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10 Dinge, die die meisten Reisenden nicht wissen

Stand:

Wussten Sie, dass Sie als Pauschalurlauber Ihre Reise verkaufen können? Oder mitunter ein Recht auf Packeis haben? Zehn Dinge, die Sie wissen sollten, bevor Sie abheben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Flugausfälle, Warnwesten-Pflicht, Mängel im Hotel - viel Wissen ums Reiserecht hat sich herumgesprochen.
  • Gerichtsurteile und das Kleingedruckte von Angeboten halten aber manche Überraschung bereit.
  • Wir haben zum Beginn der Sommerreisesaison 10 Infos zusammengetragen, die noch nicht jeder kennt.
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1. Schlange am Check-in zu lang? Reisende müssen sich beklagen!

Wer am Flughafen in Zeitnot gerät, weil die Schlange am Check-in zu lang ist und der Flieger droht abzuheben, muss sich beim Personal bemerkbar machen und so versuchen, die Warteschlangen zu umgehen. Still und leidend in der Reihe anstehen ist nicht, hat das Amtsgericht Düsseldorf geurteilt (Az. 42 C 9584/14). In dem Fall hatte eine Familie behauptet, fast zwei Stunden am Check-in angestanden und ihren Flieger nach Antalya darum schließlich verpasst zu haben - was ihnen das Gericht nicht glaubte. Den Prozess um die Kosten des Ersatzflugs hat sie verloren. Reisende in Zeitnot müssten beim Personal darum bitten, bevorzugt behandelt zu werden.

Vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat eine Frau in einem anderen Prozess immerhin zwei Drittel ihres Anspruchs zugestanden bekommen, weil die Airline sie nicht ausgerufen hatte (Az. 226 C 331/08). Auch sie blieb aber auf einem Drittel der Kosten sitzen, weil sie still angestanden hatte.

2. Beim Online-Händler muss mindestens ein gängiger Zahlungsweg gratis sein.

Händler müssen mindestens einen gebührenfreien Zahlungsweg anbieten – und das gilt nicht als erfüllt, wenn es sich dabei um eine exotische Kreditkarte handelt. Vor dem Landgericht Berlin ist ein Fall des Reisevermittlers Opodo verhandelt worden, der damals für Zahlungen mit Visa oder Mastercard 6,90 Euro verlangt hatte. Die Alternative, mit der Kreditkarte Visa Entropay gratis zu bezahlen, genügte den Richtern nicht (Az. 15 O 557/14). Diese sei kein gängiges Zahlungsmittel. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, da Opodo Berufung eingelegt hat.

Außerdem seien die 6,90 Euro zu viel gewesen. Die Klage geführt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband. Am Landgericht Hamburg gab es bereits ein ähnliches Urteil (Az. 327 O 166/15).

3. Probleme mit Fernbusanbietern können nun auch online gemeldet werden.

Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) bietet jetzt auch zum Fernbusverkehr ein Meldeformular im Internet. Reisende können sich dort melden, wenn sie mit ihrem Fernbusanbieter einen Streit haben und nicht selbst zu einer Lösung kommen. Online ging das bisher nur für Flug- und Bahnreisen.

Ein solches Verfahren ist für Verbraucher kostenfrei. Mehr als 100 Beschwerden zu Fernbusanbietern hat die Schlichtungsstelle nach eigenen Angaben im Jahr 2015 aufgenommen – beinahe eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr.

4. Urlaubsreisen kann man verkaufen oder verschenken.

Drohen hohe Stornokosten, weil man eine Reise nicht selbst antreten kann, lohnt es sich, über einen Verkauf nachzudenken. Verbraucher haben nach den Bedingungen der Veranstalter oft das Recht, etwa eine Pauschalreise an andere abzutreten Die Option wird "Namenswechsel" oder "Name Change" genannt. Verschenken oder verkaufen sie die Reise, fallen keine Stornokosten an. Im Internet gibt es bereits einige Portale, die sich auf die Vermittlung solcher Angebote spezialisiert haben.

Der neue Reisende muss den Urlaub antreten können, also zum Beispiel ein gültiges Visum fürs Urlaubsland besitzen. Die Namensänderung kann sich der Veranstalter allerdings bezahlen lassen – schauen Sie vorher also in die konkreten Bedingungen.

