Unterwegs entspannt über aktuelle Verbraucherthemen informieren? Abonnieren Sie unseren Podcast!

Reise-Riese Unister meldet Insolvenz an

Stand:

Der Betreiber von zahlreichen Portalen wie Ab-in-den-Urlaub.de und fluege.de will sein Geschäft dennoch weiterführen. Urlauber sollten sich an ihre eigentlichen Anbieter wenden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Reise-Konzern Unister hat Insolvenz angemeldet. Zu ihm gehören zahlreiche gewerbliche Reisevermittler.
  • Wenden Sie sich mit Fragen an Ihren eigentlichen Anbieter, wie beispielsweise die Fluggesellschaft oder den Reiseveranstalter für die gebuchte Pauschalreise.
  • Die meisten Unister-Portale werden über Tochter-Unternehmen betrieben. Inzwischen sind auch davon viele insolvent - unter anderem die Betreiber von fluege.de und Urlaubstours.
Off

Wenige Tage nachdem der Firmengründer bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist, hat der Reise-Riese Unister Insolvenz angemeldet (Aktenzeichen 405 IN 1402/16). Das Unternehmen betreibt über ein Geflecht aus Tochterunternehmen nach eigenen Angaben rund 40 Internetportale wie fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de. Der Gesamtumsatz des Unternehmens bewegt sich im deutlich dreistelligen Millionenbereich.

Im Urlaubsgeschäft tritt Unister in den meisten Fällen als Vermittler auf. Über die Webportale können Nutzer Preise verschiedener Anbieter vergleichen und Unister verdient an Provisionen. Eine Ausnahme ist die Unister-Tochter Urlaubstours, ein Reiseveranstalter für Pauschalreisen. Diese hat nun ebenfalls Insolvenz angemeldet (4040 IN 1402/16).

Am 21.07. ist auch für die UNISTER TRAVEL Betriebsgesellschaft mbH Insolvenz angemeldet worden, die laut Angaben des Unternehmens die Muttergesellschaft des Touristikgeschäftes sei. Sie steht beim Portal fluege.de im Impressum. Unter ihr wiederum befindet sich laut Organigramm des Unternehmens auch die Ab-In-Den-Urlaub Betriebsgesellschaft mbH, die für ein weiteres, umsatzstarkes Portal der Gruppe verantwortlich ist.

Darüber hinaus seien auch die Unister GmbH (laut Unister kleinere Portale wie Auto.de und Partnersuche.de) sowie die U-Deals GmbH (Anbieterin von zeitlich befristeten Angeboten von Reisearrangements) insolvent. Einen Überblick darüber, welche Unternehmensteile insolvent sind, gibt Unister in einem FAQ.


Sonderfall bei Unister-Tochter Urlaubstours

Bei der Unister-Tochter Urlaubstours handelt es sich im rechtlichen Sinne um einen klassischen Reiseveranstalter für Pauschalreisen und nicht wie beispielsweise bei fluege.de oder auch Ab-in-den-Urlaub.de um ein Vermittlungsportal.

Darum müssten hier Pauschalreisen unserer Ansicht nach durch so genannte Sicherungsscheine abgesichert sein. Der Insolvenzverwalter versichert, bereits gebuchte Reisen seien entsprechend abgesichert und würden planmäßig durchgeführt.

Es sollten demnach auch keine Buchungen mehr über die Seite vorgenommen werden können, jedoch ist unsere Wahrnehmung am Tag nach dem Insolvenzantrag: Die Homepage ist noch aktiv und ein Buchungsvorgang ist möglich.

Verbraucher sollten bei einer bereits gebuchten Pauschalreise folgendes beachten: Haben Sie für die gebuchte Pauschalreise einen Sicherungsschein erhalten?

  • Der Sicherungsschein muss auf der Rückseite der Reisebestätigung abgedruckt sein oder an diese angeheftet worden sein.
  • Zusammen mit der Buchungsbestätigung muss dieser ebenfalls zugeschickt worden sein.

