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Kosmetik: So wirken die Inhaltsstoffe

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Ob Lippenstift, Rasierschaum oder Zahnpasta - das Angebot an Kosmetika ist groß. Für Haut und Haare jedoch ist weniger oft mehr.

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Viele Hautprobleme sind "angepflegt". Waschaktive, schäumende Substanzen beispielsweise entfetten unsere Haut. Das entstehende Gefühl von trockener gespannter Haut wird anschließend mit einer Creme oder Lotion bekämpft.

In vielen Fällen - vor allem für Babys und Kleinkinder - reichen aber eigentlich warmes Wasser und ein reines, pflanzliches Öl zur Reinigung völlig aus. Für gesunde und schöne Haut und Haare sind in erster Linie unsere Lebensweise und unsere Ernährung entscheidend. Auch wenn die Werbung viel verspricht: Es gibt kein kosmetisches Mittel, das sichtbare Falten dauerhaft verschwinden lässt. Die Stiftung Warentest hat neun Anti-Falten-Cremes getestet: Keine konnte Falten oder Fältchen sichtbar reduzieren.

Rätselraten beim Kleingedruckten

Wer sich genauer informieren möchte, findet neben Angaben zum Verwendungszweck, zur Füllmenge, zur Lagerung und zum Hersteller die folgenden Informationen auf der Verpackung und dem Behältnis:

  • Vorsichtsmaßnahmen wie "Nicht für Kinder unter 3 Jahren anwenden", "Nicht bei gereizter Haut anwenden".
  • Haltbarkeit: Wenn diese weniger als 30 Monate beträgt, findet man den Text "mindestens haltbar bis" oder das Symbol einer Sanduhr und es muss ein Haltbarkeitsdatum angegeben werden.

 

Produkte, die länger als 30 Monate haltbar sind, werden mit dem Symbol des geöffneten Cremetopfs gekennzeichnet. Dieser gibt an, wie lange das Produkt nach dem Öffnen haltbar ist - beispielsweise 12 M (12 Monate).

Schreiben Sie auf das Etikett das Datum, an dem das Produkt zum ersten Mal geöffnet wurde.
  • Chargennummer (Zeichen zur Identifikation): Diese ist wichtig, wenn Sie ein Produkt reklamieren oder unerwünschte Wirkungen melden möchten.
  • Inhaltsstoffe "Ingredients": Unter dieser Überschrift werden die verwendeten Inhaltsstoffe nach ihrem Gewichtsanteil in abnehmender Reihenfolge aufgelistet. Die erstgenannten Inhaltsstoffe bilden also die Hauptbestandteile, die letztgenannten sind dagegen nur in geringer Menge enthalten. Bei der Auflistung werden die Namen der INCI, der internationalen Nomenklatur kosmetischer Inhaltsstoffe, verwendet. Hersteller, die über hochwertige Inhaltsstoffe informieren wollen, verstecken diese nicht schwer lesbar auf der Verpackung, sondern stellen eine zusätzliche deutsche Übersetzung der Inhaltsstoffliste zur Verfügung. Doch Vorsicht: In dieser sind oft nicht alle Inhaltsstoffe aufgeführt.

Die Kennzeichnung von Kosmetikprodukten

Sie muss unverwischbar, deutlich sichtbar und leicht lesbar sein. Die lila hinterlegten Kennzeichnungselemente sind in deutscher Sprache anzugeben.

Kosmetik Cremetiegel

Bei kleinen Artikeln wie Lippenstiften muss die Liste der Inhaltsstoffe im Geschäft nur am Regal oder Ständer angebracht sein. Wenn diese auch dort nicht zu finden ist, sollte man das Verkaufspersonal danach fragen.

Greenwashing: Pflanze drauf – Natur drin?

Wer umwelt- und gesundheitsverträgliche Mittel auswählen möchte, hat es schwer: Gerne gaukelt die Werbung Natürlichkeit mit Bildern, Farben und Begriffen vor. Tatsächlich bilden oft trotzdem chemisch-synthetische Stoffe die Hauptbestandteile im Cremetopf. Der beworbene pflanzliche Inhaltsstoff ist dagegen nur in geringer Menge enthalten.

Die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe macht selbst so etwas Bekanntes wie Mandelöl (laut INCI: Prunus amygdalus dulcis oil) zu einem Rätsel. Weil wir nicht verstehen, was wir eigentlich kaufen, bezahlen wir häufig viel Geld für schön verpackte Inhaltstoffe wie Wasser (Aqua) oder billige Paraffine aus der Erdölchemie.

Naturkosmetik

Auch bei zertifizierter Naturkosmetik, beispielsweise mit dem "BDIH-" oder "NATRUE-Label", ist nicht immer alles "reine Natur". Natürliche Rohstoffe wie pflanzliche Öle dürfen durch bestimmte chemische Reaktionen verändert werden; auch wenige chemisch hergestellte Stoffe wie einige Pigmente sind erlaubt. Inhaltsstoffe auf Erdölbasis, Silikone und PEG (Polyethylenglykole: Stoffe, die in konventionellen Kosmetikprodukten häufig als Emulgatoren bzw. Tenside eingesetzt werden) sind dagegen verboten.