5. Behörden helfen auch kurzfristig mit Reisedokumenten.

Fällt erst am Flughafen auf, dass Reisedokumente nicht mit im Gepäck sind, kann die Bundespolizei dort vorläufige Dokumente ausstellen. Ein so genannter "Reiseausweis als Passersatz" kostet 8 Euro und gilt einen Monat lang innerhalb der Europäischen Union.

Gehen Ausweise im Ausland verloren, kümmern sich die deutschen Auslandsvertretungen um Ersatz. Sie stellen Reiseausweise oder vorläufige Reisepässe aus. Damit kann man zumindest nach Deutschland zurückkehren. Die Adressen finden sich auf den Seiten des Auswärtigen Amts.

6. Auch bei als kostenlos beworbenen Kreditkarten drohen im Ausland Gebühren.

Wird eine Kreditkarte als weltweit kostenlos beworben, können dennoch Gebühren im Ausland fällig werden. Die Deutsche Kreditbank (DKB) hatte die Gebühren des Geldautomatenbetreibers bislang etwa bei Nutzung in Thailand und den USA nachträglich auf Antrag erstattet – das Institut stellt diesen Service aber ein. Im ab 1. Juni 2016 gültigen Preis- und Leistungsverzeichnis findet sich nun ein entsprechender Passus. Kunden müssten künftig auch in weiteren Ländern damit rechnen.

7. Bahn-Kunden können bei einer Verspätung in einen höherwertigen Zug steigen.

Kommt der Zug zu spät, dürfen Reisende stattdessen in einen teureren einsteigen: Droht am Ziel eine Verspätung von mehr als 20 Minuten, gibt die Deutsche Bahn dieses Upgrade pauschal frei. Darauf weist das Unternehmen in seinen Fahrgastrechten hin. Voraussetzung sei, dass der Zug nicht reservierungspflichtig sei. Auch mit einem Nahverkehrsticket klappt das – Kunden müssten sich dann am Bahnhof eine gültige Fernverkehrskarte kaufen und können die Kosten nachträglich geltend machen. Ausgenommen seien stark ermäßigte Karten wie Schönes-Wochenende- und Länder-Tickets.

8. Tagsüber ist Abblendlicht in Griechenland verboten.

In Deutschland ist es Autofahrern empfohlen, tagsüber mit Licht zu fahren. Im europäischen Ausland gibt es oft sogar eine Pflicht dazu. Die Regelungen unterscheiden sich stark nach dem jeweiligen Land – ob etwa modernes Tagfahrlicht oder das klassische Abblendlicht gestattet, gewünscht oder vorgeschrieben sind und ob das auch innerorts oder etwa nur auf Autobahnen gilt. Wer das Abblendlicht zur Sicherheit einfach einschaltet, macht aber in Griechenland einen großen Fehler: Hier ist es tagsüber bei klarer Sicht verboten. Davon ausgenommen sind Fahrzeuge mit automatischem Tagfahrlicht.

Der ADAC hat viele Länder aufgelistet, in denen Einschaltpflicht gilt.

9. Wird ein Flug nach vorne verlegt, kann er als storniert gelten.

Neun Stunden früher als gebucht per Flieger nach Hause? In einem Fall waren Reisende deswegen bis vor den Bundesgerichtshof durch die Instanzen gegangen (Az. X ZR 59/14). Mit Erfolg: Die deutliche Vorverlegung komme einer Stornierung des ursprünglichen Flugs gleich, so die Richter. Daraus ergibt sich ein Anspruch auf Ausgleichszahlung.

10. Kreuzfahrt-Kunden haben ein Recht auf Packeis.

Wirbt ein Reiseveranstalter offensiv mit einer Packeis-Erfahrung auf der Kreuzfahrt, haftet er auch, wenn das Wetter zu warm ausfällt (Az. 9 U 92/08). Geklagt hatte vor dem Oberlandesgericht Hamburg ein Kunde, der auf der gebuchten Nordwest-Passage im Juli kein meterdickes Eis erlebte, sondern freie Fahrt im offenen Gewässer.

Der Reiseveranstalter hafte zwar eigentlich nicht für außergewöhnliche, nicht vorhersehbare Naturereignisse und Wetterverhältnisse. Etwas anderes gelte jedoch dann, wenn er durch besondere Erklärungen oder Fotos im Katalog den Reisenden in den Glauben versetzt, er könne auf der gebuchten Reise mit entsprechenden Witterungsbedingungen rechnen, so die Richter. Der Reisepreis wurde um 1500 Euro gemindert – rund 10 Prozent.

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