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Achtung: Weniger Inhalt, gleicher Preis

Stand:

Das Wichtigste in Kürze
 

  • Rechtlich lässt sich gegen solche verbraucherfeindliche Maschen leider kaum etwas machen.
  • Weniger Inhalt bei gleichem Preis ist Marktstrategie
  • Verbraucher können Mogelpackungen bei der Verbraucherzentrale melden
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Immer wieder beschweren sich Verbraucher bei uns darüber, dass Unternehmen den Inhalt ihrer Verpackungen verringern, aber der Preis gleich bleibt. Für Verbraucher folgt daraus eine Preiserhöhung, die oft erst zu Hause im Vergleich mit dem alten Produkt auffällt und dann für umso mehr Ärger sorgt.

Ein aktuelles Beispiel ist mymuesli Beere glutenfrei. Das alte Produkt bestand zu 80 Prozent aus glutenfreien Hafercrunchy und -flocken. Dazu kamen 6 Prozent gefriergetrocknete Beeren (rote Johannisbeeren, schwarze Johannisbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Cranberries), Sonnenblumenkerne, Cornflakes und getrocknete Äpfel. Eine Dose kostete 7,90 Euro. Dafür bekam man 575 Gramm Müsli, laut Hersteller neun Portionen.

Nur wer sehr genau hinsieht, bemerkt seit etwa Mai den Button „neue Rezeptur“ auf der Dose sowie eine fehlende Johannisbeere auf dem Deckel. Ansonsten sieht die Dose im Regal genauso aus wie vorher. Auch das Volumen, also die Füllhöhe in der Dose, hat sich nur in geringem Maß verändert. Ebenso bleibt der Preis bei 7,90 Euro. Doch der Inhalt ist komplett anders. Zum einen sind nur noch 375 Gramm drin, der Inhalt wiegt nun also 35 Prozent weniger und es sind nur noch sechs Portionen enthalten.  Die Haferkomponenten wurden gegen Buchweizenflakes (43 Prozent) getauscht. Der Beerenanteil beträgt nur noch 5 Prozent, statt Johannisbeeren und Cranberries sind nun Blaubeeren drin. Die Sonnenblumenkerne sind ersetzt durch Kürbiskerne, die getrockneten Äpfel durch getrocknete Dattelstücke. Außerdem ist nun Reismehl enthalten. Mit den Zutaten haben sich auch die Nährwerte verändert – leider nicht nur zum Guten. Zwar enthält die neue Rezeptur weniger Fett und gesättigte Fettsäuren, aber auch weniger Eiweiß sowie Ballaststoffe, mehr Zucker und die zehnfache Menge Salz.

Keine Möglichkeit gegen "versteckte" Preiserhöhung vorzugehen

Rechtlich lässt sich gegen solche verbraucherfeindliche Maschen leider kaum etwas machen. Hersteller und Handel dürfen - bis auf wenige Ausnahmen wie Arzneimittel oder Bücher - die Preise frei gestalten, so bilden sich die Preise im Wettbewerb. Veränderungen bei Rezepturen und Verpackungen von Produkten müssen sie weder begründen noch besonders darauf hinweisen. Nur die Angabe der Füllmenge und Inhaltsstoffe auf dem verpackten Produkt ist vorgeschrieben. Im Einzelhandel muss außerdem neben dem Endpreis auch der Grundpreis angegeben sein, um Verbrauchern den direkten Preisvergleich zu ermöglichen. Erfolgen diese Angaben vollständig und korrekt, haben wir als Verbraucherzentrale keine Möglichkeit, gegen „versteckte“ Preiserhöhungen vorzugehen.

Trotzdem ist „weniger Inhalt zum gleichen Preis“ eine beliebte Marketingstrategie bei den Firmen. Denn so können munter höhere Preise verlangt werden, ohne kritische Preisgrenzen zu überschreiten, die mögliche Kunden vielleicht vom Kauf abschrecken könnten. Und weil sich Verbraucher darüber zu Recht ständig ärgern, informieren wir über aktuelle Meldungen auf unserer Internetseite: https://www.verbraucherzentrale-bawue.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/mogelpackungen-tricks-mit-luft-und-doppeltem-boden-11707

Haben auch Sie sich über verringerten Inhalt zum gleichen Preis geärgert? Dann senden Sie uns Ihre Fotos der alten und neuen Produktverpackungen (bitte keine Herstellerfotos aus dem Internet) und falls vorhanden eine Kopie des Kassenbelegs als Preisnachweis per E-Mail an ernaehrung@vz-bw.de. Gerne nehmen wir auch Ihre Meldung in unsere Galerie auf.