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"dürfen die das?" Podcast – Staffel 2: K.I. dir trauen? (3/4)

Stand:
Ging es jahrzehntelang beim Onlineshopping hauptsächlich um Preise, Qualität und einen verlässlichen Kundenservice, gewinnt der Faktor Bequemlichkeit mit dem Einzug generativer künstlicher Intelligenz in das digitale Einkaufserlebnis stark an Bedeutung. Und ist die KI nicht die beste Kaufberaterin?
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Vom perfekten Produktfoto über die Kaufempfehlung bis zur Zahlung – die KI redet mit!

Für junge - und jung gebliebene - Verbraucher:innen ist "Frag doch ChatGPT!" das neue "Google das mal!" Und das aus gutem Grund, denn sog. LLMs (Large Language Models) übernehmen die für uns oft mühsame Arbeit, aus Online-Suchergebnissen das beste Resultat herauszusuchen und spricht dabei auch noch in ausdrücklich höflichem Ton mit uns. Aber egal, ob GPT, Gemini, Claude oder Grok: Der Verbleib und die Verwendung unserer Daten, die wir im Dialog mit Chatbots preisgeben, ist selbst für Kenner:innen der Materie oft unklar. Wir sprechen über die Chancen und Risiken für Verbraucher:innen, die beim Onlineshopping auf KI setzen.

Diesmal mit den Expertinnen Prof. Dr. Monika Imschloß (FernUni Hagen), Aline Blankertz (Rebalance Now) und Dr. Julia Gerhards (Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz). Der Podcast wird moderiert und produziert von Patrick Lohmeier im Auftrag der Verbraucherzentrale Berlin.

dürfen die das? wird gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.

Wir freuen uns über Lob, Kritik und Themenwünsche per E-Mail an podcast@vz-bln.de. Weitere Informationen zum Podcast und alle Episoden finden Sie unter verbraucherzentrale.de/dddpodcast.

 

Links & Quellen:



 

Ganze Folge zum Nachlesen

Hier klicken, um das Transkript zu öffnen...

Patrick Lohmeier [0:03]

Welche Rolle spielt KI bei der Erstellung solcher Inhalte? Also insbesondere Inhalte, die eben zum Konsumieren anregen wollen oder einfacher gesagt, die irgendwas verkaufen wollen?

Aline Blankertz [0:13]

Also generative KI macht es sehr viel einfacher, Inhalte zu erstellen und sie erlauben es dann auch denjenigen, die diese Inhalte erstellen, so diese visuelle und hörbare Stimulation zu erhöhen. Also es wird einfach noch mehr auf Gefallen ausgerichtet. Und KI ermöglicht auch nochmal eine stärkere Personalisierung. Also zum Beispiel kann dann die Werbung danach angepasst sein, je nachdem, wo die Person wohnt. Also wenn wir jetzt mal an eine Autowerbung denken, dann kann das Auto am See entlangfahren und dann, wenn man aber eher in den Bergen wohnt, dann bekommt man halt eher eine solche Strecke angezeigt oder vielleicht auch noch besser für ein Fahrrad. Also es erlaubt viel mehr Personalisierung und führt dadurch aber eben halt auch zu dieser starken Fragmentierung, weil es eigentlich keine gemeinsamen Inhalte mehr gibt. Also ich kann überhaupt nicht mehr davon ausgehen, dass, weil ich was gesehen habe, du das auch gesehen hast. Oder ob Freund:innen das gesehen haben. Wir bekommen dann wahrscheinlich alle was anderes angezeigt, je mehr generative KI mit reinspielt in die Feeds.

Patrick Lohmeier [1:27]

Stichwort individualisierte Inhalte durch generative KI. Ich habe da noch ein bisschen Berührungsängste mit, weil mein einziger Kontakt sind in dem Bereich - oder mein überwiegender Kontakt - eben diese YouTube-Videos, die jetzt seit ein paar Monaten aufschlagen, die eben deutsche Stimmen enthalten, die quasi synchronisiert sind von der KI. Und ich fühle mich da wie mitten in diesem Uncanny Valley. Also ich bin dann irgendwo an so einem Ort, an dem ich merke, dass irgendwas nicht damit in Ordnung, was mir komplett den Spaß, die Lust daran verleidet, das irgendwie weiterzugucken. Also entweder schalte ich auf die Originaltonspur oder klicke weg. Ich befürchte aber fast, wenn ich dich so reden höre oder auch andere Menschen über TikTok, gerade jüngere Menschen, das scheint gar nicht so zu stören. Eine Generation, die eben schon damit aufwächst, dass alles artifiziell ist, dass alles irgendwie unecht ist. Kann das sein, dass man da einfach weniger Berührungsängste hat und nicht so ein Oldschool-Typ ist wie ich, der dann sagt, ja, das sieht mir fake aus, ich klicke mal lieber weg?

