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Corona: Was tun, wenn Tagespflegeeinrichtungen schließen?

Stand:

Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege schließen in vielen Bundesländern wegen des Coronavirus. Für Betroffene und ihre Angehörigen ist das eine enorme Belastung. Was Sie nun tun können.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet der Ausfall von Betreuungsleistungen in der Regel: Die Pflege muss zu Hause in Eigenregie übernommen werden.
  • Ausnahmen gibt es zum Beispiel für Angehörige, die in Schlüsselpositionen arbeiten, und für Pflegebedürftige, deren Betreuung zu Hause nicht sichergestellt werden kann.
  • Wir zeigen Möglichkeiten, Geld / Lohnfortzahlung oder Unterstützung in dieser schwierigen Zeit zu bekommen.
Eine Frau sitzt neben einer älteren Frau am Bett und hält ihre Hand
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Durch die Schließung von Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen müssen viele Menschen die Pflege ihrer Angehörigen aktuell neu organisieren.

Zunächst: Ausnahmen und Notfallregelungen prüfen

Für viele stellt sich nun die Frage: Wie können wir als Berufstätige die entfallene Betreuungsmöglichkeit kompensieren? Kann man zur Pflege seines Angehörigen zu Hause bleiben?

Sie sollten sich zunächst bei der Einrichtung erkundigen, ob es Ausnahmen für besondere Berufsgruppen gibt, zu denen Sie vielleicht gehören. Hierzu zählen, je nach Bundesland, zum Beispiel Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und der Pflege, Kinder- und Jugendhilfe, der Feuerwehr, Rettungsdienst und Gefahrenabwehr. Aber auch die Mitarbeiter des ÖPNV, der Entsorgungsbetriebe, sowie der Energie- und Wasserversorgung und der Telekommunikation.

In den meisten Bundesländern dürfen Einrichtungen eine Notbetreuung für die Fälle einrichten, in denen eine ausreichende eine Pflege und Betreuung zu Hause nicht sichergestellt werden kann.

Außerdem haben einige Einrichtungen eine Notbetreuung für die Fälle eingerichtet, in denen eine Pflege und Betreuung zu Hause nicht sichergestellt werden kann.

Klappt es bei Ihnen auf diesen Wegen nicht, bleiben folgende Möglichkeiten:

Mobiles Arbeiten / Homeoffice

Eine Möglichkeit, die Betreuung sicherzustellen, bietet das mobile Arbeiten / Homeoffice, wenn dies bei der eigenen Berufstätigkeit möglich ist. So wären Sie während der Arbeit zu Hause zumindest in der Nähe Ihres pflegebedürftigen Angehörigen und können unterbrechen, falls er Hilfe braucht.

Ein Rechtsanspruch auf Homeoffice besteht dabei allerdings nicht.

Klären Sie im Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber, ob Homeoffice oder mobiles Arbeiten möglich ist. In der aktuellen Situation zeigen sich viele Arbeitgeber kulant, wenn Arbeiten von zu Hause aus durchgeführt werden können.

Falls Ihr Angehöriger einen Pflegegrad hat

Für Menschen die einen pflegebedürftigen Angehörigen mit einem Pflegegrad pflegen, gibt es darüber hinaus außerdem folgende Möglichkeiten. Diese stellen wir übrigens auch in einem separaten Text noch einmal ausführlich vor.

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung

Diese ist eine Möglichkeit, kurzfristig die Pflege eines pflegebedürftigen nahen Angehörigen sicherzustellen. Alle Arbeitnehmer haben ein Recht auf 10 Tage kurzzeitige Arbeitsverhinderung - und zwar unabhängig von der Größe Ihres Unternehmens.

Sie können sich spontan bis zu 10 Tage von der Arbeit freistellen lassen, wenn Sie Zeit für die Organisation der Pflege in einer akut aufgetretenen Pflegesituation benötigen. Eine bestimmte Ankündigungsfrist gibt es nicht. Sie ist also "sofort" möglich. Jedoch sind Sie verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber den Verhinderungsgrund und die voraussichtliche Dauer mitzuteilen.

Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung ist nur in einer akuten Pflegesituation möglich, also wenn sich die Pflegesituation unerwartet und unvermittelt ändert.

Bei der Schließung der Tagespflegeeinrichtungen liegt eine solche akute Situation vor, insbesondere dann, wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger mehrfach in der Woche eine Tagespflege aufsucht, während Sie zur Arbeit gehen, und diese Tagespflege nun ausfällt.

Wichtig: Teils wird vertreten, dass ein Anspruch auf Arbeitsbefreiung dann nicht in Betracht kommt, wenn bereits länger eine Pflegebedürftigkeit besteht. Erkundigen Sie sich daher vor Antritt der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung bei Ihrer Pflegekasse!

Außerdem ist es möglich, sich die Arbeitsverhinderung aufzuteilen. Also beispielsweise können sich zwei Geschwister jeweils 5 Tage frei nehmen.

