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Wann ist ein Produkt "Halal"?

Stand:

Für "Halal"-Produkte bestehen bisher keine einheitlichen Standards. Selten ist klar, welche Kriterien zugrunde liegen.

Burek

In der EU ist der Begriff "Halal" lebensmittelrechtlich nicht geschützt.

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"Halal" bedeutet so viel wie "rein", "erlaubt", und die entsprechenden Gebote umfassen Dinge und Handlungen, die aus islamischer Sicht zulässig und islam-konform sind. Dazu gehören auch bestimmte Speisevorschriften und Lebensmittel, wie etwa das Fleisch von Pflanzenfressern (Huhn, Rind, Schaf), welches nach bestimmten Vorschriften geschlachtet wurde (so genannte Schächtung) sowie Frischmilch, frisches Obst und Gemüse, Eier und pflanzliche Öle.

Im Gegensatz dazu werden verbotene oder unzulässige Lebensmittel als "Haram"-Lebensmittel bezeichnet. Diese sind typischerweise Schweinefleisch oder mit dessen Bestandteilen hergestellte Produkte, etwa Zwiebelkuchen mit Speck, Mettbrötchen sowie gelatinehaltige Joghurts, Torten und Gummibärchen. Weiterhin nicht erlaubt sind Alkohol und Lebensmittel, die diesen enthalten, zum Beispiel Eis und Pralinen (auch in Spuren oder versteckt als Trägerstoff etwa bei Aromen, Farbstoffen), sowie bluthaltige Lebensmittel wie etwa Blutwurst.

Als problematischer Produktionsprozess gilt die Klärung von Fruchtsaft mit Hilfe von Gelatine - auch wenn sie nicht oder nur zu verschwindenden Anteilen im Produkt verbleibt. Die islamischen Rechtsquellen (Koran und Sunna) beschreiben "Halal" und "Haram" sowie weitere Speisevorschriften näher, ohne eine klare Einordnung der "Halal"- Lebensmittel, vorzunehmen. Ob ein Lebensmittel in die "Halal"-Kategorie fällt, ist von verschiedenen Kriterien abhängig, die von islamischen Rechtsgelehrten zum Teil unterschiedlich ausgelegt werden. Es existieren auch keine für alle Muslime gültigen Listen von Lebensmitteln, die ausdrücklich als "Halal" gelten.

Keine einheitliche Zertifizierung

In der EU ist der Begriff "Halal" lebensmittelrechtlich nicht geschützt. Für "Halal"Produkte bestehen bisher keine einheitlichen Standards, die bei einer Zertifizierung überprüft werden. Folglich existieren für Lebensmittel zahlreiche verschiedene "Halal"-Siegel, die von traditionellen oder herstellerorientierten Zertifizierern etabliert wurden. Für Verbraucher ist selten klar, wie sich diese unterscheiden bzw. welche konkreten Kriterien zugrunde liegen. Während einige Zertifizierer Fleisch als "Halal" siegeln, wenn Elektrokurzzeitbetäubung oder Bolzenschussapparate eingesetzt wurden, legen andere die betäubungslose Schächtung zugrunde.

Eine "Halal"-Zertifizierung orientiert sich zudem nicht alleine an den Zutaten oder einer bestimmten Art der Schlachtung, sondern überprüft auch die Einhaltung von Halal-Bestimmungen im Produktionsprozess, zum Beispiel die Reinigung und Pflege der Anlagen mit entsprechenden Mitteln (Alkohol, Fette). Weiterhin wichtig ist im Sinne der Ethik des Korans, ob Tiere aus Massentierhaltung stammen oder während der Schlachtung lange leiden mussten. So kann Fleisch erlaubter Tierarten als "Haram" gelten, wenn die Tiere nicht halalkonform gehalten, gefüttert und geschlachtet wurden.

Schächtung verboten

Die Schächtung (betäubungslose religiöse Schlachtung) von Tieren ist in Deutschland grundsätzlich verboten - eine Ausnahmegenehmigung wird nur unter strengen Auflagen erteilt. Halal-Schlachtungen erfolgen hier demnach fast ausschließlich mit Betäubung. Der Import von Fleisch geschächteter Tiere ist erlaubt - bezüglich der Schächtung gibt es keine EU-weit einheitliche Regelung. Fleisch geschächteter Tiere muss nicht entsprechend gekennzeichnet werden.

Hersteller fragen!

In der Beratung der Verbraucherzentralen werden häufig Fragen gestellt, die sich auf die Herstellung oder den Einsatz von Zusatzstoffen oder Zutaten wie Alkohol oder Gelatine beziehen, beispielsweise:

  • Ist der Emulgator "Mono- und Diglyceride aus Speisefettsäuren" für Muslime geeignet?
  • Welche Fruchtsäfte werden nicht mit Schweinegelatine geklärt?
  • Welche Zusatzstoffe (Aromen, Farbstoffe usw.) werden mit Hilfe von Alkohol hergestellt?

In den meisten Fällen kann hier nur spekuliert werden, etwa bei den Emulgatoren, die eher aus Pflanzenfetten hergestellt werden, weil sie auf dem Weltmarkt billiger zu bekommen sind. Letztendlich bleibt nur der Verweis an den jeweiligen Hersteller, wenn genauere Auskunft gewünscht wird. Muslime kaufen ihr "Halal"-Fleisch vorzugsweise in ethnischen Supermärkten, auf regionalen Schlachthöfen oder direkt beim Landwirt.