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Was Pflegegrade bedeuten und wie die Einstufung funktioniert

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es gibt fünf Pflegegrade.
  • Die Berechnung der Pflegebedürftigkeit erfolgt durch die Anzahl von Punkten, die anhand eines Fragenkatalogs ermittelt werden.
  • Entscheidend ist, der Grad der Selbstständigkeit
  • Begutachtet werden sechs Lebensbereiche, zu denen ein Gutachter 64 Kriterien abfragt.
  • Bei der Einstufung wird der ganze Mensch betrachtet und auch geistige Einschränkungen werden berücksichtigt.
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Pflegebedürftig – was bedeutet das?

Chronische Erkrankungen,  Alterungsprozesse und nachlassende Kräfte können dazu führen, dass ein Mensch pflegebedürftig wird. Pflegebedürftigkeit kann sich also schleichend entwickeln, aber auch aufgrund eines Unfalls (z. B. nach einer Oberschenkelhalsfraktur bei einem älteren Menschen) oder einer plötzlich auftretenden, akuten Erkrankung (z.B. ein schwerer Schlaganfall) eintreten.

Um Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten, muss ein Mensch als pflegebedürftig eingestuft werden. Dies geschieht durch die Einschätzung eines Gutachters. Der Gutachter nutzt dazu einen umfangreichen Fragenkatalog. Maßgeblich ist, inwieweit jemand tägliche Anforderungen selbstständig bewältigen kann,  und welche Fähigkeiten die Person noch hat. Die Beeinträchtigung des pflegebedürftigen Menschen kann körperlich, psychisch oder geistig sein. Der Fragenkatalog (Begutachtungsassessment) deckt alle drei Bereiche ab. In unterschiedlichen Bereichen werden, je nach Ergebnis der Fragen, Punkte vergeben, die zur Einstufung in einen Pflegegrad (früher: Pflegestufe) führen.

Wichtig ist jedoch: die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer (das bedeutet: voraussichtlich länger als 6 Monate) bestehen.

Was ist ein Pflegegrad?

Es gibt fünf Pflegegrade. Die Pflegegrade richten sich danach, wie selbstständig jemand ist und wie viel Hilfe er benötigt.

5 Pflegegrade

Die Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit

Um zu bestimmen, wie selbstständig jemand noch handeln kann, und welche Fähigkeiten der Person noch zur Verfügung stehen, werden  sechs Lebensbereiche betrachtet und erkennbare körperliche, geistige und psychische Einschränkungen erfasst. Diese sechs Lebensbereiche (Module) fließen mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtbewertung ein:

  • Modul 1: Mobilität (Beweglichkeit)
    Hier wird darauf geschaut, ob die betroffene Person selbstständig, ohne die Unterstützung durch andere Personen ihre Körperhaltung ändern kann (z.B. sich allein im Liegen drehen) und auch, ob sie sich alleine fortbewegen kann. In diesem Modul wird nur die Beweglichkeit bewertet. Kann die betroffene Person aufgrund geistiger Beeinträchtigung bestimmte Abläufe nicht umsetzen, fließt dies in die Bewertung an anderer Stelle ein (Modul 2, kognitive und kommunikative Fähigkeiten).
  • Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (verstehen und reden)
    In diesem Modul geht es ausschließlich um das Verstehen und Reden, z.B. werden Menschen aus dem näheren Umfeld erkannt? Findet sich die betroffene Person in ihrer Umgebung zurecht? Kann sie zielgerichtete Handlungen durchführen (z.B. sich selbst anziehen, in der richtigen Reihenfolge? Und wählt sie Kleidung, die dem Wetter angemessen ist?). Hier wird nicht auf motorische Fähigkeiten geachtet (z.B. ist die betroffene Person beweglich genug, um zum Badezimmer zu laufen), sondern nur, ob sie geistig dazu in der Lage ist
  • Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
    Hierzu zählen Verhaltensweisen wie z.B. zielloses Herumlaufen, herausforderndes Verhalten und Aggressionen, die sowohl für die betroffene Person als auch für die Pflegeperson belastend sein können (z.B. mündliche Beleidigungen, schlagen, treten), das Ablehnen von pflegerischer Hilfe, aber auch nächtliche Unruhe oder Wahnvorstellungen. Geschaut wird, ob und wie häufig bestimmte Verhaltensweisen auftreten.
  • Modul 4: Selbstversorgung
    Hierunter werden die Tätigkeiten zur Versorgung des Körpers gefasst, wie z. B. waschen, duschen, anziehen, essen, trinken und das Benutzen der Toilette. Hier ist der Maßstab wieder die Selbstständigkeit.
  • Modul 5: Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
    In diesem Modul wird geschaut, ob ärztlich verordnete Maßnahmen von der betroffenen Person selbstständig umgesetzt werden können, und wenn nicht, wie häufig Unterstützung erforderlich ist.
  • Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
    Hierunter fällt, ob die betroffene Person ihren Alltag selbstständig gestalten kann und z.B. Kontakte zu Freunden alleine pflegen kann (z.B. telefonieren, das Hausverlassen)

In jedem Modul werden die Punkte ermittelt und fließen, je nach Gewichtung, in die Bewertung ein. Von den Modulen 2 und 3 wird nur das Modul mit der höheren Punktzahl gewertet.

Wie wird ein Pflegegrad beantragt?

Wie Sie einen Pflegegrad beantragen finden Sie auf unserer entsprechenden Seite, und auch, wie Sie sich auf die Begutachtung vorbereiten können.

Zögern Sie nicht, sich Unterstützung zu suchen, z.B. bei einer Pflegeberatungsstelle in Ihrer Nähe.