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Solarstromanlage: Gewährleistung, Garantien, Verträge, Versicherung

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Neben Qualitätsstandards und Gütesiegeln sollten bei der Kaufentscheidung auch die Garantiebedingungen geprüft werden. Stolpersteine im Kleingedruckten sind hier keine Seltenheit. Zudem sind noch rechtliche und vertragliche Fragen zu klären ‒ insbesondere die der Versicherung der Anlage.

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Gewährleistung

Grundsätzlich müssen Photovoltaik-Module und Batteriespeicher, wie jede andere gekaufte Ware auch, fehlerfrei ausgeliefert werden. Zwei Jahre lang nach Übergabe oder Erhalt des Systems hat der Kunde einen gesetzlich geregelten Anspruch auf ein Produkt ohne Mängel. Dafür muss der Verkäufer geradestehen – in der Regel also die Firma, die die Geräte installiert hat. Dabei gilt: Streikt die Anlage, kann der Kunde zunächst nur eine Reparatur oder eine Ersatzlieferung verlangen. Der Verkäufer muss in beiden Fällen sämtliche Kosten für Transport, Arbeitsleistung und Materialien tragen.

Garantien

Garantien werden – im Gegensatz zu den gesetzlich verbrieften Gewährleistungsrechten – vom Hersteller freiwillig eingeräumt. Deren genaue Bedingungen können die Firmen deswegen weitestgehend selbst festlegen. Insbesondere der Wechselrichter stellt neben dem Solargenerator die am meisten beanspruchte Anlagenkomponente dar. Da hier kürzere Lebensdauern zu erwarten sind, ist die Prüfung der Garantieleistungen und des zugesicherten Service (Wartung, Austausch defekter Teile) sehr wichtig.

Käufer sollten unbedingt verlangen, dass ihnen eine schriftliche Urkunde mit den exakten Garantiebedingungen für die Module ausgehändigt wird ‒ wie etwa Angaben zum Garantiegeber sowie zur Dauer und zum Inhalt der Garantie.

Bei Batteriespeichern ist eine zehnjährige Garantie auf die Batterien, dass der Zeitwert ersetzt wird, sogar Voraussetzung für die KfW-Förderung. Bei den Speichersystemen ist auch zu beachten, dass sie oft aus mehreren Komponenten verschiedener Hersteller zusammengesetzt sind, für die unterschiedliche Garantien gelten. Den Idealfall stellt hingegen eine einzige Garantie dar, die alle Komponenten umfasst.

Die Garantiedauer für Batteriespeicher kann begrenzt sein durch eine Angabe zur kalendarischen Lebensdauer, also eine Zahl von Jahren, und/oder durch eine Zahl von Be- und Entladezyklen. Welche der beiden Größen eher erreicht ist, hängt vom Nutzungsverhalten ab. In den meisten Fällen ist es die kalendarische Angabe. Wichtig: Entscheidend ist nicht die vom Hersteller geschätzte, sondern die von ihm garantierte Lebensdauer!

Stolpersteine im Kleingedruckten
Hersteller geben für Material- und Verarbeitungsfehler oft freiwillige Produkt-Garantien von bis zu zehn Jahren. Außerdem versprechen viele Firmen auch eine garantierte Leistung ihrer Solarmodule über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren. Da die Module ‒ bedingt durch die Herstellung ‒ Leistungstoleranzen aufweisen, ist es wichtig zu prüfen, welche Leistung für jeweils welchen Zeitraum garantiert wird.

Wer Ansprüche durchsetzen will, weil die Leistung geringer als versprochen ist, sieht sich im Kleingedruckten jedoch häufig mit unklaren Formulierungen, kurzen Fristen zur Anzeige der Mängel oder einem Gerichtsstand im Ausland konfrontiert. Zudem wälzen Unternehmen sämtliche Kosten der Garantieabwicklung gern auf den Kunden ab.

Ärgerlich auch: Hersteller schließen eine Garantieleistung zum Beispiel bei "Nachlässigkeit" aus, ohne diese weiter zu konkretisieren, oder sie räumen nur ein bis zwei Wochen Zeit ein, um den Mangel zu melden. Auch eine nur sechsmonatige Frist, um Klage einzureichen, und Gerichtsorte wie etwa Madrid oder New York sind unter den kundenfeindlichen Bedingungen zu finden. Es sind aber auch Unternehmen am Markt, die sich im Garantiefall deutlich verbraucherfreundlicher zeigen.

Recht und Verträge

Baugenehmigung: Laut §65 der Landesbauordnung NRW sind Solaranlagen genehmigungsfrei, es sei denn, sie sollen auf oder in der Nähe von Natur- oder Kulturdenkmälern installiert werden.

Meldung bei der Bundesnetzagentur: Photovoltaikanlagen, die neu in Betrieb genommen werden, sind der Bundesnetzagentur zu melden. Dies regelt das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Danach sind Netzbetreiber nur gegenüber gemeldeten Anlagenbetreibern verpflichtet, die Einspeisevergütung in vollem Umfang zu zahlen. Die Meldung sollte frühestens zwei Wochen vor und spätestens mit Inbetriebnahme erfolgen und kann nur noch über das Internet erfolgen.

Einspeisevertrag: Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist der Stromnetzbetreiber verpflichtet, den Strom von Photovlatikanlagen abzunehmen. Die meisten Netzbetreiber schlagen den Abschluss eines Einspeisevertrags vor. Er ist nach dem EEG nicht erforderlich und für Anlagenbetreiber zumeist nachteilig, zum Beispiel durch Haftungsbeschränkungen.

Versicherung

PV-Anlagen können über eine bestehende Wohngebäudeversicherung mitversichert werden, sofern sie nicht im Kleingedruckten ausdrücklich ausgeschlossen sind. Der Versicherer ersetzt in der Regel Schäden durch Brand, Blitzschlag, Explosion, Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Je nach Anlagengröße kann auch über eine zusätzliche Versicherung gegen durch einen Schaden bedingte Ertragsausfälle nachgedacht werden. Da in jüngster Zeit die Schadenshäufigkeit durch unsachgemäße Montage zugenommen hat, hat die Versicherungswirtschaft einen eigenen Technischen Leitfaden zur Installation von PV-Anlagen herausgegeben (VdS 3145); dieser sollte dem Installationsbetrieb bekannt sein.