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Prio.one: Vorsicht vor Antibabypille aus dem Internet

Stand:

Über das Portal prio.one bietet eine Firma aus Irland die Pille per Ferndiagnose an. Die Verbraucherzentralen raten Frauen, hier vorsichtig zu sein und das Arzneimittel nicht leichtfertig ohne Arztbesuch zu bestellen. Zudem verstößt der Anbieter gegen das Heilmittelwerbegesetz und gegen die ärztliche Berufsordnung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Auf einer Webseite rund um Frauengesundheit können Frauen die Antibabypille ohne direkte ärztliche Beratung bestellen. Es reicht das Durchklicken durch einen Fragebogen.
  • Wegen möglicher Nebenwirkungen der Pille ist das medizinisch aber nicht ratsam. Zudem ist es nicht rechtskonform.
  • Auch wenn Influencer:innen mit Rabattcodes werben, sollte man Kosten vergleichen. Denn für Frauen bis 22 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen verschreibungspflichtige Verhütungsmittel. In dem Shop sind aber nur Selbstzahlerleistungen möglich.
Pillen-Packung mit Tagesbezeichnungen
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Die Antibabypille ganz einfach im Netz bestellen, ohne Arztbesuch? Nur ein paar Fragen beantworten und über Influencer:innen noch Rabatt bekommen? So funktioniert gerade das Geschäftsmodell von prio.one, einer Webseite und einer App rund um Frauengesundheit, mitgegründet von Sängerin Vanessa Mai. Bei den Verbraucherzentralen gingen zahlreiche Beschwerden zu diesem Angebot ein.

Denn das Unternehmen mit Sitz in Irland ermöglicht eine Online-Bestellung der Antibabypille, ohne ärztlichen Kontakt, nur mittels eines Fragebogens. Zusätzlich werben Influencer:innen auf Instagram mit Rabattcodes. Solch ein Rezept per Ferndiagnose ist in Irland erlaubt. In Deutschland ist die Pille jedoch verschreibungspflichtig. 

Zudem verstößt das Unternehmen hier gegen das Heilmittelwerbegesetz, wonach für verschreibungspflichtige Arzneimittel "nur bei Ärzten, Zahnärzten, Tierärzten, Apothekern und Personen, die mit diesen Arzneimitteln erlaubterweise Handel treiben, geworben werden" darf (§ 10 Abs. 1 HWG). Das Geschäftsmodell ist auch nicht mit der Berufsordnung für Ärzte vereinbar, wonach "eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien" nur im Einzelfall erlaubt ist, nämlich wenn "dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird" (§ 7 Abs. 4 der Musterberufsordnung für Ärzte (MBO-Ä). Das haben auch Ärzt:innen aus anderen Mitgliedstaaten der EU zu beachten.

Viele Frauen und Mädchen vertragen die Pille gut, aber sie kann eben auch Nebenwirkungen auslösen, etwa Blutungsunregelmäßigkeiten, Akne, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme oder ein reduziertes Lustempfinden. Bei bestimmten Vorerkrankungen kann die Einnahme problematisch sein, zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Problemen, bei einem erhöhten Thromboserisiko, bei Übergewicht und bei Raucherinnen. Daher sollte die Pille nicht eigenmächtig eingenommen werden, sondern an eine ärztlichen Untersuchung gekoppelt sein - auch um mögliche Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten auszuschließen. Frauenärzt:innen empfehlen eine halbjährliche Kontrolle. Mädchen bis zum Alter von 14 Jahren dürfen die Pille ohnehin nicht ohne Zustimmung der Eltern erhalten. Deshalb rät die Verbraucherzentrale zur Vorsicht bei medizinischen Mitteln aus dem Internet. Auch auf Influencer:innen sollte man nicht bedenkenlos setzen. Sie sind (meist) keine Ärzt:innen, dafür aber oft von den Firmen bezahlt. 

Im Shop des irischen Unternehmens ist die Pille immer selbst zu bezahlen - für Frauen unter 22 Jahren erstatten die gesetzlichen Krankenkassen aber verschreibungspflichtige Verhütungsmittel. Und erst ab 18 Jahren ist die Zuzahlung von fünf bis zehn Euro selbst zu zahlen.

Mehr zu Gesundheitsinformationen im Netz finden Sie unter www.faktencheck-gesundheitswerbung.de, einem Projekt der Verbraucherzentralen NRW und Rheinland-Pfalz.