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Nutri-Score: Erweiterte Nährwertkennzeichnung feiert ersten Geburtstag

Stand:

Am 6. November 2021 kann der Nutri-Score in Deutschland seit genau einem Jahr rechtssicher eingesetzt werden. Mit diesem leicht verständlichen Nährwert-Logo auf der Vorderseite von Verpackungen können Verbraucher:innen auf einen Blick erkennen, wie die Nährstoffzusammensetzung eines Lebensmittels zu bewerten ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Angaben zum Energiegehalt und zu den Nährwerten Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz müssen auf den Verpackungen von Lebensmitteln stehen – und das EU-weit einheitlich.
  • Seit Ende 2020 gibt es in Deutschland zusätzlich eine Lösung mit Ampelfarben: Den Nutri-Score. Unser Nachbarland Frankreich hat ihn schon 2017 eingeführt, ebenso wie Belgien 2018.
  • Durch eine entsprechende Verordnung zum Nutri-Score können Unternehmen das Nährwert-Label seit einem Jahr rechtssicher verwenden – aber auf freiwilliger Grundlage. Verbraucherverbände fordern deshalb in einem weiteren Schritt eine europaweite, flächendeckende und bestenfalls verpflichtende Kennzeichnung.
Verpackung mit Nutri-Score
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Nutri-Score gibt Orientierung auf einen Blick

Sie wollen auf einen Blick erkennen, welche Tiefkühlpizza oder welches Frühstücksmüsli die bessere Wahl ist? Sie studieren die Nährwert-Tabellen hinten auf der Verpackung und kommen nicht weiter? Kein Wunder: Denn auch wenn Sie wissen, welche Menge Fett, Zucker und Salz in einem Produkt stecken, sagt das noch nichts darüber, ob das nun viel oder wenig ist. Die Pflichtangaben sind beim Einkauf keine schnelle Hilfe. Auch tragen noch nicht alle Produkte im Supermarkt einen Nutri-Score. Darum fordern Verbraucherverbände und viele andere eine europaweite, einfache, flächendeckende und bestenfalls verpflichtende Kennzeichnung.

Umfrage: Mehrheit der Verbraucher präferiert Nutri-Score

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat die Ergebnisse einer Studie mit mehr als 1600 Teilnehmenden im Sommer 2019 veröffentlicht: Bei den Verbraucher:innen hat der Nutri-Score dabei deutlich als bestes von vier Nährwertkennzeichnungsmodellen abgeschnitten. Im Rahmen der Verbraucherbefragung im Auftrag des BMEL haben 90 Prozent der Befragten den Nutri-Score als "schnell und intuitiv verständlich" bezeichnet. 85 Prozent finden, dass er "gut beim Vergleich verschiedener Produkte" hilft. Bundesministerin Julia Klöckner hat sich daraufhin ebenfalls auf das Modell festgelegt.

Nutri-Score bereits ein Jahr in Deutschland erlaubt

Am 6. November 2020 ist die Verordnung zur Einführung des Nutri-Scores in Kraft getreten. Damit wurde die rechtliche Grundlage geschaffen, um den Nutri-Score als Nährwertkennzeichnungsmodell in Deutschland freiwillig zu verwenden.

Mit einem Ampelsystem – wie dem Nutri-Score – lassen sich unausgewogene Lebensmittel ganz einfach erkennen. Eine farbige Nährwertkennzeichnung kann helfen, eine bessere Ernährung umzusetzen und Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Darum ist der Nutri-Score auch unser Favorit und sollte umfangreich und flächendeckend von Herstellern und Händlern genutzt werden.

Das Modell auf Lebensmittelverpackungen erleichtert auf einen Blick die Beurteilung der Nährstoffzusammensetzung. Der Nutri-Score besteht aus einer 5-stufigen Farbskala mit Buchstaben (A bis E) – dabei steht das "A" in Grün für die günstigste und "E" in Rot für die ungünstigste Nährwertbilanz.

Mit einberechnet werden zum einen problematische Bestandteile wie:

  • gesättigte Fettsäuren
  • Salz
  • Zucker 
  • Energiegehalt

Zum anderen fließen in die Berechnung auch günstige Bestandteile ein wie:

  • Ballaststoffe
  • Proteine
  • Obst
  • Gemüse 
  • Nüsse

Für die verschiedenen Inhaltsstoffe gibt es gewichtete Plus- und Minus-Punkte, die miteinander verrechnet eine Gesamtpunktzahl ergeben. Die Punktzahl wird dann in einen farblich unterlegten Buchstaben übersetzt.

