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Reich werden mit Börsentipps via WhatsApp?

  • Unseriöse Trading-Gruppen auf WhatsApp versprechen Verbrauchern lohnende Börsentipps
  • Die Initiatoren versuchen Verbraucher zum Handel mit hochspekulativen Finanzprodukten zu überreden
  • Die Gefahr, viel Geld zu verlieren, ist hoch
Junger Mann tippt eine Nachricht auf seinem Smartphone
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Was sind Trading-Gruppen bei WhatsApp und wie funktionieren sie?

Um schnell an viel Geld zu kommen, braucht es nicht mehr als ein paar Börsentipps per WhatsApp? Das versprechen derzeit „Anbieter“ sogenannter Trading-Gruppen. Wer mitmachen möchte, muss nur eine kurze Nachricht an einen der angeblichen Trading-Profis schicken und erhält dann in einer WhatsApp-Gruppe lohnende Tipps, so das Versprechen. Doch diese Angebote sind hochgradig unseriös.

Kann man damit wirklich schnell reich werden?

Mit teuren Autos und Uhren bedienen die Werbevideos der „Anbieter“ auf YouTube sämtliche Klischees. Verbrauchern wird suggeriert, dass auch sie mithilfe der Tipps aus der Gruppe innerhalb kurzer Zeit solche Luxusgüter leisten können. Doch in den Versprechen steckt nicht ein Funken Realität. Es mag zwar sein, dass es dem einen oder anderen tatsächlich gelungen ist, mit riskanten Trades Geld zu verdienen. Schließlich gibt es genügend, die das probieren. Doch das heißt nicht automatisch, dass diejenigen, denen das gelungen ist, gute Trader sind. Schließlich ist jemand, der ein Casino mit vollen Taschen verlässt, auch noch lange kein guter Glücksspieler.

Wie hilfreich sind die Tipps aus solchen Trading-Gruppen?

Die Tipps sind vollkommen nutzlos. Folgendes Beispiel: Angenommen, die Verkaufszahlen für das neue Smartphone einer Aktiengesellschaft rauschen in den Keller, was die Gewinnaussichten eintrüben würde. Vermutlich würde das den Aktienkurs nach unten treiben. Aber kann man mit der Information Geld verdienen, indem man auf fallende Kurse wettet? Nein. Die Information stünde ja auch in der Zeitung, und zuvor wäre sie über Nachrichtenticker gelaufen, und davor wäre das von Marktteilnehmern aufgrund von Äußerungen der Zulieferer vielleicht schon längst erwartet worden. Denn grundsätzlich gilt: Neue Informationen fließen meist binnen Sekunden in die Börsenpreise ein, lange bevor sie irgendeine WhatsApp-Gruppe erreichen. Trading anhand von Chartsignalen ist genauso nutzlos. Hier sollen sich aus dem aktuellen Kursverlauf angeblich Signale ableiten lassen für den künftigen Kursverlauf. Das ist nichts als Kaffeesatzleserei. Die Realität ist: Preisänderungen an den Börsen sind auf kurze Sicht nicht prognostizierbar. Seit Jahrzehnten lehren uns das Studien aus der Kapitalmarktforschung. Damit kann und wird es niemals eine zuverlässige Tradingstrategie geben.

Wer steckt hinter diesen Gruppen?

Tatsächlich ist unklar, wer die Initiatoren solcher Trading-Gruppen sind und welches Interesse dahintersteckt. Verbraucher können beispielsweise nicht überprüfen, welche Provisionen im Hintergrund fließen. Denkbar ist, dass Initiatoren für die Vermittlung neuer Kunden an Anbieter Provisionen erhalten. Denn um die Tradingstrategien und –tipps auch der WhatsApp-Gruppe umzusetzen, braucht man einen Broker, eine Trading Plattform. Dort kann man dann sogenannte CFDs oder Binäre Optionen handeln. Das sind aber alles hoch spekulative Anlageprodukte, an denen sich selbst Profis die Finger verbrennen können.

Welche Gefahr lauert hinter den Trading-Gruppen?

Da die Tipps sich auf hoch spekulative und risikoreiche Anlageprodukte beziehen, ist die Gefahr groß, das eingesetzte Geld komplett zu verlieren. Gleichzeitig kostet jeder Trade Handelsgebühren. Das Ergebnis ist, dass mit der Häufigkeit der Trades auch die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlusts steigt. Kritisch ist auch, dass die Gruppenmitglieder in einem eher privaten und persönlichen Umfeld angesprochen werden. Die „Anbieter“ oder Initiatoren solcher Gruppen machen sich dieses Umfeld zu Nutzen und lassen ihre Empfehlungen wie Tipps von guten Freunden wirken. Damit wollen sie erreichen, dass es den Teilnehmern möglicherweise an der notwendigen Distanz und an Misstrauen fehlt.