Haben Sie die kurzzeitige Arbeitsverhinderung bereits für eine pflegebedürftige Person für 10 Tage in Anspruch genommen, wird in der Regel davon ausgegangen, dass der Anspruch verbraucht ist und Sie können ihn nun in der Corona-Zeit nicht mehr nutzen. Ob tatsächlich nur ein einmaliger Anspruch auf die kurzzeitige Arbeitsverhinderung besteht, ist noch aber nicht geklärt.

Erhalte ich mein Gehalt weiter, wenn ich die kurzzeitige Arbeitsverhinderung in Anspruch nehme?

Eine Lohnfortzahlung während der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung gibt es nur, wenn diese ausdrücklich im Arbeitsvertrag oder als Ergänzung dazu vereinbart wurde.

Gibt es keine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, zahlen die Pflegekassen für die kurzzeitige Arbeitsverhinderung ein Pflegeunterstützungsgeld. Diese Leistung beträgt 90 Prozent des ausgefallenen Netto-Entgelts. Sie müssen sie bei der Pflegekasse des pflegebedürftigen Angehörigen unverzüglich beantragen.

Freistellung oder Teilzeit durch die "Pflegezeit" für bis zu 6 Monate

Eine weitere Möglichkeit für berufstätige pflegende Angehörige, die Pflege und Betreuung eines nahen Angehörigen sicherzustellen, ist die Pflegezeit. Arbeitnehmer können bis zu 6 Monate vollständig oder teilweise aus dem Job aussteigen, um einen pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause zu pflegen.

Wichtige Voraussetzung für ein Anrecht auf Pflegezeit ist, dass Ihr Betrieb mindestens 15 weitere Personen beschäftigt. Auch Auszubildende zählen dazu. Wer in einem kleineren Betrieb arbeitet, kann gegebenenfalls auf freiwilliger Basis die Pflegezeit mit dem Arbeitgeber vereinbaren.

Möchten Sie Pflegezeit nehmen, müssen Sie dies Ihrem Arbeitgeber mindestens 10 Tage im Voraus ankündigen. Hierzu gibt es Musterformulare.

Gut zu wissen: Nach der Pflegezeit bestehen wieder die Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsvertrag.

Wichtig ist, dass die pflegebedürftige Person einen Pflegegrad hat.

Bekomme ich in der Pflegezeit mein Gehalt weiter gezahlt?

Nein. In der Pflegezeit erhalten Sie keine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber und auch keine Lohnersatzleistung von der Pflegekasse.

Zur Abfederung des Verdienstausfalls können Beschäftigte ein zinsloses staatliches Darlehen erhalten, das beim (BAFzA) beantragt werden kann.

Was Sie auch wissen sollten: Wenn Sie Pflegezeit in Anspruch nehmen und während dieser Zeit nicht erwerbstätig sind, müssen Sie sich um Ihre Krankenversicherung kümmern: Entweder können Sie über Ihren Ehepartner in der Familienversicherung mitversichert sein oder Sie können sich freiwillig gesetzlich krankenversichern.

Verhinderungspflege

Wenn in der aktuellen Situation entfernte Verwandte, Freunde, Nachbarn einspringen und Sie bei der Betreuung Ihres Angehörigen unterstützen, während Sie Ihrer Arbeit nachgehen, können Sie Leistungen der Verhinderungspflege bei der Pflegekasse abrufen.

Für Pflegebedürftige ab dem Pflegegrad 2 übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten einer Verhinderungspflege zu Hause für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr, höchstens jedoch bis zu einem Betrag in Höhe von 1612 Euro. Wenn keine Mittel aus der Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wurden, kann der Betrag auf bis zu 2418 Euro erhöht werden. Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen bereits sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung versorgt hat.

Die Verhinderungspflege können Sie auch stundenweise in Anspruch nehmen.

Gut zu wissen: Wird die Verhinderungspflege durch nahe Angehörige oder Personen, die mit der pflegebedürftigen Person in häuslicher Gemeinschaft leben, sichergestellt, kann für die Verhinderungspflege nur der 1,5-fachen Betrag des Pflegegeldes für den festgestellten Pflegegrad genutzt werden. Nahe Angehörige sind hier Eltern, Kinder (einschließlich der für ehelich erklärten und angenommenen Kinder), Großeltern, Enkelkinder und Geschwister, sowie Stiefeltern, Stiefkinder, Stiefenkelkinder (Enkelkinder des Ehegatten), Schwiegereltern, Schwiegerkinder (Schwiegersohn / Schwiegertochter), Schwiegerenkel (Ehegatten der Enkelkinder), Großeltern der Ehegatten, Stiefgroßeltern sowie Schwager / Schwägerin.

Bei entfernten Verwandten, Bekannten oder Nachbarn oder einem ambulanten Pflegedienst oder Betreuungsdienst kann der gesamte Betrag der Verhinderungspflege eingesetzt werden.

Entlastungsleistungen

Für stundenweise Betreuung durch einen Pflege- oder Betreuungsdienst und weitere Entlastung im Alltag könnten Sie Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen. Das geht natürlich nur, falls Sie in der aktuellen Situation noch Betreuungsdienste mit freien Kapazitäten finden.