Nutri-Score für Lebensmittel
Bild: Santé publique France

Das Wichtigste zum Nachhören

Wie dieses Ampelsystem beim Einkauf hilft und wie die Bewertung eines Produkts zustande kommt, darüber sprechen Sabine Holzäpfel, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, und Niklaas Haskamp in dieser Folge des Verbraucherfunks.

Im Ladenregal können Sie ein Lebensmittel dadurch auf einen Blick klar einschätzen. Der Nutri-Score wird auf die Vorderseite gedruckt. Wer es genauer wissen will, kann zusätzlich die detailliertere Nährwert-Tabelle auf der Verpackung oder das Zutatenverzeichnis ansehen. Beide Angaben sind Pflicht. Sie finden sie meist auf der Rückseite.

Von Fischstäbchen bis Cola – die Verbraucherzentrale Hamburg hat den Nutri-Score beispielhaft für einige Produkte berechnet und diese gelabelt:

Europäische Vorbilder bei der Nährwertkennzeichnung

Unser Nachbarland Frankreich hat den Nutri-Score bereits 2017 erfolgreich auf freiwilliger Basis eingeführt, gefolgt von Belgien 2018. Ebenfalls im Jahr 2018 gab Spanien seine Absichten bekannt, mit dem System arbeiten zu wollen. Deutschland, die Schweiz und die Niederlande folgten 2019, Luxemburg 2020. Die sieben Länder haben Anfang 2021 verkündet, einen länderübergreifenden Koordinierungsmechanismus einrichten zu wollen, mit dem die Anwendung des Nutri-Scores vereinfacht werden soll. Zu diesem Zweck soll es einen gemeinsamen Lenkungsausschuss und ein wissenschaftliches Gremium geben.

Der Nutri-Score ist z.B. in Deutschland und Frankreich zwar momentan freiwillig, aber wenn ein Hersteller eine vereinfachte Form der Nährwertkennzeichnung angeben möchte, darf er nur den Nutri-Score nutzen. Außerdem muss nach spätestens zwei Jahren Umsetzungszeit die vollständige Produktpalette einer registrierten Marke damit gekennzeichnet sein.

Deshalb ist ein solches Ampelsystem für Lebensmittel in Deutschland wichtig:

  • 91 Prozent der Befragten ist laut Ernährungsreport 2021 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wichtig, dass das Essen gesund ist.
  • Nicht-übertragbare Krankheiten (Herz-Kreislauf, Krebs etc.) stellen weltweit die häufigsten Todesursachen dar.
  • Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass eine ungünstige Ernährung daran erheblichen Anteil hat.

Die Vorteile des Nutri-Scores

  • Der Nutri-Score ist eindeutig und leicht verständlich. Er bietet eine einfache und schnelle Orientierung. Das bestätigt auch eine Studie des Max-Rubner-Instituts.
  • Mit ihm lassen sich Produkte innerhalb einer Produktkategorie leicht vergleichen – weil sich der Nutri-Score immer auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter eines Lebensmittels bezieht. So lassen sich gleichartige Produkte, zum Beispiel Fruchtjoghurts oder Kekse, gut miteinander vergleichen. Verschiedene Produktgruppen wie Joghurt und Müsli anhand des Nutri-Scores miteinander zu vergleichen, ist hingegen nicht sinnvoll!
  • Beim Lebensmitteleinkauf können Sie durch den Nutri-Score problemlos zwischen günstig zusammengesetzten und weniger günstig zusammengesetzten Produkten unterscheiden. Sie sind in der Lage, den gesundheitlichen Wert eines Lebensmittels einfacher zu beurteilen. Das macht Ihnen den direkten Produktvergleich leichter.
  • Der Nutri-Score kann dazu beitragen, dass Hersteller ihre Rezepturen verändern und die Zusammensetzung ihrer Produkte verbessern.

