hatte einen Hinweis auf das Zertifikat auch in einer anderen Rubrik platziert: dort, wo Nutzer bei kooperierenden Banken direkt eine Kontoführung beantragen können. Dafür erhält Check24 Provisionen von den Finanzinstituten. Wer diese Seite des Vergleichsportals in der Desktop-Ansicht nutzte, sah eine deutlich hervorgehobene und farblich in schwarz-rot-gold gestaltete Grafik mit dem Text "ZERTIFIZIERTER GIROKONTOVERGLEICH". So durften Verbraucher annehmen, dass es sich bei der Vergleichsseite bereits um die zertifizierte handelte. Verstärkt wurde der Eindruck dadurch, dass neben dem Schriftzug die mit einem blauen Häkchen versehene Auskunft "Einziger zertifizierter Girokontovergleich" zu sehen war.

Deshalb hat die Verbraucherzentrale NRW Check24 abgemahnt: Der Anbieter sollte sein Angebot ohne Zertifizierung nicht mit der Zertifizierung bewerben. Diese unzulässige Werbung wurde entsprechend aus dem Netz genommen. Der zertifizierte Vergleich von Check24 war aber weiterhin für Verbraucher nur schwer auffindbar.

Wir raten generell dazu, genau hinzuschauen: Wie unabhängig ist ein Portal? Erhält der Anbieter eine Provision, wenn Sie einen Vertrag darüber abschließen? Wie wird der Produktvergleich dadurch beeinflusst? Wie viele Anbieter enthält der Vergleich? Beim zertifizierten Girokontovergleich von Check24 waren mehr als 500 Kreditinstitute enthalten, beim nicht zertifizierten noch einmal deutlich weniger – und zwar lediglich 20.