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Defekte Ware: Händler verstoßen oft gegen Gewährleistungspflicht

Stand:

Tritt in den ersten zwei Jahren nach dem Kauf ein Mangel auf, muss der Händler aktiv werden. Die Praxis sieht leider anders aus: Händler schinden Zeit, schieben die Schuld auf Kunden bzw. Hersteller und nutzen Unwissen aus.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach einem Kauf stehen Ihnen zwei Jahre lang Gewährleistungsrechte zu. In den ersten sechs Monaten sind Sie besonders gut geschützt: Kommt es hier zum Streit, muss der Händler beweisen, warum die Ware kaputt ist.
  • Viele Händler versuchen sich aber vor Austausch und Reparatur zu drücken. Zu diesem Ergebnis kommen Untersuchungen der Verbraucherzentralen.
  • In 92 von 100 nun untersuchten Beratungsfällen haben wir einen Verstoß gegen Gesetze festgestellt.
Mann sitzt vor defektem Fernsehgerät
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Eine Verbraucherumfrage zum Thema Gewährleistung hatte im Jahr 2017 gezeigt, dass Händler oft zu Unrecht Gewährleistungsrechte verweigern. Das Ergebnis einer Untersuchung von 2018 zum Thema "Garantie und Gewährleistung" gibt nun Aufschluss über Ursachen und das Vorgehen der Händler: Schäden werden oft auf Verbraucher geschoben und Unwissen ausgenutzt. Außerdem sind die juristischen Rahmenbedingungen komplex und undurchsichtig.

Vom 1. Juni bis zum 30. September 2018 haben Berater der Verbraucherzentralen im Rahmen des Projekts "Wirtschaftlicher Verbraucherschutz" bundesweit 100 Beratungsfälle zu Problemen bei der Durchsetzung von Gewährleistungsrechten ausgewertet.

Verstöße bei 92 von 100 Beratungsfällen

Dabei wurde untersucht, in welchen Fällen Gewährleistungsfälle auftreten und wie Händler mit diesen umgegangen sind. In 92 der 100 Beratungsfälle konnte die Verbraucherzentrale einen Verstoß gegen die gesetzlichen Gewährleistungsrechte feststellen.

Größter Ärger mit Elektronikprodukten

Den meisten Ärger hatten Verbraucher laut Auswertung der Verbraucherzentralen

  1. mit großen und kleinen Elektronikprodukten (44%)
  2. Möbeln (29%)
  3. Fahrzeugen (11%)

Händler tauchen ab, um Zeit zu schinden

Weiter gaben Verbraucher an, dass Händler schwer oder gar nicht erreichbar gewesen seien, um sie mit dieser Verzögerungstaktik davon abzuhalten, ihre Rechte geltend zu machen. Daneben wurden Kunden oft vertröstet oder absurde Mitwirkungspflichten gefordert. Einige Händler gaben an, dass sie erst die Entscheidung des Herstellers abwarten müssten, wie mit dem beschädigten Produkt verfahren werde.

Alles zu Ihrem Gewährleistungsrecht lesen Sie hier. Treffen Sie auf einen widerwilligen Händler, helfen außerdem die Verbraucherzentralen mit individueller Beratung.

Ablehnung von Gewährleistungsansprüchen

Rund zwei Drittel der untersuchten Beratungsfälle betraf einen Mangel, der innerhalb der ersten sechs Monate auftrat. Händler behaupten gegenüber Verbrauchern dann häufig, sie hätten den Defekt selbst verursacht und versuchen so, die Gewährleistungsansprüche abzuwenden. Dabei ist im Gewährleistungsrecht klar geregelt, dass in den ersten sechs Monaten der Verkäufer im Zweifelsfall beweisen muss, dass der Mangel vom Käufer verursacht wurde (Beweislastumkehr).

Nach sechs Monaten allerdings ist dann der Käufer in der Pflicht, zu beweisen, dass ein Mangel bereits von Anfang an vorhanden war. Doch gerade bei Elektronikprodukten ist es schwer, zu beweisen, dass man nichts für einen Schaden kann.

Verbraucher sitzen nach diesen sechs Monaten oft am kürzeren Hebel – wer die Ursache eines Schadens belegen soll, braucht oft Zeit und Nerven. Einige Anbieter nutzen hier ihren Wissensvorsprung aus und informieren Verbraucher nicht oder falsch über ihre Rechte.

Um sich vor Reparaturkosten oder Austausch der Ware zu drücken, verwiesen einige Händler auch auf "abgelaufene Garantien" oder behaupteten, dass überhaupt kein Gewährleistungsrecht bestünde. Das ist falsch: Verbrauchern steht laut Gesetz eine zweijährige Gewährleistungszeit zu.

Den gesamten Bericht zur Untersuchung aus dem Jahr 2018 können Sie hier herunterladen.