Wichtige Vorteile zertifizierter Naturkosmetik:

  • Viele Problemstoffe für Umwelt und Gesundheit sind für zertifizierte Naturkosmetik verboten, so unter anderem Mikroplastikpartikel und die meisten Konservierungsstoffe. Eine Produkt-Liste und Liste der INCI-Bezeichnungen für Mikroplastik stellt der BUND zur Verfügung.
  • Ein Teil der Inhaltsstoffe stammt in der Regel aus biologischer Landwirtschaft. Hier lohnt es sich, die Liste der Inhaltsstoffe genauer anzusehen: Bestandteile, die aus Bio-Anbau stammen, sind bei den meisten Herstellern in der Liste speziell gekennzeichnet. Viele Naturkosmetiklabel unterscheiden zwischen Natur-und Biokosmetik: Für Biokosmetik schreiben sie einen höheren Anteil an biologisch erzeugten Inhaltsstoffen vor.
  • Es gelten strengere Verbote für Tierversuche als es das Gesetz vorsieht.
Allergiker sollten in jedem Fall die Inhaltsstoffe auf der Verpackung mit ihrem Allergiepass vergleichen. Auch natürliche ätherische Öle können Allergien auslösen. Daher sollten Menschen mit gereizter Haut auch bei Naturkosmetik Produkte ohne Duftstoffe bevorzugen.

Unerwünschte Wirkungen

Wenn ein Kosmetikprodukt unerwünschte Wirkungen wie Hautausschlag hervorruft, sollte eine Ärztin/ein Arzt befragt werden, um zu klären, ob das Produkt bzw. welcher Bestandteil die Ursache der Beschwerden ist. Verbraucher können unerwünschte Wirkungen eines kosmetischen Mittels auch dem Hersteller oder der Lebensmittelüberwachung melden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat dazu alle notwendigen Informationen in einer Checkliste für Verbraucher zusammengestellt.

Beispiele für Kosmetikinhaltsstoffe, die aus Sicht des Gesundheitsschutzes kritisch zu bewerten sind:

Sonnencreme, Tagescremes
  • INCI-Bezeichnung: Benzophenone-3; 4-Methylbenzylidene Camphor; 3-Benzylidene Camphor; Ethylhexyl Methoxycinnamate
  • Funktion: Lichtschutzfilter
  • Mögliche Risiken: (photo)allergische Reaktionen, z. T. hormonell wirksam, Anreicherung im Organismus, der Muttermilch und der Umwelt

 

Haarfärbemittel
  • INCI-Bezeichnung: p-Phenylenediamine; Toluene-2,5-diamine; Resorcinol
  • Funktion: Haarfarben
  • Mögliche Risiken: stark sensibilisierend, Kontakt-Allergene
Cremes, Lotionen, Lippenpflege, Lippenstifte
  • INCI-Bezeichnung: Cera Microcristallina; Microcristallina Wax; Ceresin; Mineral Oil; Ozokerite; Paraffin; Paraffinum Liquidum; Petrolatum
  • Funktion: Wachskomponente, Ölkomponente
  • Mögliche Risiken: Substanzen in Mineralöl stehen im Verdacht Krebs zu erzeugen. Ablagerungen in Lymphknoten, Leber und Milz
Cremes, Shampoo, Duschgele
  • INCI-Bezeichnung: Polyethylenglykole, erkennbar an den Namensbestandteilen "PEG" oder der Endung "–eth"
  • Funktion: Emulgatoren, Tenside
  • Mögliche Risiken: schwächen die Barrierefunktion der Haut

 

Wasserhaltige Kosmetik: Cremes, Lotionen, Duschgel, Shampoos, Rasierschäume
  • INCI-Bezeichnung: 2-Bromo-2-nitropropane-1,3-diol; 5-Bromo-5-nitro-1,3-dioxane; Diazolidinyl Urea; Imidazolidinyl Urea; Quaternium-15; DMDM-Hydantoin und Formaldehyde
  • Funktion: Konservierungsmittel (Formaldehydabspalter)
  • Mögliche Risiken: allergieauslösend, hautreizend, Formaldehyd krebserregend
Wasserhaltige Kosmetik: Cremes, Lotionen, Duschgel, Shampoos, Rasierschäume
  • INCI-Bezeichnung: Propylparaben; Butylparaben
  • Funktion: Konservierungsmittel
  • Mögliche Risiken: hormonell wirksam
Deos, Handseifen, Zahnpasta
  • INCI-Bezeichnung: Triclosan
  • Funktion: Konservierungsmittel
  • Mögliche Risiken: Bildung resistenter Bakterien, giftig für die Umwelt
Lidschatten, Lippenstifte
  • INCI-Bezeichnung: BHT, BHA
  • Funktion: Antioxidationsmittel
  • Mögliche Risiken: krebsfördernd, BHA: hormonell wirksam
Sonnencreme, dekorative Kosmetik
  • INCI-Bezeichnung: Nanopartikel erkennbar am Namenszusatz [nano]
  • Funktion: u.a. Mineralische Lichtschutzfilter, Farbpigmente
  • Mögliche Risiken: Wirkung auf Gesundheit und Umwelt nicht ausreichend untersucht
Haarpflege. Lotionen, Cremes
  • INCI-Bezeichnung: Cyclomethicone; Cyclotetrasiloxane; Cyclopentasiloxane
  • Funktion: glättend
  • Mögliche Risiken: hormonell wirksam, Anreicherung in der Umwelt
Deo
  • INCI-Bezeichnung: z. B. Aluminium Chlorohydrate; Namensbestandteil „Aluminium Zirkonium-“
  • Funktion: schweiß-hemmend
  • Mögliche Risiken: Überschreitung der tolerierbaren Aufnahme möglich, Zusammenhang mit Brustkrebs unklar
wasserhaltige Kosmetik
  • INCI-Bezeichnung: Halogenorganische Verbindungen, z.T. erkennbar an den Namensbestandteile „fluoro“, „chloro“, „bromo“ oder „iodo“
  • Funktion: u. a. Konservierungsmittel
  • Mögliche Risiken: z.T. giftig für die Umwelt, z.T. gesundheitsschädlich