Aline Blankertz [2:31]

Ich würde auch deine Vermutung teilen, dass wir da noch...

Patrick Lohmeier [2:36]

Weil ich habe diese KI-Influencer auch gesehen und die sehen super creepy aus. Also ich gucke mir das an als alter Mann und denke mir so "Uh, und weg damit!"

[CLIP]

Aline Blankertz [2:51]

Aber du kannst das halt noch unterscheiden. Also du hast lange genug was anderes kennengelernt. Und wenn Menschen jetzt einfach daran gewöhnt werden, dass das halt das Normale ist, dann sehe ich keinen Grund, warum man dann sagen würde, oh, mir ist aber Authentizität so viel wichtiger. Also es macht ja zum Beispiel auch OpenAI gerade eine große Initiative, ein Produkt, was sie auf den Markt gebracht haben, bei dem nur noch KI-generierte Videos mit Avataren von echten Menschen dort zu sehen sind. Und offensichtlich gibt es zumindest ein paar Menschen, die das interessant genug finden. Natürlich ist es auch möglich, dass das irgendwann nochmal einen Backlash gibt und dass Menschen sagen, nee, irgendwie finden wir das zu einsam, die ganze Zeit vor unserem Endgerät zu sitzen und durch die Gegend zu scrollen und irgendwie wollen wir doch nochmal was ganz anders machen. Aber jetzt gerade geht die Tendenz auf jeden Fall in die Richtung, dass wir mehr an diese gleichförmigen Inhalte gewöhnt werden, die eben künstlich sind, nicht nach unserem Verständnis authentisch. Und da ist auch gerade noch keine Trendwende absehbar.

Patrick Lohmeier [4:15]

Das war doch einmal Aline Blankertz von Rebalance Now. Und ich bin ihr dankbar. Nicht nur für ihre schlaue Einschätzung zur Relevanz von KI-Inhalten in der heutigen und künftigen Medienlandschaft, sondern auch für ihr Verständnis dafür, dass mich KI-Bilder und Stimmen trotz ihrer stetig besser werdenden Qualität noch immer oft irritieren oder gar beunruhigen. 

[CLIP] 

Klingt nicht gut, oder? Ich musste doch nicht mal lange danach suchen. Das war im Grunde das erste YouTube-Video, das mir begegnete, als ich nach einem solchen mit automatisierter Übersetzung suchte.

Patrick Lohmeier [5:08]

Aber Gegenfrage: Spielt das überhaupt eine Rolle, ob es gut klingt? Basiert nicht der Erfolg von YouTube, Instagram, TikTok und Konsorten zu einem großen Teil auf dieser vermeintlichen Authentizität, diesem Mangel an Perfektionismus und auf der Vertrauenswürdigkeit der Creator, die dort Videos veröffentlichen? Also Menschen wie du und ich oder auch gerne mal Menschen mit Millionen Followern und dicken Werbeverträgen und eigenen Online-Shops, die so tun, als seien sie Menschen wie du und ich?

Patrick Lohmeier [5:38]

Von daher steile These, bevor ich mir von einer Fachfrau erklären lasse, wo KI-Inhalte unseren Online-Konsum jetzt und in Zukunft prägen: Solche klassisch-konservativen Qualitätskriterien wie "Ist das ein echter Mensch, den wir da sehen, oder wurde dessen Stimme durch eine Software generiert?" oder "Spricht da wirklich ein professioneller Sprecher?", die haben zunehmend weniger Relevanz in einer Online-Welt, die bei TikTok und vergleichbaren Plattformen hauptsächlich von kurzlebigen, schnell konsumierbaren und hundertprozentig auf unser Nutzerprofil zugeschnittenen Inhalten dominiert wird.

