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Einstufung in Pflegegrade: Wie funktioniert das in der Corona-Krise?

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Schriftverkehr und Telefoninterviews statt Hausbesuche: Wer einen Pflegegrad beantragt, muss sich wegen der Corona-Pandemie auf ein ungewöhnliches Verfahren einstellen. Die richtige Vorbereitung ist wichtig. Und bis zum Bescheid kann nun auch mehr Zeit als sonst vergehen.

Ein älterer Mann sitzt in seiner Wohnung auf dem Sofa, hält unterlagen in der Hand und telefoniert.
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Normalerweise läuft es so: Nach Beantragung eines Pflegegrades beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) damit, die Pflegebedürftigkeit festzustellen. Bei privat Pflegeversicherten übernimmt das meist der Gutachterdienst Medicproof. Der Gutachter kommt an einem angekündigten Termin zu Ihnen nach Hause.

Während der Corona-Krise läuft das jetzt anders ab. Die Gutachter kommen nicht mehr zu Ihnen nach Hause, sondern nehmen die Begutachtung mit Hilfe eines Fragebogens am Telefon vor. Damit sollen Sie und auch die Gutachter vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden.


Alle unsere Verbraucher-Informationen zu Corona finden Sie übrigens auf unserer Übersichtsseite zum Thema.


Wie läuft die telefonische Begutachtung ab?

Bis zum 30. September erfolgen die Begutachtungen telefonisch. Versicherte und Pflegepersonen erhalten dafür weiterhin einen Termin vom MDK.

Der Gutachter führt zu diesem Termin ein Telefoninterview mit den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. Dafür gibt es einen Fragebogen, den Sie vorab zugeschickt bekommen (an die Adresse des Versicherten). Das soll Ihnen helfen, sich auf die Interviewsituation vorzubereiten. Ob Sie den Fragebogen beim Telefonat bereithalten sollen oder ihn an den MDK zurückschicken sollen, regelt jeder MDK unterschiedlich. Fragen Sie nach, falls Sie nicht klar dazu informiert worden sind.

Die Einstufung in Pflegegrade erfolgt dann auf der Grundlage der bereits vorhandenen Informationen (etwa Bescheinigungen des Arztes und Medikamentenpläne) und aus den Informationen aus dem Telefoninterview.

Was bedeutet das für pflegebedürftige Menschen?

Die persönliche Begutachtung findet nicht mehr statt. Das bedeutet, dass die Gutachter nicht mehr zu Ihnen nach Hause kommen. Dies betrifft sowohl diejenigen, die zuhause gepflegt werden, als auch diejenigen, die in Pflegeheimen gepflegt werden.

Trotzdem werden Menschen, die einen Antrag bei ihrer Pflegekasse gestellt haben, weiter begutachtet. Die entsprechenden Informationen erhalten die Gutachter jedoch in dieser Zeit ausschließlich schriftlich und mündlich, ohne dass der Gutachter die pflegebedürftige Person und deren Wohnung sieht.

Sie sollten sich daher gut vorbereiten und die Situation umfassend schildern.

Wer sollte an dem Telefonat teilnehmen?

Die Pflegebedürftigen sollten den Telefontermin möglichst nicht alleine wahrnehmen. Pflegepersonen oder Angehörige können die Einschränkungen der Betroffenen oft klarer und umfassender schildern als die Betroffenen selbst. Das betrifft besonders Menschen mit geistigen Einschränkungen. Sollte die Vertrauensperson an dem Termin keine Zeit haben, besteht auch die Möglichkeit, den Termin zu verschieben.

Wie sollten Sie sich auf das Telefoninterview vorbereiten?

Während des Telefoninterviews soll der Grad der Selbstständigkeit der Person, die einen Antrag auf Pflegeleistungen gestellt hat, geklärt werden.

Wichtig ist daher, dass Sie vorher notieren, wie die Pflege und Betreuung aktuell stattfindet:

  • Was fällt an einem Tag üblicherweise an?
  • Welche Arztbesuche sind zu organisieren und durchzuführen?
  • Wie läuft die Medikamentengabe?
  • Wie verhält sich die zu pflegende Person?

Dadurch können Sie vermitteln, wie stark die Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Weitere Hinweise erhalten Sie in unserem Ratgeber "Das Pflegegutachten".

