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Internetanschluss zu langsam? Was Betroffene tun können

Stand:

Werbeversprechen und tatsächliche Geschwindigkeit liegen beim Internetanschluss oft weit auseinander. Die Bundesnetzagentur hat dazu Messergebnisse veröffentlicht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Internetanbieter liefern oft nur einen Bruchteil der versprochenen Maximalgeschwindigkeit.
  • Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert unkomplizierte Lösungen: Das Gesetz muss an dieser Stelle dringend nachgebessert werden.
  • Verbraucher können schon jetzt unter Umständen fristlos kündigen, wenn sie einen zu langsamen Anschluss bekommen haben.
Schnecke auf einer Tastatur

Langsamer Internetanschluss

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Wenn statt 150 Megabit pro Sekunde nur 5 ankommen: Internetanbieter werben für ihre Tarife gerne mit den schnellstmöglichen Verbindungen. "Bis zu" steht oft klein neben den beeindruckenden Zahlen. Doch gerade wer abseits der gut erschlossenen Gebiete wohnt, bekommt dann mitunter nur einen Bruchteil der Übertragungsgeschwindigkeit geliefert.

    Die Bundesnetzagentur hat im März 2017 erstmals detaillierte Messergebnisse zu den gelieferten Geschwindigkeiten in Deutschland veröffentlicht. Die Hälfte der Nutzer bei allen betrachteten Anbietern im Festnetz hat weniger als 60 Prozent der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate erreicht.
    Einige Anbieter liefern offenbar zuverlässiger das, was sie versprochen haben. Die volle Leistung (maximale Geschwindigkeit) habe es beim schlechtesten Anbieter nur für ein Prozent der Endkunden gegeben. Beim besten Anbieter waren es immerhin 35 Prozent.

    Gesetz muss nachgebessert werden

    Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert seit Langem, die Situation zu verbessern. "Das Gesetz muss an dieser Stelle dringend nachgebessert werden", sagt nun Vorstand Klaus Müller. "Verbraucher haben noch immer keine Rechtssicherheit, unkompliziert ihren Tarif zu mindern, anzupassen oder auch zu kündigen, sollten sich Anbieter nicht an ihre vertraglichen Zusagen halten."

    Wie Sie aus Verträgen wieder herauskommen können

    Bei der Verbraucherzentrale melden sich immer wieder Betroffene. Höchstrichterliche Entscheidungen gibt es zu dem Thema noch nicht, aber einige Verbraucher haben sich vor Amtsgerichten schon erfolgreich aus ihren Verträgen herausgeklagt. Verlieren Sie allerdings vor Gericht, müssen Sie die Kosten des Verfahrens tragen.
    Ist Ihr Internetanschluss wesentlich langsamer als beworben, sollten Sie den Anbieter schriftlich zum Nachbessern auffordern. Dies müssen Sie dokumentieren. Setzen Sie dem Anbieter eine Frist. Ein Zeitraum zwischen einer und zwei Wochen ist in den meisten Fällen angemessen. Ändert sich nach wiederholter Aufforderung nichts, können Sie fristlos kündigen.

    Geschwindigkeit lässt sich vorab nicht objektiv messen

    Viele Internetanbieter führen vor dem Vertragsabschluss eine Vorprüfung durch - hier müssen Sie sich als Kunde aber darauf verlassen, dass realistische Ergebnisse erfasst und Ihnen auch so mitgeteilt werden.
    Haben Sie bereits einen Vertrag abgeschlossen, können Sie die tatsächliche Geschwindigkeit des Anschlusses mit so genannten "Speed Tests" prüfen. Ein solches Angebot hat etwa die Bundesnetzagentur in Auftrag gegeben.