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Bank- und Kreditkarten: Von Gaunern und Gebühren

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Wer die Karte an fremden Geldautomaten nutzt, zahlt nach wie vor teils happige Gebühren.

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Kartenzahlungen: in der Euro-Zone kostenlos

Im europäischen Ausland darf das Bezahlen mit der Kreditkarte oder der Debitkarte (im allgemeinen Sprachgebrauch etwas ungenau als ec-Karte bezeichnet) nicht mehr kosten als im Inland. Grundlage ist eine Verordnung der Europäischen Union (die EU-Preisverordnung), die Kostengleichheit für solche Transaktionen innerhalb der Eurozone vorschreibt. Da die Banken aber im Inland für keine der beide Bezahlvarianten eine Gebühr verlangen, dürfen sie dies konsequenterweise auch nicht für Zahlungen im Ausland. Nach dem Urlaub sollte man daher die Kontoauszüge besonders genau prüfen. Hat die Bank entgegen der Verordnung für entsprechende Kartenzahlungen im Ausland Gebühren berechnet, melden Sie den Fall Ihrer Verbraucherzentrale!

Daneben schreibt die europäische Verordnung vor, dass auch die Bargeldabhebung am Geldautomaten innerhalb der Eurozone nicht teurer sein darf als im Inland. Zugrunde gelegt wird dabei jedoch nicht die kostenlose Barabhebung bei der Hausbank, sondern das Entgelt, das Verbraucher an einem inländischen Automaten eines anderen Instituts bezahlen müssen. Dieses kann auch innerhalb Deutschlands durchaus mehrere Euro betragen. Dementsprechend ist die Beschaffung von Bargeld an ausländischen Automaten leider nicht immer kostenfrei.

Der beschriebene Grundsatz der Gleichheit der Entgelte gilt für die EU-Mitgliedsstaaten und die Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR), soweit die Transaktion in Euro erfolgt. Teilweise sind die Regeln aber auch auf die Währungen der EU-Staaten anwendbar, die den Euro noch nicht eingeführt haben. Außerhalb der EU können für Bargeldabhebungen und Kartenzahlungen ohnehin erhebliche Gebühren anfallen.

Verbraucher sollten daher vor einer Reise bei ihrer Bank nachfragen, ob und mit welchen Kosten (Gebühren, Wechselkurse) sie rechnen müssen. Zumindest einige Geldinstitute bieten weltweit kostenlose Kartenzahlungen und Bargeldversorgung an.

Bares aus fremden Geldautomaten: Bessere Information für die Kunden

Wer Geld an fremden Automaten zieht, zahlt je nach Institut happige Gebühren.

Seit Januar 2011 haben sich Banken und Sparkassen verpflichtet, den exakten Betrag entweder auf dem Bildschirm oder per Aufkleber am Geldautomaten anzugeben. So kann der Kunde vor dem Abheben entscheiden, ob er das Entgelt akzeptiert oder den Automaten eines günstigeren Instituts nutzt. Die Kreditinstitute untereinander verlangen kein Entgelt (sog. Interbankenentgelt). Wirklich wählen können die Kunden aber nur in den Städten. Dort bieten sich ausreichend Alternativen. In den ländlichen Regionen dagegen stehen deutlich weniger Automaten.

Wie viel fremde Kunden zahlen müssen, kann jedes Institut selbst festlegen. Die von den Verbraucherzentralen geforderte generelle Begrenzung gibt es nicht. Immerhin: Wer fremd abhebt, soll nicht zusätzlich mit einem Entgelt seiner Hausbank belastet werden.

Die Privatbanken im Bundesverband Deutscher Banken haben sich entschieden, von Fremdkunden maximal 1,95 Euro pro Abhebung zu verlangen. Haben Banken des Verbands untereinander vereinbart, bei Kunden des jeweils anderen Instituts auf eine Gebühr fürs Fremdabheben zu verzichten, soll es auch künftig dabei bleiben.

Sparkassen und Volksbanken lehnen es ab, sich auf ein einheitliches maximales Entgelt festzulegen. Sie argumentieren, die meisten Geldautomaten zur Verfügung zu stellen und damit höhere Kosten zu haben. Jede Sparkasse und jede Volksbank entscheidet selbst, wie viel fremde Kunden zahlen müssen. Es ist nicht einmal auszuschließen, dass ein Institut unterschiedliche Gebühren je nach Standort seiner Automaten verlangt.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Geldautomaten teurer Institute nach Möglichkeit zu meiden. Denn nur "Abstimmung mit den Füßen" kann dafür sorgen, dass Banken und Sparkassen die Preise fürs Geldabheben an Fremdautomaten reduzieren.

