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Private Krankenversicherung: So verringern Sie Ihren Beitrag

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Wir erklären, was bei einem Tarifwechsel in der Privaten Krankenversicherung alles zu beachten ist.

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Viele Privatversicherte kennen ihn: Den Brief ihrer Privaten Krankenversicherung (PKV), mit dem die nächste "Beitragsanpassung" angekündigt wird. Regelmäßig findet diese Anpassung nach oben statt – der monatliche Beitrag steigt. Und das gerne auch mal um 10, 20 oder auch mehr Prozent.

Doch die Versicherten sind nicht völlig hilflos den Beitragserhöhungen ausgeliefert. Der Gesetzgeber hat ihnen ein grundsätzliches Recht auf einen Tarifwechsel eingeräumt (§ 204 VVG). Dieses Recht steht den Versicherten immer zu – auch unabhängig von einer Beitragserhöhung. Für Privatversicherte ist es also ratsam, den eigenen Tarif gelegentlich zu überprüfen und sich vom Versicherer ein Angebot für einen Alternativtarif einzuholen.

Ihr Brief an die Versicherung
Mit unserem Musterbrief können sie bei Ihrer Versicherung verschiedene Varianten von Angeboten anfordern. Keinen Sinn hat es, einfach alle Varianten anzukreuzen, da nicht alles auf Sie zutreffen kann. Entscheiden Sie sich auf Grund der nachfolgend aufgezeigten Alternativen und kreuzen Sie nur die Varianten an, die für Sie in Frage kommen.

Was bei Unisex-Tarifen zu beachten ist

Seit dem 21. Dezember 2012 werden auf Grund einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg alle Neutarife in der privaten Krankenversicherung als so genannte "Unisextarife" geführt. Männer und Frauen zahlen seit diesem Tag in den Neutarifen für die gleichen Leistungen die gleichen Beiträge.

Bereits vor dem Stichtag Versicherte können in den Alttarifen bleiben, die auch "Bisextarife" genannt werden. Sie können sogar verlangen, von einem alten "Bisextarif" in einen anderen alten "Bisextarif" zu wechseln, obwohl diese im echten Neugeschäft längst nicht mehr angeboten werden.

Das kann insbesondere für Männer sinnvoll sein, denn sie haben in der Regel weniger gezahlt als Frauen. Dabei ist aber eines zu beachten: Diese Alttarife werden in absehbarer Zeit immer teurer werden, da nur ältere Menschen in ihnen versichert sind. Denn diese Tarife sind für das Neugeschäft geschlossen.

Der Wechsel von einem Alttarif in einen anderen Alttarif kann aber auch noch unter einem anderen Aspekt interessant sein. Wer auf Grund seiner Einkommenssituation fürchten muss, die Beiträge für den Tarif nicht aufbringen zu können und irgendwann in einen Tarif mit Grundleistungen wechseln zu müssen, der kann aus dem Alttarif in den Standardtarif wechseln. Dieser ist wesentlich günstiger als der Basistarif, enthält jedoch auch geringere Leistungen.

Wer jetzt in einen Neutarif wechselt, kann später nur noch in den Basistarif zu wechseln.

Frauen sollten sich dennoch darüber informieren, ob ein Wechsel in einen Neutarif für sie günstiger ist, da sie von der Einführung dieser Tarife statistisch gesehen profitieren sollten. Sie mussten bisher bei gleichen Leistungen höhere Beiträge zahlen.

Von einem geschlossenen in einen aktuellen Tarif wechseln?

Manche Versicherungsgesellschaften haben in der Vergangenheit alte Tarife geschlossen und junge Leute in neu geschaffene Tarife aufgenommen. Das bedeutet jedoch, dass die älteren Menschen sich dann nach und nach nur noch allein in diesen Tarifen befinden. Die Folge: In diesen geschlossenen Tarifen steigen die Beitragssätze überproportional.

