Milchmarkt: Sind regionale Produkte verlässlich gekennzeichnet?

Pressemitteilung vom

Milch ist derzeit ein Informationsschwerpunkt der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Internetseite http://www.vz-bw.de/milch bündelt Informationen zum Thema und beantwortet Fragen zu Unterschieden bei der Erzeugung, zu Herkunft und Regionalangaben und zur Preisbildung.

Off

Mit Marktchecks hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Sommer und im Herbst 2015 Werbung, Preise und insbesondere Regionalangaben von Trinkmilch erfasst. Das Ergebnis:

  • Auf knapp der Hälfte aller Produkte wurde Werbung mit Regionalität gefunden. Diese reicht von eher großräumigen Angaben wie "von heimischen Landwirten aus Baden-Württemberg" oder "aus der Berg- und Alpenregion" bis hin zu stärkeren Gebietseingrenzungen wie "aus der Region Nordschwaben" oder "Milch direkt vom Albhof".
  • Auf den über 100 Produkten (des Herbstmarktchecks) wurde lediglich sieben Mal das Regionalfenster von nur drei verschiedenen Marken eingesetzt. Neben der Angabe "Milch aus Baden-Württemberg" bzw. "Milch aus Bayern" wurde der jeweilige Abfüllort genannt, beispielsweise Schwäbisch Hall, Wangen oder Bissingen.
  • 14 mal fanden wir das Länderzeichen Baden-Württemberg. Es sichert zu, dass Monoprodukte wie Trinkmilch zu 100% aus Baden-Württemberg stammen. Molkereien mit grenznahem Standort dürfen bis zu 20% Milch aus angrenzenden Bundesländern verarbeiten, ab 10% ist das kennzeichnungspflichtig.
  • Für Milch mit Regionalwerbung bezahlten Verbraucher zum Zeitpunkt der Erhebung rund 40 Cent mehr. Während die Produkte mit Aussagen zur Region im Durchschnitt 1,13 Euro kosteten, betrug der Preis bei Milch ohne Regionalwerbung im Mittel 0,72 Euro. Ob und in welcher Höhe dieser Mehrpreis auch den Milchbauern zugutekommt, können Verbraucher nicht nachvollziehen.

Zusammengefasst gibt es weder eine klare und eindeutige Kennzeichnung, die Verbrauchern verlässlich zusichert, dass regional drin ist, wo regional draufsteht. Noch ist für Verbraucher transparent erkennbar, wieviel vom höheren Preis der ‚regionalen Milch‘ beim Bauern tatsächlich ankommt.

"Damit Verbraucher ihrem Wunsch entsprechend regionale Produkte kaufen können, braucht es ein gesetzliches Kennzeichnungssystem", fordert Sabine Holzäpfel, Referentin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Der Kauf ‚regionaler‘ Milch ändert derzeit nichts am Überangebot auf dem Weltmarkt für Milch und damit an sinkenden Auszahlungspreisen für Rohmilch an die Landwirte", so Holzäpfel weiter.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.