Diebstahl der Karte

Bequem, aber nicht ohne Risiko: Bank- und Kreditkarten locken Gauner an. Sie klauen die Plastikstücke oder spähen mit allerlei raffinierten Tricks die zum Abheben erforderlichen Daten aus.

Es passiert immer wieder. Ob beim Einkauf, direkt nach dem Geldabheben oder in Menschenmengen wie beispielsweise auf Volksfesten: Die Geldbörse inklusive der EC- oder Kreditkarte wird gestohlen. Innerhalb kürzester Zeit werden die Karten missbräuchlich verwendet. Das Gesetz sieht vor, dass der Karteninhaber bis zu 150 Euro des Schadens selbst trägt. Unabhängig davon, ob er den Diebstahl durch sein Verhalten erleichtert hat oder nicht. Allerdings verzichten einige Karten-Herausgeber auf diesen Selbstbehalt im Schadensfall.

Wer den Diebstahl seiner Karte(n) bemerkt, sollte umgehend handeln:

  • Lassen Sie sofort alle Karten sperren. Am einfachsten geht das telefonisch über die zentrale Kartensperre unter der Rufnummer 116 116. Erkundigen Sie sich aber bei Ihrem Kreditinstitut, ob Sie diese Nummer verwenden können, denn nicht alle Anbieter nehmen an diesem Sperr-Notruf teil. Insbesondere bei Kreditkarten ist die Akzeptanz nicht selbstverständlich. Die Kosten für die Sperre variieren je nach Institut. Manche Banken und Sparkassen belassen es bei einem Bitteschön, andere kassieren, wenn der Kunde den Diebstahl selbst verschuldet hat.
  • Informieren Sie zusätzlich umgehend Ihre Bank.
  • Melden Sie den Diebstahl auch der Polizei . Diese kann die Karte für das Elektronische Lastschriftverfahren (Bezahlen mit Karte und Unterschrift) sperren. Eine Benachrichtigung der Bank genügt dafür nicht.
  • Beobachten Sie in den nächsten Wochen genau die Bewegungen auf Ihrem Konto und lassen Sie von Ihnen nicht genehmigte Lastschriften zurückbuchen.
Skimming: Spione am Geldautomaten

Mit raffinierten Tricks spähen Gauner an Geldautomaten die geheimen Kartendaten ihrer Opfer aus, ohne die Bankkarten zu entwenden. Die Betroffenen bemerken den Betrug meist erst, wenn das Konto schon leergeräumt ist. Ärger am Geldautomaten gibt es aber auch, wenn aus dem Ausgabeschacht kein oder zu wenig Geld herauskommt. Wir geben Ihnen Tipps zum sicheren Geldabheben und sagen Ihnen, wie Sie auch bei streikenden Automaten zu Ihren Rechten kommen.

Spione am Geldautomaten (Skimming)

Kriminelle spähend - mit verschiedenen Methoden - zunehmend die Daten von Bank- und Kreditkarten aus. Bei den als "Skimming" bezeichneten Straftaten manipulieren die Gauner die Geldautomaten, indem sie einen Plastikaufsatz auf dem Karteneinzugsschlitz anbringen. Steckt der ahnungslose Kunde seine Karte in den Einzug, wird der Magnetstreifen der Maestro- oder Kreditkarte kopiert und aufgezeichnet. Durch eine heimlich installierte Minikamera über dem Automaten spähen die Täter dann die Geheimzahlen ihrer Opfer aus.

Gewiefte Betrüger spionieren die PIN auch ohne Kamera aus und manipulieren stattdessen die Tastatur. So wird ein Imitat auf der echten Tastatur befestigt oder eine hauchdünne Folie auf das Original geklebt. Oft sind die Fälschungen mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen. Tippt der Kunde seine PIN ein, wird sie unbemerkt gespeichert und per Funk direkt an die Täter weiter geleitet. Die stellen später mit den geklauten Daten Kartenkopien her und plündern das Konto an ausländischen Automaten, da dort die Echtheit der Karte nicht geprüft wird.

Mittlerweile werden Geldautomaten seltener manipuliert. Das liegt daran, dass die Geräte bessere Sicherheitsfunktionen wie zum Beispiel Anti-Skimming-Module bekommen haben und der so genannte EMV-Chip flächendeckend eingeführt worden ist. Die modernen Automaten sprechen ausschließlich diesen Chip an. Deshalb nutzt es Gaunern nichts mehr den Magnetstreifen zu kopieren.

