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Moringa

Stand:
Welchen Nutzen haben Moringa-Kapseln?
Off

Frage

Welchen Nutzen haben Moringa-Kapseln und kann die Einnahme schädlich sein?

Antwort

Fundierte wissenschaftliche Studien am Menschen, die einen besonderen gesundheitlichen Nutzen von Extrakten des Moringa-Baumes belegen, gibt es nicht. Pflanzenteile von Moringa oleifera (Merrettichbaum) werden traditionell im Nahen Osten und in afrikanischen und asiatischen Ländern für die Ernährung genutzt und sind dort auch sinnvoll. Die frischen oder getrockneten Moringablätter sind die am häufigsten genutzten Pflanzenteile. Sie weisen – wie einheimisches Obst oder Gemüse auch – hohe Gehalte an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen auf.

Beim Vergleich mit anderen nährstoffreichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse oder Milch soll Moringa laut Werbung weit vorn liegen. Dabei wird allerdings getrocknetes Pulver mit frischem Obst oder Gemüse verglichen. Die Hersteller greifen auf die Nährstoffgehalte pro 100 g Pulver zurück, obwohl die von ihnen empfohlene Verzehrsmenge nur bei etwa 10 g Moringapulver liegt. Bei Kapseln ist es eher noch weniger. Bezieht man die Nährstoffgehalte auf die von den Herstellern empfohlenen Verzehrsmengen, ist der Nährstoffgehalt nicht mehr höher als bei frischem Gemüse, Obst oder Milch. Der Vergleich hinkt also.

Hinzu kommt,  dass es im Europäischen Schnellwarnsystem RASFF relativ viele Meldungen zu Moringa-Produkten gibt, in 2021 waren es 16 europaweite Meldungen. Die Rückrufe erfolgten vor allem wegen zu hoher Mengen an Pestizid-Rückständen, darunter auch das verbotene krebserregende Ethylenoxid.

Bereits 2016 hatte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart in Untersuchungen festgestellt, dass Moringablattpulver weiterhin mit Rückständen belastet sind. 8 der 11 auf Pestizidrückstände untersuchten Proben wiesen eine oder mehrere Überschreitung(en) der gültigen Höchstmengen für Pestizide auf. Eine Probe enthielt Nikotin mit einem Gehalt, der als gesundheitsschädlich eingestuft wurde. Eine Probe, die ebenfalls als gesundheitsschädlich beurteilt wurde, enthielt Salmonellen. Das CVUA Stuttgart fasste in seinem Bericht zusammen, dass alle 14 Proben, bei denen die Kennzeichnung und Bewerbung geprüft wurde, zu beanstanden waren. Hauptsächliche Mängel waren irreführende nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben. In weiteren Untersuchungen des CVUA im Jahr 2017 und 2018 wurden die Gehalte an Perchlorat in Erzeugnissen aus Moringa untersucht. Hier lagen 6 von 10 Proben über dem zur Diskussion stehenden Höchstwert. Erschreckend, dass sich auch fünf Jahre später noch keine wirkliche Besserung der Lage zeigt.

Außerdem fällt Moringapulver (wie auch andere Blattpulver) immer wieder durch bakterielle Belastungen beispielsweise mit Salmonellen auf.

Vorsicht ist auch bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten (Immunmodulatoren, Antihormontherapie) geboten, da es hier zu Wechselwirkungen kommen kann. Besprechen Sie daher die Verwendung vorher unbedingt mit Ärztin oder Arzt.

 

Weiterführende Informationen:

Superfood: Hype um Früchte und Samen

Krankmachende Bakterien in getrockneten Blatt- und Grasprodukten