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Angaben auf Lebensmitteln: Oft mehr Schein als Sein

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Viele Angaben auf Lebensmitteln können bei Verbrauchern völlig falsche Erwartungen wecken, auch wenn sie rechtlich nicht zu beanstanden sind.

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So suggeriert etwa ein Begriff wie "Klosterprodukt", dass es sich dabei um ein Lebensmittel handelt, das im Kloster handwerklich hergestellt wurde. "Körnerbrote" kann man leicht für Vollkornbrote halten. Für viele Verbraucher wohl ebenso überraschend: In Geflügelleberwurst steckt auch Leber vom Schwein. Und "bayerischer Leberkäse" kommt ganz ohne Leber aus.

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Bayerischer Leberkäse

Anders als der Name vermuten lässt, enthält "bayerischer Leberkäse" in der Regel keine Leber. Dagegen gehört in "Stuttgarter Leberkäse" mindestens fünf Prozent Leber; auch grober Leberkäse sollte zu fünf Prozent aus Leber bestehen.

Döner Kebab

Nicht alles, was als "Döner Kebab" auf dem Drehspieß gegrillt wird, sind aufgeschichtete Fleischlagen. Der beliebte Snack darf überwiegend aus Hackfleisch bestehen: Bis zu 60 Prozent Hackfleisch vom Rind oder Schaf sind üblich. Bei Döner Kebab aus Hähnchen oder Putenfleisch wird zwar kein Hackfleisch verwendet. Allerdings beträgt der Hautanteil bis zu 18 Prozent.

Schwarze Oliven

Bei "schwarzen Oliven" handelt es sich nicht immer um natürlich gereifte Oliven, sondern häufig auch um schwarz gefärbte grüne Oliven. Bei loser Ware und in der Gastronomie müssen geschwärzte Oliven als "geschwärzt" kenntlich gemacht werden. Auf fertig verpackten Oliven darf dieser Hinweis jedoch fehlen. In der Zutatenliste ist dann lediglich ein zugesetzter Stabilisator – Eisen-II-Gluconat (E 579) oder Eisen-II-Lactat (E 585) – aufgeführt.

Eier

Die Angaben auf der Verpackung können auf die falsche Spur führen. Auch wenn auf dem Eierkarton eine deutsche Packstelle angegeben ist, können die Eier zum Beispiel aus den Niederlanden stammen. Das ist zulässig, denn das Ursprungsland muss im Erzeugercode stehen – im Stempel auf dem Ei – nicht auf der Verpackung. Letztlich hilft nur der Blick auf das Ei, um sicher zu sein, woher es stammt.

Auf der Internetseite "Was steht auf dem Ei?" erfahren Sie durch Eingeben des Erzeugercodes Name und Adresse des Legebetriebes - allerdings nur für dort registrierte Betriebe.

Frühstückscerealien

Flakes, Pops, bunte Kugeln, "Frühstückskekse" – in der morgendlichen Hektik kommt das Angebot eines Frühstucks, das sich im Handumdrehen zubereiten lässt, vielen Menschen entgegen. Besonders Kinder werden von der Werbung für Frühstücksflocken und den Aufmachungen der Verpackungen angesprochen. Tatsächlich entpuppen sich diese Getreideerzeugnisse aber oft als Fett- und Zuckerbomben, die unnötig mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind. Portionsgrößen, an denen zum Beispiel der Energiegehalt berechnet wird, sind oft unrealistisch klein. Die Produkte werden dadurch "schlankgerechnet". Das angepriesene "gesunde Frühstück" bekommt man bestenfalls, wenn man den Flocken oder Keksen die Zutaten eines wirklich gesunden Frühstücks beigibt: frisches Obst und Milch oder Joghurt.

