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Zusatzbeitrag der Krankenkasse: Sonderkündigung und Wechsel möglich

Stand:

Kommt eine gesetzliche Krankenkasse mit ihrem Geld nicht aus und muss deshalb über den Zusatzbeitrag mehr verlangen, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des Monats, in dem der neue Zusatzbeitrag gilt.
  • Sie können bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrages auch dann Ihr Sonderkündigungsrecht nutzen, wenn Sie noch keine 18 Monate bei ihrer Krankenkasse versichert sind.
  • Die Krankenkassen müssen Ihnen die Erhöhung des Beitrags und das Recht zum Wechsel rechtzeitig ankündigen.
  • Bis zum endgültigen Wechsel müssen Sie allerdings den erhöhten Beitrag zahlen.
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Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenkasse

Der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegt 2019 bei 14,6 Prozent. Zusätzlich erheben alle Krankenkassen einen Zusatzbeitrag. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt aktuell bei 0,9 Prozent.

Arbeitnehmer und Rentner zahlen seit 1.1.2019 nur noch die Hälfte des Zusatzbeitrags. Die andere Hälfte übernimmt der Arbeitgeber oder der Träger der Rentenversicherung. Freiwillig versicherte Selbstständige zahlen ihren Beitrag und damit auch den Beitragsanteil aus dem Zusatzbeitragssatz selbst.

Der Zusatzbeitrag wird bei Pflichtversicherten direkt vom Lohn abgeführt. Für Versicherte, die Arbeitslosengeld I oder II, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, übernimmt der jeweilige Träger den Zusatzbeitrag. Familienmitglieder, die über Eltern oder Ehepartner mitversichert sind, zahlen keinen Zusatzbeitrag.

Die meisten Krankenkassen unterrichten ihre Kunden zum Jahreswechsel über die Höhe des Zusatzbeitrags. Einige Kassen ändern den Beitrag aber auch im laufenden Jahr.

Kann ich bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrages die Krankenkasse wechseln?

Ja. Wenn die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

Sie können dann zu einer günstigeren Kasse wechseln. Das Sonderkündigungsrecht bei Erhöhung des Zusatzbeitrages gilt unabhängig von der Dauer Ihrer Mitgliedschaft. Sie können das Sonderkündigungsrecht auch dann ausüben, wenn Sie noch nicht 18 Monate in der Krankenkasse versichert sind.

Ausnahme: Das Sonderkündigungsrecht gilt nicht für freiwillig gesetzlich Versicherte, die einen speziellen Wahltarif zur Absicherung ihres Krankengeldes abgeschlossen haben. Sie können frühestens nach Ablauf der dreijährigen Bindungsfrist kündigen.

Muss mich die Krankenkasse über die Erhöhung des Zusatzbeitrages informieren?

Ja. Jede Kasse muss ihre Versicherten spätestens im Monat vor der erstmaligen Fälligkeit auf den erhöhten Beitrag und das Sonderkündigungsrecht aufmerksam machen.

Außerdem muss die Krankenkasse in ihrem Anschreiben auf eine Übersicht aller Zusatzbeiträge beim GKV-Spitzenverband hinweisen. Übersteigt der Zusatzbeitragssatz den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 0,9 Prozent, muss sie ihren Versicherten auch erläutern, dass es die Möglichkeit gibt, in eine günstigere Krankenkasse zu wechseln.

Wie kann ich mein Sonderkündigungsrecht ausüben?

Erhalten Sie eine schriftliche Ankündigung eines Zusatzbeitrags, können Sie bis zu dem Ende des Monats kündigen, in dem der Zusatzbeitrag erhöht wird.

Beispiel: Die Krankenkasse erhebt ab 1. Januar einen Zusatzbeitrag. Bis Ende Dezember muss sie darüber informieren. Wer dann bis zum 31. Januar kündigt, ist ab 1. April bei einer anderen Krankenkasse versichert.

Wenn Sie Ihr Sonderkündigungsrecht ausüben möchten, können Sie für die Kündigungserklärung unseren Musterbrief verwenden.

Senden Sie das Musterschreiben am Besten per Einschreiben mit Rückschein innerhalb der Kündigungsfrist an Ihre aktuelle Kasse. Von Ihrer Krankenkasse erhalten Sie innerhalb von zwei Wochen eine Kündigungsbestätigung. Wählen Sie in dieser Zeit eine neue Krankenkasse aus und stellen den Mitgliedsantrag bei Ihrer neuen Krankenkasse. Die Kündigungsbestätigung Ihrer bisherigen Krankenkasse übersenden Sie an die neue Krankenkasse. Von dieser erhalten Sie dann Ihre Mitgliedsbescheinigung und eine neue Versichertenkarte.

Möchten Sie in eine andere Kasse wechseln, sollten Sie sich nicht nur an den Kosten orientieren. In einigen Punkten bieten die gesetzlichen Kassen unterschiedliche Leistungen in ihren Satzungen zusätzlich zu den Regelleistungen an. Präventionsangebote, Angebote zu Osteopathie oder Unterschiede beim Kundenservice - wie etwa eine Geschäftsstelle vor Ort oder eine gut erreichbare Hotline - können für viele Patienten entscheidende Faktoren sein, die eine Kassenwahl mit bestimmen.

Und wenn ich beim Sonderkündigungsrecht die Frist verpasse?

Sollten Sie die Frist für das Sonderkündigungsrecht verpassen, können Sie immer noch Ihr normales Kündigungsrecht mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende in Anspruch nehmen – sofern Sie bereits 18 Monate bei Ihrer alten Kasse waren.

Kommt die Krankenkasse ihrer Hinweispflicht verspätet nach, haben Versicherte dadurch keinen Nachteil. Die Kündigung wird dann so behandelt, als wäre sie rechtzeitig erfolgt.

Muss ich den Zusatzbeitrag bis zum Wechsel bezahlen?

Versicherte, die wegen Erhöhung des Zusatzbeitrags kündigen, müssen den Zusatzbeitrag trotzdem so lange entrichten, bis die Kündigung wirksam wird.

Beispiel: Die Krankenkasse erhebt ab 1. Januar einen Zusatzbeitrag. Wer bis Ende Januar kündigt, ist ab April bei einer anderen Krankenkasse versichert. Für die Monate Januar bis März muss der Versicherte den höheren Zusatzbeitrag an seine bisherige Krankenkasse entrichten.