 

Haben Sie keinen Sicherungsschein erhalten, fragen Sie beim Reiseveranstalter sicherheitshalber noch einmal nach. Sinn und Zweck des Sicherungsscheins:

  • Der Sicherungsschein ist EU-weit vorgeschrieben für den Abschluss bei einer Pauschalreise.
  • Er garantiert, dass eine Versicherung für die Durchführung der Reise im Insolvenzfall des Reiseveranstalters einspringt.
  • Er gibt darüber Auskunft, welche Versicherung im Falle dieses Insolvenzfalles einspringt und wohin sich die Verbraucher in diesem Falle wenden müssen, um beispielsweise einen Anspruch auf Rückerstattung des Reisepreises für ausgefallenen Reiseleistungen geltend zu machen oder wie eventuelle Kosten für die Rückreise aus dem Urlaubsland übernommen werden.
  • Seit Anfang November hat die Urlaubstours GmbH wieder ihren normalen Geschäftsbetrieb aufgenommen. Somit können über diesen Anbieter wieder Reiseleistungen gebucht werden. Buchungen sind über ausgegebene Sicherungsscheine von Reisegarant im Namen der Generali Versicherung abgesichert.

Unister ist oft nicht der eigentliche Geschäftspartner

Ihre eigentliche Buchung tätigen Sie bei den meisten anderen Unister-Portalen beim Anbieter - etwa der Fluglinie oder dem Anbieter einer Pauschalreise. Einige Tage nach der Insolvenz des Unister-Mutterkonzerns ist auch die Tochter UNISTER TRAVEL Betriebsgesellschaft mbH in eine Insolvenz gegangen, die das Portal fluege.de betreibt. Wie sich das auf bereits hier gebuchte Leistungen auswirkt, ist derzeit unklar. Zwar versichert der Insolvenzverwalter den Medien gegenüber, dass das operative Geschäft fortgeführt werde.

Grundsätzlich ist es aber so, dass im Falle der Insolvenz eines Unternehmens bereits gezahlte Gelder wie Ihre An- oder Vorauszahlungen für Buchungen in die Insolvenzmasse fallen. Solche Forderungen müssten Sie dann im Rahmen des Insolvenzverfahrens anmelden.

Die Aussage des Insolvenzverwalters lässt jedoch keinen Rückschluss darauf zu, ob bereits gezahltes Geld an den jeweiligen Anbieter weitergeleitet wurde. Treten Sie zu Flügen und/oder Unterkünften, die Sie über Unister-Portale gebucht haben, im Zweifel in Kontakt mit dem eigentlichen Anbieter und versichern Sie sich, dass die Reise angetreten werden kann. Bei Problemen können Sie sich an die Verbraucherzentrale wenden.

Wie sich das Insolvenzverfahren entwickeln wird, können wir noch nicht absehen.

Verbraucherzentralen beschäftigen sich seit Jahren mit Unister

Die Verbraucherzentralen haben bundesweit schon lange mit Unister zu tun. Seit mehr als zehn Jahren klagen sie immer wieder gegen wechselnde Betreiber solcher Reiseportale im Unister-Konzern. Knackpunkte sind unter anderem teure Zahlungsweisen und Versicherungen, Probleme mit Gutscheinen und offensive Werbung. Gerade erst hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vor dem Landgericht Leipzig (AZ 08 O 1432/16; noch nicht rechtskräftig) Recht bekommen, nachdem sie wiederkehrende Maschen des Konzerns benannt hatte.

Sind Sie unsicher, welches Unternehmen hinter einem Reiseportal steht, hilft ein Blick ins Impressum der Homepage, denn dort muss u.a. die Firma, bei juristischen Personen wie einer GmbH auch der Vertretungsberechtigte und der Sitz des Unternehmens angegeben werden.