Patrick Lohmeier [6:18]

Problematisch, zumindest hier im Kontext des Verbraucherschutzes, wird es dann, wenn große Tech-Konzerne auf diesem Wege an unser Geld wollen und unsere Gehirne durch die Allgegenwärtigkeit künstlicher Bilder so neu verdrahtet wurden, und davon sprach ja auch Aline Blankertz, dass wir das gar nicht mehr bemerken. Aber hey, das soll es auch gewesen sein mit dem Mahnen und Warnen. Zumindest für den Augenblick. Denn meine erste Gesprächspartnerin heute hat einen sehr viel kundigeren und differenzierteren Blick darauf, was künstliche Intelligenz, also KI im Online-Shopping, für uns Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet. Sie hören unsere Reihe "Lebst du noch oder shoppst du schon?" bei DÜRFEN DIE DAS? Und unsere heutige Folge trägt den Titel "KI dir trauen?" Mein Name ist Patrick Lohmeier von der Verbraucherzentrale Berlin und ich freue mich, dass Sie dabei sind. 

Prof. Dr. Monika Imschloß [7:26]

Ich bin Professorin für Markt- und Konsumverhalten an der Fernuniversität in Hagen und untersuche dort schwerpunktmäßig eben, wie wir Kauf- und Konsumentscheidungen treffen. Und das vor allem im Kontext von Nachhaltigkeit, von Digitalisierung, aber auch im Kontext von multisensorischem Marketing.

Patrick Lohmeier [7:43]

Wo begegnet uns denn dieser Tage schon die generative künstliche Intelligenz bei unseren Shoppingunternehmungen im Internet? 

Prof. Dr. Monika Imschloß [7:51]

Das ist natürlich ein hochgradig aktuelles und auch dynamisches Thema. Das heißt, schon allein in dem Moment, wo ich das jetzt wahrscheinlich ausspreche, haben wir morgen oder übermorgen schon wieder neue Möglichkeiten. Wenn wir uns mal auf das fokussieren, was wir haben, wo wir vielleicht auch erkennen können aus einfacher konsumierenden Sicht, sind das natürlich Interaktionsmöglichkeiten. Das heißt, wir haben heutzutage schon häufig die Möglichkeit, wenn wir zum Beispiel im Onlinehandel unterwegs sind, dass wir uns von einem Chatbot beraten lassen. Ja, das sind meistens so diese Icons, die rechts unten auf der Seite sind. Wenn man draufklickt, geht dann eine Sprechblase auf und man findet sich dann quasi in einem Chat mit einer künstlichen Intelligenz wieder, die dann mehr oder weniger hilfreich versucht, das Anliegen, mit welchen wir an das Unternehmen herangetreten sind, quasi zu lösen. Das heißt, wir begegnen KI in der Form der Kommunikation, in der direkten Kommunikation, aber natürlich auch in der Kommunikation, die Unternehmen an uns herantragen. Das bedeutet zum Beispiel, wenn es um das Ausspielen von Werbeanzeigen oder Inhalten geht. Diese sind natürlich auch schon häufig anhand von Algorithmen hinterlegt. Das heißt vielleicht nicht unbedingt generative künstliche Intelligenz, aber doch eine algorithmische Intelligenz, die dahinter liegt und versucht, die optimale Werbung zum optimalen Zeitpunkt an die entsprechenden Segmente auszusteuern. 

[CLIP]

Prof. Dr. Monika Imschloß [9:44]

Ein anderer Weg, wie wir vielleicht damit konfrontiert werden, aber es vielleicht auch gar nicht immer wissen, sind dann die Darstellungen von Produkten oder auch die Darstellungen von Werbebildern. Ja, heutzutage, und da sind wir jetzt bei der generativen KI, werden viele Bildmaterialien mithilfe von künstlicher Intelligenz erstellt. Wir hatten da Anfangsschwierigkeiten. Die meisten von Ihnen haben das vielleicht mitbekommen. Da waren mal fünf Finger an den Händen, dann hat das nicht gepasst. Aber die Tools haben sich ja so schnell entwickelt, dass wir heutzutage auf einem Level sind, wo doch schon relativ gute Bildmaterialien durch generative KI erstellt werden können. Und das wird natürlich genutzt für die Erstellung von Werbebildern, gegebenenfalls auch für die Darstellung der Produkte auf den Seiten von Online-Händlern. Speziell im Bereich Mode gibt es da den Einsatzbereich, dass man mit künstlicher Intelligenz zum Beispiel Models darstellt.

