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Gold als Geldanlage?

Stand:

Was bei den verschiedenen Möglichkeiten zu beachten ist.

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Gold: sichere Geldanlage oder riskante Zockerei?

Ängste vor einem starken Anstieg der Inflation und das zunehmende Misstrauen in die Sicherheit des Geldes haben in den vergangenen Jahren zeitweilig für eine hohe Nachfrage nach Gold gesorgt. Entsprechend ist der Goldpreis zeitweilig stark angestiegen. Lag der Preis für eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) im Jahr 2000 noch bei knapp 300 US-Dollar, kletterte er im Sommer 2011 kurzfristig auf Rekordwerte von über 1.900 US-Dollar.

Bis zum März 2019 ist der Preis wieder auf rund 1.300 US-Dollar gefallen. Die Preisschwankungen zeigen bereits deutlich, dass Gold alles andere als eine sichere Geldanlage ist. Außerdem notiert der Goldpreis in US-Dollar und damit ist der Goldkauf zusätzlich auch eine Währungsspekulation auf den Anstieg des Dollarwertes im Vergleich zum Euro. Der Wert eines Euro schwankte in den letzten 20 Jahren zwischen rund 0,85 und 1,60 Dollar. Selbst bei einem unveränderten Goldpreis in US-Dollar besteht daher das Risiko, dass die Anleger weniger Euro für ihr Gold erhalten, falls der Dollar an Wert einbüßt.

Trotz dieser Risiken ist Gold generell als Geldanlage nicht ungeeignet. Die Beimischung von Gold zu einem Anlagemix – zum Beispiel bestehend aus Zinspapieren und Aktienfonds - kann das Risiko insgesamt senken, bei der Geldanlage große Verluste zu erleiden.

Beispielsweise sind während der Finanzkrise zeitweilig die Aktienkurse weltweit eingebrochen, der Goldpreis hingegen ist rasant gestiegen. "Die Dosis macht das Gift" gilt insbesondere für die Geldanlage in Gold. Deshalb raten wir davon ab, deutlich mehr als 10 Prozent des Vermögens in Gold anzulegen. Wenn Sie sich dazu entschließen, einen Teil Ihres langfristig investierten Vermögens in Gold anzulegen oder aus einem bestimmten Anlass Gold als wertbeständige Anlage verschenken wollen, stehen Ihnen dazu verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die wir nachfolgend kurz darstellen.

Goldmünzen

Goldmünzen bestehen in aller Regel aus Feingold (999er Gold). Sie werden von verschiedenen Ländern oftmals jährlich mit unterschiedlichen Motiven herausgegeben. Bei einigen Goldmünzen ist die verkaufte Auflage sehr klein, oft sind die Münzen dann deutlich teurer, als es der Goldgehalt vermuten lassen würde. Man spricht dann von Sammlermünzen. Die meisten neu herausgegebenen Münzen werden aber zu einem Preis herausgegeben, der nahe an dem Wert des in den Münzen enthaltenen Goldes liegt. Es gibt Münzen, die eine ganze Unze (31,1 Gramm) wiegen, aber auch Münzen mit geringerem Gewicht. Im März 2019 lag der Preis je Unze um die 1.150 Euro. Der Preis ändert sich börsentäglich.

Banken und Edelmetallhändler verkaufen Goldmünzen, wobei einige Banken nur an die eigenen Kunden verkaufen. Der Verkaufspreis an den Kunden ist größer als der Ankaufspreis vom Kunden - schließlich wollen die Anbieter am Handel auch verdienen. Der Unterschied beträgt bei einer Unze in der Regel rund 5 Prozent. Je leichter die Münze desto größer sind die Unterschiede. Bei einer Viertel Unze beträgt der Unterschied oft schon über 10 Prozent. Wer möglichst viel Gold für sein Geld erhalten möchte, ist besser beraten, einige wenige größere Münzen zu kaufen statt vieler kleiner. Einige Anbieter verlangen zusätzlich noch Kosten für die Lieferung. Auch wenn Sie die Münzen beispielsweise im Internet bestellen, müssen Sie mit Lieferkosten von rund 10 Euro rechnen.

Sie können Goldmünzen in einem Schließfach der Bank lagern (Kosten: meist 30 bis 60 Euro jährlich) oder zuhause. Sofern Sie eine Hausratversicherung haben, sollten Sie prüfen, ob die Lagerung zuhause gegen Diebstahl versichert ist.

Goldschmuck

Goldschmuck wird in der Regel nicht in Form von Feingold angeboten, sondern als Legierung, also Mischung aus Gold mit anderen Metallen. Gängigste Legierung ist 585er Gold, was einem Goldanteil von 58,5 Prozent entspricht. Der Preis des Goldschmucks beinhaltet also nicht nur den Wert des Edelmetalls, sondern auch die Kosten für die Verarbeitung und natürlich die Gewinnmarge des Händlers oder Juweliers.

In einer Stichprobe haben wir beobachtet, dass Käufer bei kleinen Schmuckstücken, die um die 200 bis 300 Euro kosten, lediglich Gold im Wert von maximal der Hälfte des Schmuckpreises erhalten. Bei einigen Juwelieren entspricht der Goldwert sogar weniger als 20 Prozent des Preises. Weil es hier ganz gravierende Preisunterschiede gibt, raten wir Käufern, sich vorab genau zu informieren, was aktuell ein Gramm Gold kostet.

