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Airline Niki insolvent - Kunden sollen Ticketpreise zurück erhalten

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach Air Berlin ist nun die Tochtergesellschaft Niki seit dem 13.12. insolvent. Sie hat den gesamten Flugbetrieb eingestellt.
  • Für Pauschalreisende müssen die Reiseveranstalter für Ersatzbeförderung sorgen. Andere Fluggäste müssen ihre Ersatzflüge selbst organisieren. Niki will aber die Ticketpreise erstatten.
  • Die Verbraucherzentralen fordern Insolvenzsicherungen auch für direkt gebuchte Flugreisen. Außerdem sollten Anzahlungen von mehr als 20 Prozent und eine Restzahlung früher als 30 Tage vor dem Flugtermin verboten werden.
Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Niki fliegend unter der Sonne.
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Wenn der Flug ausfällt

Grundsätzlich gilt: Wen eine Fluggesellschaft nicht an sein Ziel bringt, der hat nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung unter anderem Ansprüche auf Preiserstattung und ggf. Ausgleichsleistungen. Bei einer Insolvenz der Airline müssen diese Ansprüche beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Laut Medienberichten hat das zuständige Amtsgericht Berlin-Charlottenburg als Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther bestellt.

Wer Flüge gebucht hat, die Niki nicht mehr ausführt, muss sich selbst um Ersatz bemühen. Verschiedene Airlines führen Rückholaktionen bis 31. Dezember durch. Niki gibt auf der eigenen Internetseite die Kontaktdaten der Fluggesellschaften für Betroffene an.

Niki-Passagiere sollen Geld zurück bekommen

Dr. Flöther teilt auf seiner Internetseite mit, dass viele Passagiere den Flugpreis für ihre Tickets erstattet bekommen sollen. Allerdings treffe das nur auf diejenigen zu, die nach dem 15. August 2017 gebucht haben. An dem Tag hat die Mutter-Gesellschaft Air Berlin ihren Insolvenzantrag gestellt.

Die Erstattung soll automatisch erfolgen, teilt ein Sprecher Flöthers mit. Betroffene sollen demnächst weitere Infos auf der Seite airberlin-inso.de finden.

Pauschalreisende sind besser gestellt

Auf Soforthilfe können hingegen Pauschalurlauber vertrauen: Der Reiseveranstalter, bei dem die Reise gebucht wurde, muss für Ersatz sorgen, wenn der Ferienflieger nicht abhebt. Ansprüche nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung müssen auch Pauschalreisende ausschließlich bei Niki beziehungsweise beim Insolvenzverwalter anmelden.

Mehr zu den genau geregelten Fluggastrechten haben wir in einem anderen Beitrag zusammengestellt.

Gesetzgeber ist gefordert

Dass Fluggäste etwa bis zu einem Jahr im Voraus für gebuchte Tickets komplett zahlen sollen, ist aus Sicht der Verbraucherzentralen unhaltbar. Deshalb hat die Verbraucherzentrale NRW gegen die Vorauskassepraxis verschiedener Fluggesellschaften geklagt – erfolglos. Der Bundesgerichtshof (BGH) als letzte Instanz teilte die Auffassungen der Verbraucherschützer nicht: Zulassungs- und Aufsichtsbestimmungen seien ausreichend und würden das Insolvenzrisiko deutlich verringern.

Nun ist der Gesetzgeber gefordert. Die Pleiten von Air Berlin und Niki sind Beispiele, die die Zweifel an der Effektivität der behördlichen Aufsicht in Sachen Verbraucherschutz untermauern. Daher müssen auch Fluggesellschaften verpflichtet werden, sich wie Pauschalreiseveranstalter gegen Insolvenz abzusichern. Außerdem sollten Regelungen verboten werden, nach denen Passagiere eine Anzahlung von mehr als 20 Prozent des vereinbarten Preises und/oder eine Restzahlung früher als 30 Tage vor dem Flugtermin leisten sollen.