Wer infolge ausgespähter Kontodaten einen finanziellen Schaden erleidet, bekommt diesen normalerweise von der Bank erstattet. Räumen die Ganoven das Konto aus dem Ausland ab oder kommen an einem Automaten mehrere Kunden zu Schaden, signalisiert das der Bank den kriminellen Angriff.

Spione am POS (Skimming)

Wegen der zunehmend sichereren Geldautomaten weichen die Täter auf andere Systemkomponenten aus, die (noch) nicht diesen hohen Standard bieten. So sind Fälle bekannt geworden, in denen das Bezahlterminal im Geschäft ("Point-Of-Sale", POS) manipuliert wurde. Dabei werden über einen längeren Zeitraum die Daten gesammelt und sodann Kartendubletten erstellt. Mit deren Hilfe wird schließlich in weit entfernten Ländern Geld an Automaten ergaunert, die nur den Magnetstreifen der Karte ansprechen.

Verbraucher müssen Betrug nachweisen

Probleme gibt es ebenfalls, wenn der Geldautomat gar nichts oder zu wenig auszahlt. Auch das kann auf einer kriminellen Manipulation des Gerätes beruhen, seltener auf einer technischen Panne. Häufig lehnen Kreditinstitute die Reklamationen betroffener Kunden ab und verweisen auf die technische Sicherheit der Geldmaschinen. Jedoch muss im Streitfall die Bank beweisen, dass der belastete Betrag auch tatsächlich vom Geldautomaten ausgezahlt wurde. Dafür reicht es nach einigen Gerichtsentscheidungen bereits aus, wenn die Bank ein korrektes Auszahlungsprotokoll vorlegt und der Kassenabschluss im Automat stimmt. Andere Gerichte glauben mehr der Beteuerung des Kunden, es sei zu wenig ausgezahlt worden. Reagiert die Bank nicht kulant und ergeben sich aus dem Automatenprotokoll keine Störhinweise, ist eine Auseinandersetzung mit dem Institut sehr riskant. Gute Chancen für den Geschädigten bestehen nur, wenn sich im gleichen Zeitraum ähnliche Probleme anderer Kunden am Automaten gezeigt haben.

Verzögerte Auszahlung

Manchmal zahlen Geldautomaten mit zeitlicher Verzögerung aus. Wer sich dann voreilig vom Gerät entfernt, überlässt womöglich dem nächsten Kunden ein ungewolltes Geldgeschenk und bleibt auf dem Schaden sitzen. Hier kann ein Blick auf die Videoaufzeichnung der Bank helfen. Allerdings werden die Automaten nicht durchweg per Kamera überwacht. Dauert der Auszahlungsvorgang technisch bedingt ungewöhnlich lange - etwa mehrere Minuten - und weist die Bank nicht darauf hin, muss sie dem gebeutelten Kunden den abgebuchten Betrag wieder gutschreiben.