Die Nachteile des Nutri-Scores

  • Der Nutri-Score stellt keine Nährstoffe einzeln dar. Wenn Sie das interessiert, sind Sie weiterhin auf die entsprechende Information in der Nährwert-Tabelle angewiesen, die Hersteller aufdrucken müssen. Weitere Informationen, zum Beispiel über enthaltene Zusatzstoffe, sind im Zusatzverzeichnis zu finden. Nährwert-Tabelle und Zutatenliste finden Sie meist auf der Rückseite der Verpackung.
  • Für Produkte, die unverarbeitet sind oder nur aus einer Zutat bestehen (z.B. Olivenöl, frisches Obst, Gemüse oder Honig), ist der Nutri-Score nicht sinnvoll und auch nicht gedacht. Label wie der Nutri-Score eignen sich vor allem für komplex zusammengesetzte und stark verarbeitete Lebensmittel.
  • Wie bei jedem System, das verschiedene Einflüsse in eine Gesamtwertung zusammenfasst: Schlechte Werte in manchen Bereichen lassen sich durch gute Werte in anderen ausgleichen. Ein Produkt mit gutem Nutri-Score muss nicht bei jedem einzelnen Inhaltsstoff gut abschneiden.

Warum uns freiwillige Labels nicht weiterbringen

Auch wenn die Verwendung des Nutri-Scores seit einem Jahr offiziell in Deutschland erlaubt ist, bedeutet das noch nicht, dass alle Produkte ein vereinfachtes Nährwertlogo auf der Vorderseite tragen. Die Verwendung ist für die Hersteller freiwillig. Nur die EU könnte aktuell eine verpflichtende Kennzeichnung vorschreiben.

Für uns ist klar: Es braucht ein einheitliches, europaweites System, das für alle Hersteller Pflicht ist. Sonst droht ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Darstellungen, die beim Einkauf kaum helfen, Zusammensetzung und Inhaltsstoffe auf einen Blick zu bewerten und Produkte miteinander zu vergleichen.

So bewerten Sie Lebensmittel ohne Nutri-Score

Für alle Lebensmittelhersteller ist es Pflicht: Auf Verpackungen müssen neben dem Zutatenverzeichnis detaillierte Nährwerte stehen. Brennwert, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salzgehalt des Produkts müssen angegeben werden. Dargestellt sein müssen sie in der Regel als Tabelle. Diese Angaben müssen sich auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des jeweiligen Lebensmittels beziehen. Die Hersteller können außerdem zusätzliche Angaben machen.

Die verpflichtende Nährwertkennzeichnung gilt grundsätzlich für alle vorverpackten Lebensmittel. Lose Ware und Lebensmittel, die zum unmittelbaren Verkauf vorverpackt werden, wie Pralinen oder Teegebäck in der Konditorei, sind von der Regelung ausgenommen. Eine Ausnahme bilden auch alkoholische Getränke (obwohl diese oft besonders viel Energie beinhalten und damit potenzielle Dickmacher sind). Außerdem müssen Kleinverpackungen nicht beschriftet werden, deren größte Oberfläche weniger als 25 Quadratzentimeter beträgt, das ist in etwa das Format einer großen Streichholzschachtel.

Hersteller können trotz dieser Regelungen durch freiwillige Portionsangaben tricksen. Kleine, oft unrealistische Portionsgrößen wie 1/3 einer Pizza verzerren das Bild. Außerdem können zum Beispiel Frühstückscerealien, die sich in der Aufmachung speziell an Kinder richten, pro Portion (40 Gramm) ganze zehn Gramm Zucker enthalten. Für Erwachsene ergibt das zwar nur elf Prozent der Tageszufuhr – was dann als Wert auf der Verpackung steht. Doch kleine Kinder decken mit der Zuckermenge bereits ein Drittel ab.

Zuckerbomben und Fettfallen entlarven

Rot, gelb, grün: Für Produkte, auf denen noch kein Nutri-Score zu finden ist, hilft Ihnen unser Kärtchen mit den Ampelfarben weiter. Damit können Sie beim Einkauf im Supermarkt Fettfallen und Zuckerbomben enttarnen. Drucken Sie es einfach aus und nehmen Sie es im Portemonnaie mit:

Ampelkärtchen für den Einkauf

Sie können die Angaben aus den Nährwert-Tabellen auf der Verpackung eines Lebensmittels dann mit dem Kärtchen vergleichen.

Was Hersteller bei Lebensmitteln noch angeben müssen (zum Beispiel Zutaten, Allergene und Mindesthaltbarkeits- / Verbrauchsdatum), haben wir in einem Beitrag zusammengefasst.