Imkerhonig

"Imkerhonig" erweckt oft durch regionale Adressen und Abbildungen den Anschein, dass er vom regionalen Erzeuger stammt. Tatsächlich kann es sich dabei aber auch nur um den Betrieb handeln, der den Honig abgefüllt hat – der Honig kann von Bienen in aller Welt stammen. Die obligatorische Angabe zum Herkunftsland wird oftmals wenig prominent im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung versteckt. Ganz im Vagen bleibt die Herkunft, wenn es sich um Honigmischungen aus unterschiedlichen Herkunftsländern handelt: Hier müssen sich Verbraucher beispielsweise mit der Angabe "aus EG-Ländern und/oder Nicht-EG-Ländern" begnügen.

Kaffee

Abgepackter Kaffe bestehet nicht immer nur aus gemahlenen Kaffeebohnen. Manche Produkte enthalten neben Röstkaffee auch bis zehn Prozent Zucker in Form von Maltodextrin und/oder Karamell. Bedenkt man, dass Zucker billiger als Kaffee ist, kommt dies einer versteckten Preiserhöhung gleich. Seit einem Gerichtsstreit müssen die Kaffeepackungen auf der Vorderseite sowie auf der Schmalseite eine eindeutige Angabe aufweisen, zum Beispiel "Röstkaffee mit Karamell"; ein Hinweis auf den Zuckerzusatz lediglich in der Zutatenliste oder der Begriff "Melange" genügt nicht.

Kalbsleberwurst

Lange Zeit musste eine Kalbsleberwurst überhaupt keine Kalbsleber enthalten. Die Leber stammte in der Regel vom Schwein. Inzwischen soll Kalbsleberwurst nur so genannt werden, wenn tatsächlich mehr als 50 Prozent der Leber vom Kalb oder Jungrind stammen. Ist gar keine Kalbsleber oder weniger als 50 Prozent Kalbfleisch enthalten, soll die Bezeichnung "Kalbfleisch-Leberwurst" lauten. Gleichwohl steckt in der Regel Schweinefleisch in der Kalbs- oder Kalbfleischleberwurst. Dies sollte aus der Bezeichnung auch deutlich werden, zum Beispiel "Kalbsleberwurst mit Schweinefleisch" – so wollen es die aktuellen Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs.

Klosterprodukte

Rechtlich ist der Begriff "Kloster" nicht geschützt. Es gibt sicherlich Orden, die ihre eigenen Produkte und Lebensmittel mit guter Qualität anbieten. Das Prädikat "Kloster" sagt jedoch nichts Genaues darüber aus, wie ein Lebensmittel hergestellt wird. Einen Hinweis gibt nur der Blick auf das Etikett: Stehen dort nur Zutaten, die bei solchen Produkten erwartet werden? Zum Beispiel Nougat, Zucker und Nüsse in "Kloster-Pralinen" – oder kommen auch Vollmilchpulver oder der Emulgator Sojalecithin vor, also Stoffe, die üblicherweise bei der industriellen Produktion eingesetzt werden? Die hätten in Klosterprodukten eher nichts zu suchen. Ebenso unglaubwürdig käme ein "Kloster-Tee" mit dem Aufdruck "verpackt in Hamburg" daher, der zudem noch künstliches Aroma enthält.

Körnerbrot

"Körner" sind nicht dasselbe wir Vollkorn. Backwaren mit Bezeichnungen wie "Mehrkornbrötchen", "Vierkornbrot" und "Kornspitz" müssen nicht aus Vollkornmehl hergestellt sein. Hinter dem "Vollkorn-Look" verstecken sich häufig Brot und Brötchen aus hellen Mehlen, die mit Körnern dekoriert sind oder Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne und Sesam im Teig enthalten. Nur wo ausdrücklich "Vollkorn" draufsteht muss auch Vollkornmehl oder Vollkornschrot verarbeitet sein – und zwar zu mindestens 90 Prozent.

