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Bewertung des gesundheitlichen Risikos

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Pestizide sind Gifte, die vor allem Schadorganismen – so der offizielle Begriff – in der Landwirtschaft und im Gartenbau wirkungsvoll bekämpfen sollen.

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Dabei handelt es sich vor allem um tierische Schädlinge, Pilzerkrankungen und Unkräuter. Doch auch Für Menschen können Pestizide – in entsprechender Menge – giftig sein. Bei der Bewertung des gesundheitlichen Risikos werden das akute und das Langzeitig-Risiko für Verbraucher betrachtet: Mit Hilfe der Akuten Referenzdosis (ARfD) wird das potenzielle gesundheitliche Risiko bei kurzzeitig hoher Rückstandsaufnahme abgeschätzt. Die Akute Referenzdosis ist die Menge eines Stoffes in einem Lebensmittel, die ohne nennenswertes Risiko über einen kurzen Zeitraum — normalerweise an einem Tag — aufgenommen werden kann. Berücksichtigt werden dabei besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Kleinkinder. Wird die Akute Referenzdosis überschritten, kann ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden.

Zur Bewertung des langfristigen Risikos wird die Dosis des Wirkstoffes ermittelt, die Verbraucher jeden Tag ihres Lebens aufnehmen können, ohne Schaden zu nehmen. Diese so genannte "Duldbare tägliche Aufnahmemenge" oder auch "Acceptable daily intake" (ADI) basiert auf Tierversuchen. Im Tierversuch wird die höchste Dosierung ermittelt, die keine gesundheitsbeeinträchtigende Wirkung hervorruft. Der erhaltene Wert wird durch einen Sicherheitsfaktor (meist 100) dividiert und ergibt die duldbare tägliche Aufnahmemenge. Der Sicherheitsfaktor wird eingebaut, um verschiedene Unwägbarkeiten, wie zum Beispiel die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen, abzufangen. Bei dieser Betrachtung werden vor allem langfristige Folgen wie die krebserzeugende Wirkung, Mutationen (genetische Veränderungen) oder eingeschränkte Fruchtbarkeit beachtet.

Während die Kontrollen der Lebensmittelüberwachung eher selten Überschreitungen der ADI-Werte feststellen, werden im Europäischen Schnellwarnsystem (siehe oben) immer wieder Überschreitungen der Akuten Referenzdosis dokumentiert.

Auch diejenigen, die mit Pestiziden arbeiten, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Professionelle Anwender wie Landwirte oder Gärtner bedürfen in Deutschland der sogenannten "Sachkunde", um Pestizide einsetzen zu dürfen. Die Anforderungen an die Sachkunde und deren Nachweis regelt das Pflanzenschutzgesetz (siehe oben). Trotzdem werden jährlich Vergiftungsfälle und falscher Umgang mit Pflanzenschutzmitteln dokumentiert.

Die Anforderungen an die Sachkunde gelten nicht für private Anwender. Im eigenen Garten dürfen nur solche Mittel eingesetzt werden, die den Aufdruck "Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich zulässig" tragen. Diese Einordnung wird bei der Zulassung vorgenommen. Die meisten Pflanzenschutzmittel – für professionelle und für private Anwender – dürfen nicht in Selbstbedienung verkauft werden. Vielmehr besteht die Pflicht, dass der Verkäufer vor dem Kauf ausführlich berät.

Ob von pestizidbelasteten Lebensmitteln ein gesundheitliches Risiko ausgeht, ist umstritten. Naturschutzverbände und kritische Wissenschaftler warnen immer wieder vor möglichen Folgen. Behörden auf nationaler und auf EU-Ebene teilen diese Besorgnis in vielen Fällen nicht. Obwohl die Hersteller für die Zulassung (siehe oben) auch Untersuchungen zur Toxizität (Giftigkeit) vorlegen müssen, gibt es für eine Reihe von Pestiziden den Verdacht, dass sie an der Entstehung von Krebs, Parkinson, Fortpflanzungsstörungen, Alzheimer, Diabetes und anderen Krankheiten beteiligt sind. Auch Auswirkungen auf das Nerven- oder das Immunsystem sind nicht auszuschließen.

Als großes Problem gilt unter Kritikern die zunehmende Mehrfachbelastung von Lebensmitteln. Es kommt nicht mehr so oft vor, dass die gesetzlichen Höchstwerte einzelner Pestizide überschritten werden. Aber immer häufiger werden immer mehr Pestizide in einem Lebensmittel nachgewiesen. Noch ist größtenteils unklar, ob und wie die einzelnen Wirkstoffe miteinander reagieren. Es könnte sein, dass sie sich in ihrer Wirkung nicht nur addieren, sondern verstärken. Das würde bedeuten, dass ganz neue Sicherheitsbewertungen vorgenommen werden müssten, bei denen das Risiko von Wechselwirkungen stärker beachtet wird.