Verlangen Sie unter Berufung auf § 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), dass der Versicherer Ihnen Alternativvorschläge für einen aktuell angebotenen Tarif mit gleichen Leistungen macht. Sie haben darauf einen Anspruch, der ausdrücklich gesetzlich geregelt ist.

Dies bedeutet aber dann auf jeden Fall, dass Sie in einen "Unisex"-Tarif der neuen Tarifgeneration wechseln. Vorher sollten Sie stets ermitteln, welche Alternativen es in geschlossenen Tarifen für Sie gibt, denn zurück in die "Bisex-Welt" können Sie dann nicht mehr.

Möglichkeit: Erhöhung des Selbstbehalts

Unabhängig davon, ob Sie in einem geschlossenen oder offenen Tarif sind, können Sie durch Vereinbarung eines Selbstbehalts bzw. Erhöhung des bestehenden Selbstbehalts Beiträge sparen. Selbstbehalt bedeutet, dass Sie von den jährlich anfallenden Behandlungskosten zunächst einen bestimmten Betrag selbst zahlen. Erst wenn dieser Betrag überschritten wird, leistet die Versicherungsgesellschaft. Im Gegenzug dafür erhebt sie einen geringeren Beitrag.

Die Beitragsersparnis ist in der Regel erheblich größer als der Selbstbehalt. Wenn zum Beispiel für einen Selbstbehalt von 600 Euro im Jahr die Beitragsersparnis 750 Euro im Jahr ausmacht, so haben Sie im Krankheitsfall selbst dann eine Ersparnis von 150 Euro, wenn Sie den Selbstbehalt vollständig ausschöpfen. Fallen keine Kosten an, sparen Sie deutlich Beitrag.

Sollten Sie bereits einen Selbstbehalt vereinbart haben, so lassen Sie sich dennoch ein Angebot für einen höhere eigene Beteiligung machen. Bedenken Sie dabei jedoch, dass Sie den Selbstbehalt in der Regel zukünftig nicht mehr reduzieren können. Er sollte daher nicht zu hoch ausfallen. Versicherer

dürfen den Selbstbehalt zudem einseitig erhöhen - allerdings nicht willkürlich, sondern nur im Rahmen der durch das Versicherungsvertragsgesetz geregelten Anpassung von Prämien und Bedingungen.

Wann sich ein Wechsel in den Standardtarif lohnt

Wenn Sie bereits vor dem 1. Januar 2009 privat krankenversichert waren, könnte unter bestimmten Voraussetzungen (zum Beispiel Alter und Versicherungsdauer) bei zu hohen Beitragszahlungen im derzeitigen Tarif der sogenannte "Standardtarif" eine Alternative sein. Der Wechsel in diesen Tarif bedeutet, dass Sie zukünftig bis auf wenige Ausnahmen nur noch die Leistungen versichert haben, die auch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ihren Versicherten anbieten.

In einigen Bereichen bietet der Standardtarif deutlich geringere Leistungen als die GKV: insbesondere bei Hilfsmitteln, Rehabilitation und Psychotherapie. Ein solcher Wechsel ist nur dann sinnvoll, wenn Ihr behandelnder Arzt Sie auch als Privatpatient zum Satz der gesetzlichen Krankenkassen behandelt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Sie einen großen Anteil der ärztlichen Behandlungskosten selbst zu tragen haben.

Die Standardtarife sehen in der Regel einen Kostenersatz in Höhe des 1,8-fachen Gebührensatzes vor. Privatärztliche Behandlungen werden jedoch oftmals mit dem 2,3-fachen bis 3,5-fachen Satz berechnet. Sollte Ihr Arzt nicht bereit sein, zum 1,8fachen Satz abzurechnen, so lohnt der Wechsel aufgrund der von Ihnen zu leistenden Zuzahlungen wahrscheinlich nicht.

Wann lohnt der Wechsel in den Basistarif?

