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Von wegen "Rendite" und Kapitalmarkt - aus unserer Beratungspraxis

Stand:
Ein Paar rechnet Angaben aus Finanzunterlagen nach
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Minusrendite statt satter Verdoppelung

Ein Ehepaar, ein Ingenieur und eine Beamtin, Anfang 30 mit einem Kind im Alter von acht Monaten, bittet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg um Prüfung verschiedener bestehender Verträge zur Altersvorsorge. Der Ingenieur hatte im Jahr 2004 auf Anraten eines Finanzberaters eine fondsgebundene Rentenversicherung abgeschlossen. Seitdem wurden
rund 12.000 Euro eingezahlt, der Rückkaufswert beträgt rund 8.500 Euro. Der Verlust entspricht rund 30 Prozent der Einzahlungen oder einer jährlichen Rendite von minus 6,2 Prozent. Wären die bisherigen Einzahlungen stattdessen kostengünstig und bedarfsgerecht angelegt worden, würde der Verbraucher heute aufgrund der historischen Entwicklung der Aktienmärkte seit 2004 statt auf eine Minusrendite von 6,2 Prozent auf eine positive Rendite von jährlich 9,6 Prozent zurückblicken. Sein Altersvorsorgekapital betrüge rund 21.000 Euro statt der aktuellen 8.500 Euro. Die Zahlen unserer Rendite-Drehscheibe hat wohl kaum ein Anleger erreichen können. Warum nicht? Weil im Finanzvertrieb die Verbraucherinteressen nicht im Mittelpunkt stehen und weil die Politik die Anbieter gewähren lässt.

Vorsicht vor neuen "Index"-Policen!

Dank der Niedrigzinsen haben es Finanzberater schwer, Verbraucher noch zum Abschluss von klassischen Rentenversicherungen zu überreden. Die Garantieleistung liegt kaum noch über der Summe der Einzahlungen. Zunehmend häufiger werden daher Versicherungen angeboten, die eine Beteiligung an den Aktienmärkten, meist in Form eines Aktienindex, in Aussicht stellen – und zugleich die Risiken begrenzen.

Hierzu folgender Fall aus unserer Beratungspraxis:

Im August 2016 wurde ein Verbraucher, damals 70 Jahre alt, von seiner Sparkasse zu einem Gespräch mit einem Versicherungsvertreter eingeladen. Dieser riet ihm, eine neue Lebensversicherung mit einem monatlichen Beitrag von 150 Euro abzuschließen, welche in 2030 fällig würde. Dann wäre der Verbraucher 84 Jahre alt, hätte rund 26.000 Euro eingezahlt und würde eine Rente in Höhe von garantiert mindestens 118 Euro erhalten. Wir haben nachgerechnet: Rechnerisch müsste der Verbraucher über 102 Jahre alt werden, bis er über die garantierte Rente seine eingezahlten Beiträge zurückerhalten würde. Oder anders gerechnet: Würde er mit 84 Jahren statt der Rente die in Aussicht gestellte Einmalauszahlung nehmen und der Versicherer bis dahin keine Überschüsse erzielen, läge die Rendite für die Anlage bei minus 1,48 Prozent pro Jahr!

Es kommt aber noch schlimmer: Der Vertreter hatte einen bestehenden alten Vertrag aus dem Jahr 1986 beitragsfrei gestellt. Damals lag der Garantiezins bei 3,5 Prozent. Das neue Angebot kann damit nicht mithalten. Es verspricht zwar, die jährliche Überschussbeteiligung in Optionen zu investieren, deren Rendite sich am Verlauf eines „Multi-Asset-Index“ orientiert, mit einem „innovativen Trendfolgemodell – TrendPortfolio Index“. Doch die Anlagestrategie, die hier verfolgt wird, halten wir für nicht vertretbar, geschweige denn empfehlenswert. Unser Rat: Winken Sie ab, wenn man Ihnen in Aussicht stellt, dass es möglich ist, auf Basis irgendeiner Regel an „Trends“ zu partizipieren. Und wer mit Mechanismen der „Risiko-Kontrolle“ Stabilität für Ihre Anlage verspricht, wird Sie wahrscheinlich enttäuschen. Das Einzige, auf das Sie sich bei solchen Angeboten wirklich verlassen können, sind die Entgelte, die Sie bezahlen müssen, unabhängig davon, ob Sie Erträge erhalten oder nicht.

Fondspolice: Hohe Kosten bei bescheidenen Ertragsaussichten

Angeboten wurde eine fondsgebundene Rentenversicherung (Fondspolice). Die Verbraucherin würde vom 1. November 2018 bis zum 1. November 2030 monatlich 400 Euro bezahlen, in der Summe also 57.600 Euro. Besonderen Versicherungsschutz für Lebensrisiken während der Sparphase gibt es nicht. Das Angebot enthält eine Berechnung, wonach bei null Prozent jährlicher Wertentwicklung der Policenwert nach 12 Jahren 52.775,04 Euro betragen würde. Damit ist klar: Der Unterschied zur Einzahlungssumme sind Kosten der Versicherung: Das sind rund 4.825 Euro. Man könnte auch sagen, dass das Geld sich mit minus 1,46 Prozent jährlich verzinsen müsste, um derart abzunehmen. Doch das ist längst nicht alles: Die angenommene Wertentwicklung von null Prozent kann nur erreicht werden, wenn der Investmentfonds ausreichend hohe Erträge erzielt, um seine eigenen laufenden Kosten auszugleichen, immerhin laut Kostenausweis jährlich 1,35 Prozent des verwalteten Vermögens. Nur wenn also die Fondsgesellschaft genug Ertrag erwirtschaftet, um die eigenen Kosten und die Kosten für die Versicherung auszugleichen, bleibt für den Anleger eine positive Rendite übrig.

Wie realistisch ist das? Das Geld wird in einen „Spezial fonds mit regelbasierter Anlagestrategie“ angelegt. Dieser verspricht, dass er „in Aufwärtstrends möglichst zu 100 Prozent ein Investment an den weltweiten Aktienmärkten abbilden“ soll, „in Abwärtsphasen aber nur geldmarktnah investiert sein“ soll. Man will also vor einem Crash rechtzeitig alle Aktien verkaufen und auf sichere Geldanlagen ausweichen. In den Angebotsunterlagen ist ein Diagramm enthalten, das die „indexierte Wertentwicklung seit Auflegung“ darstellt. Daraus geht hervor, dass seit Juni 2014 bis September 2018 mit dieser Anlagestrategie ein Wertzuwachs von 38 Prozent erreicht werden konnte. Beeindruckend? Nein, die Erträge aus weltweiten Aktien betrugen in diesem Zeitraum sogar 61 Prozent. Würde die Anlagestrategie halten, was sie verspricht, müsste die Wertentwicklung des Produkts über den 61 Prozent liegen, da man ja bei den Abwärtstrends an der Börse (die es auch in diesem Zeitraum gab) rechtzeitig auf sichere Geldanlagen umzuschichten verspricht.