Der Goldpreis wird in Zeitungen veröffentlicht, er muss dann nur noch anhand des ebenfalls veröffentlichten Wechselkurses in Euro umgerechnet werden. Auf Webseiten von Börsen oder Direktbanken wird der Kurs ebenfalls veröffentlicht. Der Preis für ein Gramm Gold betrug im März 2019 rund 37 Euro. Da Sie bei 585er Schmuck aber kein reines Gold erhalten, ist ein Gramm solchen Schmuckes in der Regel etwas weniger wert (einige Legierungen sind ebenfalls wertvoll, es kommt darauf an, mit aus welchen Metallen die Mischung besteht).

Ein Gramm 585er Gold ist also nicht 37 Euro wert, sondern "nur" 58,5 Prozent davon, also 21,65 Euro. Fragen Sie den Händler nach dem Gewicht und dem Feingoldanteil, wenn Sie vermeiden wollen, ein Vielfaches des eigentlichen Metallwertes für ihr Schmuckstück zu bezahlen.

Wegen des zum Teil hohen Aufpreises auf den eigentlichen Goldwert ist Schmuck zur Geldanlage weniger geeignet als Goldmünzen. Schmuck kann allerdings auch mit einem immateriellen Wert aufwarten: Ein schön verarbeiteter Anhänger ist als Geschenk vermutlich besser geeignet als eine Münze.

Goldfonds

Goldfonds investieren die Mittel der Anleger nicht (wie man meinen sollte) ausschließlich in Gold. Dies hängt mit gesetzlichen Vorschriften zusammen, welche für offene Publikumsfonds gelten. Investmentfonds sollen die Risiken für ihre Anleger eigentlich streuen, dürfen also nicht alle Gelder in eine einzige Geldanlage investieren. Stattdessen werden mit den Mitteln der Anleger andere Geldanlagen erworben (zum Beispiel Anleihen oder Aktien) und zugleich bestimmte Finanzgeschäfte (Swaps) abgeschlossen, die sicherstellen sollen, dass der Anteilswert exakt mit dem Goldpreis schwankt. Unterm Strich sollen die Anleger so gestellt werden als ob sie direkt Gold gekauft hätten.

Die Nachteile bei der Anlage in Goldfonds sind: Anleger müssen darauf vertrauen, dass das Spiel mit den Finanzgeschäften dauerhaft funktioniert, denn sie erhalten ja nicht direkt das Gold, sondern das Versprechen des Anbieters, den Goldpreis nachzubilden. Auch wenn das in der Vergangenheit gut funktioniert haben mag, so ist unsicher, ob dies bei Verwerfungen an den Finanzmärkten auch funktioniert. Das Management des Fonds verlangt für die Verwaltung ein Entgelt (bis zu einem Prozent jährlich). Bei Kauf müssen Anleger einen Ausgabeaufschlag bezahlen (bis zu 3 Prozent), hinzu kommen jährliche Entgelte für die Depotführung.

Goldfonds sollte man nicht mit Goldaktienfonds verwechseln. Letztere kaufen kein Gold, sondern Aktien von Unternehmen, die an der Herstellung von Gold beteiligt sind. Deren Kurse können sich gänzlich anders entwickeln als der Preis des Goldes und sind daher kein Ersatz für eine Anlage in physischem Gold.

Goldsparpläne

Es gibt viele unseriöse Angebote von Goldsparplänen. Die Preise sind bei einem Sparplan in der Regel viel höher, weil stets kleine Mengen gekauft werden. Einige Anbieter berechnen eine hohe Vermittlungsprovision für einen solchen Sparplan. Sie kalkulieren dabei, dass der Kunde den Sparplan über die gesamte Vertragslaufzeit bedient und berechnen die Provision aus dieser gesamten Anlagesumme, und zwar zu Vertragsbeginn. Anleger verlieren hier also gerade am Anfang viel Geld. Zudem ist nicht immer sichergestellt, dass Anleger auch wirklich physisches Gold erhalten.

Es gibt Angebote, bei denen der Anleger das Recht erwirbt, eine Rückzahlung zu erhalten, deren Wert vom Goldpreis abhängt. Wenn aber der Schuldner (Anbieter) seine Verpflichtung nicht erfüllen kann, weil er pleite ist, geht der Anleger leer aus. Seien Sie also eher skeptisch, was den Abschluss von Goldsparplänen betrifft.

Goldaktien, Gold-Aktienfonds, Gold-ETCs, Goldzertifikate

Diese Finanzprodukte sind kein Ersatz für den Kauf von Gold. Es handelt sich hier um vollkommen andere Anlageklassen. Der Wert von Aktien entwickelt sich nicht gleich wie der Preis des Goldes. Und ETCs (Exchange traded commodities) und Zertifikate sind im Wesentlichen Schuldverschreibungen, oftmals von Banken herausgegeben. Somit besteht hierbei noch das zusätzliche Emittentenrisiko.