Wer sich nach dem 31.Dezember 2008 erstmals privat gegen Krankheit versichert hat, für den bietet es sich bei zu hohen Beiträgen im derzeitigen Tarif und Hilfebedürftigkeit an, in den "Basistarif" zu wechseln. Auch diejenigen, die 55 Jahre oder älter oder Rentenbezieher sind, können dies tun. Der Wechsel bedeutet, dass zukünftig nur noch die Leistungen versichert sind, die auch die gesetzlichen Krankenkassen als Pflichtleistungen ihren Versicherten anbieten.

Wenn Sie in diesen Tarif wechseln, weisen Sie Ihren Arzt darauf hin. Er ist allerdings leider nicht gesetzlich verpflichtet, Sie auch als Privatpatient zum Satz der gesetzlichen Krankenkassen zu behandeln. Der erstattungsfähige Gebührensatz im Basistarif beträgt in der Arztpraxis lediglich das 1,2-fache.

Der Beitrag im Basistarif ist maximal so hoch wie der durchschnittliche Höchstsatz in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das sind derzeit aber auch circa über 665 Euro plus Pflegeversicherung.

Wechsel zwischen geschlossenen Tarifen

Dieser Wechsel kann in folgender Situation sinnvoll sein:

  • Sie sind schon sehr lange in der PKV versichert, Ihr Tarif ist auch schon sehr lange geschlossen und die Beiträge "explodieren", weil nur noch ältere Menschen in diesem Tarif versichert sind. Alternative geschlossene Tarife bieten günstigere Beiträge. Beachten Sie stets mögliche Leistungsunterschiede.
  • Sie fürchten auf Grund Ihrer Einkommenssituation, dass Sie irgendwann in einen Tarif wechseln müssen, der nur noch Grundleistungen enthält. Sie können dann aus dem Alttarif in den in der Regel deutlich günstigeren Standardtarif wechseln.

Was tun, wenn Sie Hilfe benötigen?

Lassen Sie sich auf jeden Fall vorab gut beraten. Für den Laien ist der Tarifdschungel kaum zu durchblicken und Leistungen schwer zu vergleichen. Die Beratung in der Verbraucherzentrale kann Ihnen hier weiterhelfen.

Falls Sie selbst mit Ihrer Gesellschaft zu keiner befriedigenden Lösung kommen, helfen Ihnen kompetent auch viele behördlich zugelassene Versicherungsberater.

Adressen von Beratern in Ihrer Nähe erfahren Sie unter:

BVVB Bundesverband der Versicherungsberater e.V.
Potsdamer Straße 86
10785 Berlin
Sprechzeiten: Montag bis Donnerstag von 09.00 - 13.00 Uhr
Tel.: (030) 263 66 330
E-Mail: info@bvvb.de

Vorsicht vor Angeboten im Internet

Im Internet bieten Vermittler verschiedentlich an, Ihnen gegen ein (fürstliches) Honorar zur Beitragsersparnis zu verhelfen. Wir raten bei solchen Angeboten zu größter Skepsis. Uns liegen dazu Beschwerden vor, wonach der Vermittler lediglich komplette Leistungsvereinbarungen aus dem Vertrag hat streichen lassen und für die damit verbundene angebliche "Beitragsersparnis" auch noch ein Honorar verlangt hat.

Auf keinen Fall sollten Sie ab einem Alter von mehr als 40 Jahren den Verlockungen mancher Versicherer nachgeben, ohne neutrale Beratung Ihren derzeitigen Vertrag zu kündigen und in den Vollkostentarif einer anderen Gesellschaft zu wechseln. Einerseits kann es geschehen, dass Vorerkrankungen mit einem hohen Risikozuschlag oder einem vollständigen Leistungsausschluss bedacht werden. Schon der ärztlich diagnostizierte Verdacht auf bestimmte Erkrankungen kann dazu ausreichen. Andererseits raten wir Ihnen von einem solchen Schritt ab, weil nach derzeitigem Recht die von Ihrer jetzigen Gesellschaft gebildeten Rücklagen zur Beitragsentlastung im Alter nicht auf die neue Gesellschaft übertragen werden können, wenn Sie bereits vor dem 1. Januar 2009 versichert waren.