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Assistent im Messenger "Allo": Wo Google Ihre Antworten vorformuliert

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Mit dem neuen Messenger "Allo" kann Google Nachrichten analysieren und macht sogar Vorschläge, was Nutzer im Chat antworten können. Hierfür braucht der Messenger aber umfangreichen Zugriff auf die Chatinhalte. Verhindern lässt sich das nur durch aktives Einschalten des "Inkognito"-Modus.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Google hat seinen Messenger "Allo" auf den Markt gebracht - und bewirbt ihn mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die müssen Sie aber für jeden Chat extra auswählen.
  • Im normalen Modus möchte Google dagegen Zugriff auf die Gesprächsinhalte: Die künstliche Intelligenz "Assistant" soll mitlesen, Chats analysieren und unter anderem Vorschläge machen, was Sie schreiben können.
  • Wir raten zur Vorsicht mit sensiblen Daten.
Google Messenger auf em Smartphone

google Messenger Allo

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Mitten in der Diskussion um Datenaustausch zwischen Branchen-Riese WhatsApp und seinem Mutterkonzern Facebook hat Google einen neuen Messenger für Mobilgeräte auf den Markt gebracht. In "Allo" werden Chats standardmäßig nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt und sind damit grundsätzlich nicht nur durch die Gesprächsteilnehmer auslesbar. Vielmehr müssen die Nutzer hierfür aktiv werden und einen sog. "Inkognito"-Modus für jeden Chat aktivieren.

Tun Sie das nicht, können Chats und gegebenenfalls Interaktionen unter anderem auf Servern von Google gespeichert werden: Mit seinem "Assistant" bringt Google nämlich eine künstliche Intelligenz in die Chats, die die Gespräche auswerten kann und hierfür Zugriff auf die entsprechenden Inhalte benötigt. Der Assistent soll in Gesprächen zwischen Ihnen und Ihren Kontakten die an ihn gerichteten Fragen beantworten, zum Beispiel nach dem Wetter oder einem nahen Restaurant. Und er soll Vorschläge für passende Antworten machen – laut Google abgestimmt auf eine Frage Ihres Gegenübers und Ihren bisherigen Schreibstil.

Eine Weiterentwicklung aus Googles früheren Diensten

Eine Möglichkeit zum automatisierten Analysieren von Nachrichten hat sich Google schon länger bei seinem E-Mail-Dienst GMail sowie bei der App Google Now eingeräumt. Auch dort kann das, was Sie schreiben und geschrieben bekommen, analysiert und mit Werbung verknüpft werden. Google selbst nennt in diesem Zusammenhang das Beispiel, dass Sie Anzeigen für entsprechende Geräte erhalten können, wenn Sie viele E-Mails zu Thema Fotografie erhalten.

Im Messenger Allo soll es aber offenbar noch weiter gehen: Der Assistent nimmt förmlich an Ihren Gesprächen teil, indem er z.B. konkrete Antwortvorschläge macht (so genannte "Intelligente Antwort"). "Die App lernt mit und wird immer besser, je häufiger ihr sie nutzt", bewirbt Google das.

Wir raten davon ab, in einem solchen Programm sensible Daten auszutauschen. In Googles allgemeiner Datenschutzerklärung (eine spezielle zu Allo konnten wir nicht finden) räumt sich der Konzern umfassende Rechte ein, auch personenbezogene Daten seiner Kunde zu erfassen, Dienste-übergreifend zu verknüpfen sowie seinen Partnern und "anderen vertrauenswürdigen Unternehmen oder Personen", die diese im Auftrag von Google verarbeiten, zur Verfügung zu stellen. Die erhobenen Daten sollen Einflüsse unter anderem auf eigene Suchergebnisse, Werbung, aber auch allgemeiner gehalten "maßgeschneiderte Inhalte" haben.

Sparsam mit den eigenen Daten umgehen

Grundsätzlich: Wer viel Privates im Internet ungeschützt verbreitet, kann ein ungewolltes Bild von sich über die eigene Gesundheit, Krankheiten, Interessen, den Lebensstil bis hin zum finanziellen Budget vermitteln. Sie können nicht sicher sein, was tatsächlich mit sämtlichen Daten, die im Netz (und damit auch häufig im Ausland) gespeichert und verarbeitet werden, heute oder auch in Zukunft passiert und ob nicht möglicherweise irgendwann bestimmte Konditionen oder Preisgestaltungen an solche Informationen geknüpft werden.

Die Verbraucherzentralen empfehlen generell solche Messenger zu verwenden, die weder Nachrichteninhalte noch andere Daten ihrer Nutzer zu Werbezwecken nutzen oder an andere Unternehmen weitergeben. Einige Messenger mit standardmäßig aktivierter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung haben wir auf ihren Umgang mit Daten angeschaut.