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Verbraucherbildung statt Verbraucherprägung

Pressemitteilung vom
  • Durch die „Leitperspektive Verbraucherbildung“ werden in baden-württembergischen Schulen die Grundlagen für ein selbstbestimmtes Verbraucherdasein gelegt
  • Echte Vielfalt bei Softwarelösung im Schulalltag ist daher unbedingtes Gebot der Stunde
  • Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fordert die Landesregierung auf, den Einsatz von MS-Office 365 im Schulbetrieb zu überdenken
Junge sitzt vor dem Laptop und hat Kopfhörer auf
Off

Das Kultusministerium Baden-Württemberg plant derzeit an mehreren beruflichen Schulen ein Pilotprojekt zum Einsatz von Microsoft 365-Programmen. Doch der Schule und ihrer digitalen Infrastruktur kommt eine wichtige Rolle als geschützter Bildungsraum zu. Die Ver­braucherzentrale Baden-Württemberg fordert deshalb, Schülerinnen und Schüler in ihrem Handeln nicht auf eine Softwarelösung zu prägen. Für die Ent­scheidung, ob Microsoft-Produkte in die Schulc­loud aufgenommen werden, ist nicht nur die bereits erfolgte daten­schutzrechtliche Bewertung unbedingt notwendig. Mindestens genauso wichtig sind die Anforderungen, die sich aus der Ve­rbraucher­bildung ergeben.

Baden-Württemberg verfolgt mit der Leitperspektive Verbraucherbildung einen großartigen Ansatz der schulischen Verbraucherbildung. Die Vielfalt der Kompetenzen, die dabei vermittelt wird, ist für ein selbstbestimmtes Verbraucherdasein von zentraler Bedeutung. „Die kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Softwareangeboten ist ein wichtiger Bestandteil dieser Verbraucherbildung“, sagt Dr. Eckhard Benner, Projektleiter Verbraucherbildung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Werden Schülerinnen und Schüler in einer Schule auf eine Softwarelösung geprägt, widerspricht das diesem Bildungsziel und der wirtschaftlichen Selbstbestimmung.“

Das Geschäftsmodell der Digitalwirtschaft und damit auch von Microsoft beruht auf der Vermarktung der Verhaltensdaten von Nutzern. Ein zentraler Punkt zur Umsetzung dieses Geschäftsmodells ist es, die Wechselkosten zwischen alternativen digitalen Produkten besonders hoch zu setzen und zu halten. Der Wechsel zu anderen Produkten soll erschwert, die Verbraucher an das eigene Produkt gebunden werden.

Angebote für den Schulbetrieb – in welcher Ausgestaltung auch immer –  sind Teil dieser Konzernstrategie. Mit Einführung von MS-Office 365 in den Schulbetrieb wäre also ein zentraler Baustein gesetzt, der Schülerinnen und Schüler in ihrem Nutzungsverhalten auf diese Software prägt und damit den Beginn der Datenkarriere bei Microsoft setzt. Die Prägung auf eine einzelne kommerzielle Software steht einer an der Selbstbestimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichteten Verbraucherbildung fundamental entgegen.

Die Landesregierung sollte daher von dem Ansinnen, MS-Office 365 in den Schulbetrieb zu übernehmen, Abstand nehmen. Die kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Softwareangeboten muss im Schulalltag für Schülerinnen und Schüler gewährleistet sein.

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