Legen Sie zum telefonischen Begutachtungstermin außerdem folgende Unterlagen bereit:

  • aktuelle Berichte von Ärzten und Fachärzten
  • aktuelle Entlassungsberichte vom Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung
  • Medikamentenplan
  • Pflegedokumentation (wenn Sie schon einen ambulanten Pflegedienst haben)
  • eigene Notizen über den Verlauf der Pflege und Schwierigkeiten
  • eine Liste der genutzten Hilfsmittel (Brille, Hörgerät, Gehstock, Rollator, Vorlagen, ...), damit Sie nichts vergessen
  • den Schwerbehindertenausweis (wenn vorhanden), damit Sie die verschiedenen Eintragungen nennen können

Außerdem werden Informationen genutzt, die bereits bei der Pflegekasse vorliegen. Sie brauchen dafür nichts tun. Der MDK wird vor dem Telefoninterview bei der Pflegekasse wichtige Unterlagen anfragen.

Wie sollten Sie mit dem Fragebogen umgehen?

Wichtig ist, den Fragebogen besonders sorgfältig auszufüllen.

Im Zentrum steht, die Selbstständigkeit der betroffenen Person zu prüfen. Um zu bestimmen, wie selbstständig jemand noch handeln kann, und welche Fähigkeiten der Person noch zur Verfügung stehen, werden verschiedene Lebensbereiche betrachtet:

  • Mobilität (Beweglichkeit)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (verstehen und reden)
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
  • Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Diese sechs Lebensbereiche (Module) fließen mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtbewertung ein, nach der sich der Pflegegrad richtet. Schauen Sie sich die einzelnen Bereiche gut an und beantworten Sie die Fragen sorgsam.


Ein Beispiel für einen solchen Fragebogen:

Screenshot eines Fragebogens vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen Westfalen-Lippe

Das Beispiel zeigt die erste Seite des Fragebogens, wie ihn der Medizinische Dienst der Krankenkassen Westfalen-Lippe herausgibt. Dort besteht er aus insgesamt 7 Seiten. Je nach der Region, in der Ihr Pflegebedürftiger wohnt, kann auch ein anderer MDK zuständig sein und einen etwas anderen Fragebogen verwenden. (Screenshot vom 31.3.2020)


Hat diese Form der Begutachtung Nachteile?

Eine persönliche Begutachtung im eigenen Zuhause hat natürlich Vorteile. Im persönlichen Gespräch vor Ort kann der Gutachter Bedarfe erkennen, wenn er die Person und das Wohnumfeld sehen und einschätzen kann. Dies gilt zum Beispiel für die Empfehlung von Hilfsmitteln (etwa ein Rollstuhl) oder einer Rehabilitation oder für die Empfehlung, die Wohnung barrierefrei umzubauen.

Sie sollten außerdem aufmerksam prüfen, ob Sie mit dem Ergebnis einverstanden sind. Wenn Sie mit dem Ergebnis der Pflegebegutachtung nicht einverstanden sind, können Sie selbstverständlich Widerspruch einlegen.

Was passiert mit bereits vereinbarten Terminen?

Hausbesuche, die bereits angemeldet sind, sagen die Gutachter wieder ab. Sie werden kurzfristig einen neuen Termin für ein Telefoninterview erhalten. Dadurch sollen die Anträge zur Einstufung in einen Pflegegrad weiter bearbeitet werden können.

Gelten die Fristen zur Begutachtung weiterhin?

Grundsätzlich muss die Pflegekasse den antragstellenden Versicherten innerhalb von 25 Arbeitstagen ihre Entscheidung schriftlich mitteilen. Diese Frist ist bis zum 30. September aber ausgesetzt.

Ausnahmen gibt es dann, wenn ein "besonders dringlicher Entscheidungsbedarf vorliegt".

Wo erhalten Sie weiterführende Hilfestellung?

Weitere Informationen erhalten Sie von dem MDK, der für Sie zuständig ist. Um den richtigen Ansprechpartner auszuwählen, müssen Sie sich zunächst vergewissern, zu welchem MDK Ihr Wohnort gehört. Zumeist hat jedes Bundesland einen eigenen MDK. Die Organisationen arbeiten voneinander unabhängig und handhaben daher einige Dinge unterschiedlich.