Marzipan

Marzipan ist die typische Zutat für viele Backwaren, Kuchen, Torten, Stollen oder Dominosteine. Hauptbestandteile von Marzipan sind blanchierte oder geschälte süße Mandeln und Zucker. Nicht alles, was wie Marzipan aussieht, ist aber auch Marzipan. Billigeres "Persipan" aus den Kernen von Pfirsich- und Aprikose und/oder entbitterten Bittermandeln kann Marzipan ersetzen. Das muss allerdings kenntlich gemacht werden, wenn nach der "Verkehrsauffassung" (den Erwartungen der Verbraucher) die Verwendung von Persipan nicht üblich ist.

Wiener Schnitzel

Ein "Wiener Schnitzel" ist streng genommen ein paniertes Kalbsschnitzel. Doch wer im Restaurant oder der Kantine ein solches Schnitzel vom Kalb möchte, sollte genau auf die Speisekarte schauen oder besser nachfragen. Häufig werden nämlich auch panierte Schweineschnitzel – oder auch Puten- oder andere Geflügelschnitzel – als "Schnitzel Wiener Art" oder auch entgegen den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuchs als "Wiener Schnitzel" bezeichnet.

Smoothies

Bei den Namen "Mango-Maracuja" oder "Himbeer-Brombeer" auf Smoothies entsteht der Eindruck, dass der Inhalt der kleinen Fläschchen hauptsächlich aus diesen Obstarten besteht. Das ist aber häufig nicht der Fall. Nur die Zutatenliste auf der Rückseite entlarvt die Zusammensetzung. So sind Mango-Maracuja-Smoothies auf dem Markt, die gerade einmal 20 Prozent Mango und Maracuja enthalten und stattdessen hauptsächlich aus Apfel bestehen. Auch bei Beeren-Smoothies kommen die beworbenen Früchte oft zu kurz. Zum Teil werden solche Produkte auch vor Gericht als "irreführend" beurteilt.

Unbehandelte Zitrusfrüchte

Bei Zitronen bzw. Zitrusfrüchte findet man häufig den Hinweis "unbehandelt". Man könnte meinen, dass es sich dabei um ökologisch erzeugte Ware handelt. Doch diese Angabe besagt nur, dass die Früchte nach der Ernte nicht konserviert oder gewachst wurden. Sie sagt nichts darüber aus, ob die Früchte während des Wachstums mit pflanzenschutzmitteln behandelt wurden.

Wenn die Oberfläche der Zitrusfrüchte nach der Ernte mit Wachsen oder mit Konservierungsmitteln gegen Verderb und Austrocknen behandelt wurden, muss dies gekennzeichnet werden mit den Hinweisen "gewachst", "mit Konservierungsstoff" oder "konserviert". Kam Thiabendazol zum Einsatz, lautet der Hinweis "konserviert mit Thiabendazol". Die Schale von gewachsten und konservierten Früchten ist nicht zum Verzehr geeignet.

Zahnpflegekaugummi

Kaugummis zählen normalerweise zu den Lebensmitteln. Hersteller können spezielle "Zahnpflegekaugummis" aber auch als kosmetische Mittel verkaufen, wenn die Wirkung im Mundraum im Vordergrund steht. Das kann ihnen Vorteile bringen, denn diese Kaugummis unterliegen nicht dem Lebensmittelrecht. Dadurch sind beispielsweise Werbeaussagen möglich, die bei Lebensmitteln verboten sind wie "hilft Karies oder Parodontose zu vermeiden". Für kosmetische Mittel sind außerdem andere Aromen zulässig, und die Regelungen zur Kennzeichnung unterscheiden sich von denen der Lebensmittel.

Ob ein Kaugummi Lebensmittel oder Kosmetik ist, können Käufer am Kleingedruckten erkennen: Lebensmittel haben eine Zutatenliste, Kosmetika eine englischsprachige Liste der "Ingredients". Die von Lebensmitteln bekannten E-Nummern, an denen man dort etwa Farbstoffe erkennen kann, fehlen. Stattdessen tauchen C.I. Nummern (Colour Index Nummern) auf.