  • Manchmal genügt schon ein genauer Blick auf das Gerät. Ist am Karteneinzug ein wackliger Vorbau angebracht oder kommt Ihnen die Tastatur etwa aufgrund falscher Beschriftung merkwürdig vor, waren wahrscheinlich kriminelle Bastler am Werk. Informieren Sie gleich einen Bankmitarbeiter oder die Polizei!
  • Meiden Sie nach Möglichkeit Bankautomaten im Außenbereich, gerade an Wochenenden! Diese können von Betrügern leichter manipuliert werden als Geräte im Schaltervorraum. Vorsicht angebracht ist aber auch an den Türöffnern, die per Karte bedient werden. In keinem Fall wird dort die Eingabe der PIN verlangt!
  • Verdecken Sie bei Eingabe Ihrer Pin die Tastatur mit der Hand! So können die Daten weder von einer hinter Ihnen stehenden Person noch von einer heimlich installierten Minikamera abgefangen werden.
  • Gibt der Geldautomat nicht sofort die gewünschten Scheine aus, sollten Sie noch einige Zeit warten. Manche Geräte brauchen etwas länger. Wer sich bereits 20 Sekunden nach Rückgabe der Karte davon entfernt, kann jedenfalls nicht behaupten, der Automat sei defekt (AG Düsseldorf, Beschluss v. 11.2.1998, Az.: 48 C 20333/97).
  • Kommt bei einem Abhebungsversuch auch nach mehreren Minuten kein Geld heraus, empfehlen wir, von der Bank das Auszahlungsprotokoll zu verlangen. Dort müssen auch die unmittelbar vor und nach Ihrem Auszahlungsvorgang getätigten Barabhebungen vermerkt sein. Bei Unstimmigkeiten im Protokoll haben Sie gute Chancen, wieder an Ihr Geld zu kommen. Sie können sich auch das Wartungsprotokoll vorlegen lassen und auf Unregelmäßigkeiten prüfen.
  • Fragen Sie die Bank nach Name und Anschrift der Person, die nach Ihnen am Automaten Geld abgehoben hat. Vielleicht hat Ihr "Nachfolger" das Geld mitgenommen. Wenn sich die Bank unter Hinweis auf das Bankgeheimnis weigert, über einen Kunden Auskunft zu geben, hilft möglicherweise eine Strafanzeige (gegen Unbekannt) bei Polizei oder Staatsanwaltschaft weiter.
  • Informieren Sie sich auch über die Namen der Bankmitarbeiter, die den Automaten befüllt bzw. den Kassenabschluss vorgenommen haben! Diese könnten in einem späteren Prozess hilfreiche Zeugen sein, wenn es zum Beispiel technische Probleme gab. Allerdings sollten Verbraucher ohne Rechtsschutzversicherung aufgrund des hohen Kostenrisikos besser von einem Rechtsstreit absehen. Lassen Sie sich diesbezüglich von der Verbraucherzentrale oder einem Anwalt beraten!
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge!
Zentrale Kartensperre unter 116 116

Wenn Langfinger Jagd auf Bankkarten oder Mitarbeiterausweise machen, sind bestohlene Verbraucher besser geschützt. Sie können alle Karten mit nur einem Anruf sperren lassen und so wesentlich schneller und einfacher als bisher einen Missbrauch verhindern. Über den zentralen Notruf der Sperrvermittlung (Sperr e.V.) ist der direkte Zugang zu den unterschiedlichen Herausgebern von Karten möglich. Banken und Firmen müssen nicht mehr einzeln benachrichtigt werden.

Wichtig: Die Notrufnummer gilt nur für Karten von Unternehmen, die sich dem Sperr-Notruf angeschlossen haben. Die meisten Kreditinstitute nehmen bereits an dem Verfahren teil. Eine Übersicht der beteiligten Teilnehmer am Sperrnotruf 116 116.

Kostenloser Notruf rund um die Uhr

Unter der Sperr-Hotline können Verbraucher bislang Maestro-, Kredit-, Handykarten, Kundenkarten mit Zahlungsfunktion sowie Mitarbeiterausweise und elektronische Berechtigungen, wie zum Beispiel Online-Banking-Accounts, sperren lassen.

Im Notfall ist die Sperrvermittlung 24 Stunden lang an sieben Tagen in der Woche unter der gebührenfreien Rufnummer 116 116 erreichbar. Für Sprach- und Hörbehinderte ist die Service-Nummer auch faxfähig. Wer aus dem Ausland anruft, wählt sich über die + 49 116 116 ein - allerdings kostenpflichtig. Sollte diese Hotline aus dem Ausland nicht erreichbar sein, steht zusätzlich die Rufnummer + 49 30 4050 4050 bereit.

Die Kartensperrung selbst ist kostenlos. Firmen, die dem Sperr-Notruf angehören, könnten aber zukünftig die dafür anfallenden Kosten an die Verbraucher weitergeben.

Ob der Anrufer überhaupt zur Sperrung befugt ist, prüft die Sperrvermittlung nicht. Ein Call-Center-Mitarbeiter leitet den Anruf lediglich an das bzw. die zuständigen Unternehmen, etwa die Bank, weiter. Erst an dieser Stelle muss sich der Anrufer legitimieren. Dafür erfragt der Kartenherausgeber die bei ihm gespeicherten Kundendaten.

Um böse Überraschungen bei der Sperrung selbst zu vermeiden, legt jedes Unternehmen eigene Sicherheitsregeln fest. Wie hoch der Sicherheitsstandard ist, hängt von dem zu sperrenden Medium ab. Wer beispielsweise seine Kreditkarte sperren lassen will, braucht häufig nur Name, Anschrift und Geburtsdatum anzugeben.

