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Salz reduzieren - Was geschieht in anderen Ländern?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Weniger Salz zu konsumieren, wird weltweit als wichtiges Ziel betrachtet, die Gesundheit zu fördern.
  • In vielen EU-Ländern gibt es dazu erfolgreiche staatliche Initiativen.
  • In Deutschland fehlen bislang solche offiziellen Programme. Seit 2016 werden mit staatlicher Förderung erstmals wissenschaftliche Empfehlungen erarbeitet, um sowohl Salz als auch Zucker und Fett in Fertigprodukten zu reduzieren.
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Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in anderen Ländern schon länger Initiativen, um den Salzkonsum in der Bevölkerung zu verringern.

Zu viel Salz im Essen ist ein weltweit verbreitetes Problem. Die Salzaufnahme in der Bevölkerung zu verringern ist möglich und hinsichtlich der Kosten einer der erschwinglichsten Eingriffe im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Zu diesem Fazit kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO); die Zufuhr von Salz zu reduzieren, hat sie zu einem ihrer wichtigsten Ziele bei der Vorbeugung von Erkrankungen erklärt.

In Deutschland gibt es bislang keine offiziellen Programme, um über den Zusammenhang von Salz und Gesundheit aufzuklären. Die Bundesregierung stellt erstmalig 2016 ein Budget von 2 Millionen Euro für eine nationale Strategie zur Verfügung, Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten zu reduzieren ‒ eine Million Euro weniger als ursprünglich geplant. Ergebnisse der Planung sollten bis Ende 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt dringend, dass sich Deutschland an nationalen und internationalen Initiativen beteiligt, die Salzzufuhr in der gesamten Bevölkerung zu verringern.

In anderen Ländern gibt es hingegen schon mehrere Initiativen, um den Salzkonsum in der Bevölkerung zu verringern. Vorläufiges Fazit: Es braucht zwar Zeit; aber bereits eine geringe Absenkung des Salzkonsums führt zu mehr Volksgesundheit und reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall.

Welche Aktivitäten gibt es?

Seit einigen Jahren gibt es auf internationaler Ebene mehrere Initiativen und Strategien um den Salzkonsum zu senken.


In fast allen europäischen Staaten gibt es nationale Aktionsprogramme, um den Salzkonsum in der Bevölkerung zu senken. Hier einige Beispiele:

Finnland

Bereits seit 1977 gibt es ein Programm, Salz in der Nahrung zu reduzieren; bei Lebensmitteln muss angegeben werden, ob sie "viel Salz" oder "wenig Salz" enthalten, verpflichtend ist zudem das Label mit dem Herz-Symbol. Die durchschnittliche tägliche Salzaufnahme hat sich in den vergangenen 30 Jahren um 40 Prozent verringert und die Infarkt- und Schlaganfallrate gleich mit. Hersteller von Lebensmitteln haben den Salzgehalt ihrer Produkte reduziert, um die Deklaration mit dem Warnhinweis "viel Salz" zu vermeiden. Stattliche 84 Prozent der finnischen Bevölkerung kennen das Herz-Label. Natriumreduziertes Pansalz wird weithin verwendet.

Großbritannien

Die FSA (Food Standards Agency) hat 2004 eine Salzkampagne gestartet. Ziel ist die Aufnahme von maximal 6 Gramm Salz pro Tag. Durch verstärkte Kommunikation mit Herstellern und Gesundheitswesen wurde eine Änderung der Produktzusammensetzung gefördert; gleichzeitig wurde die Bevölkerung verstärkt über die Zusammenhänge zwischen Salzkonsum und Gesundheit aufgeklärt. Ergebnis: der durchschnittliche Salzkonsum sank um bis zu 34 Prozent; die im Schnitt täglich konsumierte Menge sank innerhalb von drei Jahren um fast 1 Gramm (von 9,5 Gramm auf 8,6 Gramm). Die Zahl der Verbraucher, die weniger Salz zu sich nahmen, hatte sich um etwa ein Drittel erhöht. Das Wissen, dass nicht mehr als 6 Gramm Salz pro Tag empfohlen werden, hatte sich verzehnfacht. Die Zahl der Verbraucher, die sich anhand der Lebensmittelkennzeichnung bemühten, ihren Salzverbrauch zu senken, hatte sich verdoppelt. Im März 2014 wurde berichtet, dass der Salzgehalt in bestimmten Lebensmitteln um 40 bis 50 Prozent reduziert wurde, teilweise sogar noch mehr. Das britische Gesundheitsministerium will eine weitere Senkung erreichen. So soll bis 2017 der Mittelwert für Salz in Brot von 1,0 Gramm auf 0,9 Gramm pro 100 Gramm gesenkt werden.

Portugal

Portugal zählt nicht nur zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Salzkonsum, sondern auch zu dem mit der höchsten Schlaganfallrate. Besonders im portugiesischen Brot steckt viel Salz, knapp 20 Gramm pro Kilo. Das portugiesische Parlament hat schon 2009 reagiert und eine Maximalmenge für Salz, sowie Strafzölle auf zu viel Salz im Brot erlassen. Wird Brot mit mehr als 1,4 Gramm Kochsalz pro 100 Gramm Fertigprodukt verkauft, kann dies mit bis zu 5000 Euro bestraft werden. Allerdings gilt das nur für verpacktes Brot. Außerdem sind traditionelle, namensgeschützte Backwaren von dieser Regelung ausgenommen. Seit 2012 gibt es eine Umsatzsteuer für salzige Produkte.

Österreich

2011 haben Österreichs Bäcker und das österreichische Gesundheitsministerium die Initiative "Weniger Salz ist g'sünder" ins Leben gerufen. Schrittweise wurde der Salzgehalt in Brot und Gebäck von 2011 bis 2015 um 15 Prozent gesenkt.

 

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