  • Informieren Sie sich, ob die Herausgeber der von Ihnen benutzten Karten dem zentralen Sperrdienst angeschlossen sind. Falls nicht, sollten Sie die bisherigen Telefonnummern der unterschiedlichen Sperrdienste noch griffbereit haben.
  • Damit Sie die Nummer der Sperr-Hotline bei Bedarf auch griffbereit haben, können Sie sich kostenlos einen Notfall-Info-Pass im Scheckkartenformat herunterladen. Auf diesem lassen sich auch alle für die Sperrung notwendigen Daten vermerken.
Kartenmissbrauch: Bundesgerichtshof stärkt Rechte der Kunden

In einer Nacht wurden an verschiedenen Geldautomaten sechsmal jeweils 500 Euro abgehoben. Dies geschah mit der persönlichen Geheimzahl des Kunden. Deshalb schien das Ergebnis zunächst klar: Der Kunde hat seine Pflicht zur Sorgfalt, nämlich Karte und PIN separat aufzubewahren, verletzt und müsse deshalb für den Schaden aufkommen.

Ganz anders sieht das der Bundesgerichtshof (BGH). Nach dessen Urteil vom 29. 11. 2011 (Az.: XI ZR 370/10) zu missbräuchlichen Abhebungen müssen die Banken beweisen, dass das Geld mithilfe der Originalkarte aus dem Automaten gezogen worden ist. Denn nur dann könne davon ausgegangen werden, dass der Kunde Karte und Geheimnummer fahrlässig gemeinsam aufbewahrt habe.

Ist an einem Automaten Geld mit Karte und PIN abgehoben worden, so hatte der BGH in seiner bisherigen Rechtsprechung vermutet, dass der Kunde Karte und PIN zusammen aufbewahrt habe – Juristen sprechen vom so genannten Anscheinsbeweis. Ein solch besonders unvorsichtiges Verhalten führt dazu, dass der Kunde seinen Schaden selbst tragen muss. Bankkunden mussten diese Vermutung vor Gericht widerlegen, was ihnen oft nicht gelang.

Im jetzt vorliegenden Urteil hat der BGH seine Rechtsprechung verfeinert. Das gemeinsame Aufbewahren von Karte und PIN könne nur dann vermutet werden, wenn bei der Abhebung die Originalkarte verwendet worden sei. Das müsse die Bank erst einmal beweisen. Sei das Geld dagegen mit PIN und Kartenkopie abgehoben worden, so könne das gemeinsame Aufbewahren nicht einfach vermutet werden. Es sei beispielsweise auch denkbar, dass Kriminelle durch Skimming an die PIN gelangt seien, der Kunde also gar nichts für das Ausspähen der PIN könne.

Verbraucherzentrale fordert klare gesetzliche Regelung

Das Urteil ist für Bankkunden daher durchaus erfreulich. Leider konnte der BGH sich jedoch nicht dazu durchringen, seine Rechtsprechung zum Anscheinsbeweis aufzugeben. Die Verbraucherzentrale fordert daher weiterhin eine klare gesetzliche Regelung, die der Bank in jedem Fall die Beweislast für ein grob fahrlässiges Verhalten des Kunden auferlegt. Denn die Folgen eines solchen besonders unvorsichtigen Verhaltens sind hart: der Bankkunde muss den gesamten Schaden durch missbräuchliche Abbuchungen selbst tragen.

In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen – dem Kleingedruckten - hatte die Bank auch festgelegt, dass der Kunde selbst für alle Abhebungen bis zum Eintreffen der Verlustmeldung nur mit 50 Euro haftet. Der BGH legte diese Klausel so aus, dass sie auch gilt, wenn der Kunde seine Sorgfaltspflichten verletzt hat. Das bedeutet: Selbst wenn er schuldhaft gehandelt, also Karte und PIN zusammen aufbewahrt hat, muss er lediglich 50 Euro selbst tragen.

Im Kleingedruckten der Bank stand außerdem, dass der Kunde pro Tag nur einen bestimmten Höchstbetrag abheben kann. Eine solche Regelung schützt nach Meinung der Bundesrichter in diesem konkreten Fall auch den Kunden, sodass es sein kann, dass der Kunde bei einem Kartenmissbrauch jedenfalls nur diesen Betrag selbst zahlen muss.

Die Auslegung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen nehmen die Richter am konkreten Einzelfall vor, insbesondere anhand des genauen Wortlautes der Klausel. Daher muss bei jeder Bank geschaut werden, ob die Vertragsklausel den hier geschilderten Formulierungen entspricht.