Prof. Dr. Monika Imschloß [10:34]

Vielleicht mit dem Ansatz, eine stärkere inklusive Darstellung zu gewähren. Oder auch einfach, weil es vielleicht kostensparend ist. Wenn man ein Shooting auf Ibiza machen müsste im Vergleich dazu, dass man schnell Bildmaterial von zum Beispiel Bikini-Produkten durch generative KI entwickelt, ist das natürlich kostengünstiger in den meisten Fällen. Das heißt, auch da haben wir schon einen Trend hin zu visuellen Marketingmaterial, was mit generativer KI erstellt wird. Das lässt sich dann natürlich weiter fortsetzen in Videos. Auch da werden die KI-Tools immer weiter entwickelt und handlungsfähiger, dass sie quasi schöne Produktvideos erstellen, Produktsounds abbilden können oder zum Beispiel auch das Produkt in verschiedenen Kontexten abbilden kann. Wenn Sie sich vorstellen, Sie möchten jetzt einen Koffer kaufen.

Prof. Dr. Monika Imschloß [11:24]

Manche sind vielleicht an Fußball interessiert, dann wird dieser Koffer vielleicht im Kontext von jubelnden Fans am Flughafen abgebildet, Während wenn eine andere Person eher an Mode interessiert ist, vielleicht der Koffer im Rahmen von einer Modenshow in Mailand präsentiert wird. Das heißt, man kann kontextspezifische Informationen, die man vielleicht durch die Daten, die wir im Netz hinterlassen, gewinnen kann, auch entsprechend durch generative KI integrieren in die Ausstrahlung von Werbebildern.

Patrick Lohmeier [11:57]

Sie sagen ja selber, es ist schwierig, darüber zu sprechen, nur um dann vier bis acht Wochen später feststellen zu müssen, dass einige der Aussagen, die man schon getätigt hat, jetzt darüber obsolet sind, weil einfach die Entwicklung so schnell ist, so rasant in dem Bereich. Aber Stand jetzt, Ende 2025, meinen Sie schon, dass diese Bilder, aber eben auch Bewegtbilder, also Videos, so gut sind, dass die von echten fotografischen Aufnahmen nicht zu unterscheiden sind? Oder sind wir auch als Konsumentinnen, als Konsumenten auf dem Wege dahin, uns mehr und mehr an diese Bilder zu gewöhnen, dass wir eben sagen "Ja, sieht so 98%ig aus wie das echte Leben, aber eben nicht ganz, aber sei's drum!" 

Prof. Dr. Monika Imschloß [12:39]

Ich finde das total schwierig, also aus eigener Perspektive, wenn man Bilder anschaut, zu beurteilen, ob das jetzt KI ist oder menschengemacht. Also es fehlen einfach auch Erkenntnisse vielleicht, worauf man konkret achten sollte. Also natürlich kennen wir diese ganz einfachen Identifikationen. Da ist ein Finger zu viel, da ist ein Bein zu viel. Wir haben vielleicht alle mitbekommen von einem Schweizer Unternehmen, wo das Adventsmotiv, das Rentier auf einmal fünf Pfoten oder Beine hat und damit natürlich ein Unikat darstellt, was wahrscheinlich irgendwie in ein paar Jahren auch entsprechend gehandelt wird. Es gibt offensichtliche Zeichen, dass etwas KI generiert ist. Es gibt auch eine Diskussion, ob Händler das proaktiv als solches kennzeichnen sollen. Auch da haben wir ja noch keine Einigung erzielt, wie es gekennzeichnet wird. Also ist das ein kleiner Vermerk, der vielleicht hinten auf Seite 5 irgendwo steht, wenn ich mich durchklicke? Steht das direkt mit auf dem Bild drauf? Wie erfahre ich als Konsumierende davon, dass dieses Bild, was ich gerade anschaue, KI-generiert ist? 

Prof. Dr. Monika Imschloß [13:48]

Die andere Frage ist, die ich mir dann stellen muss als Konsumierende: "Interessiert mich das?" Was würde das denn mit mir machen, wenn ich jetzt weiß, dass dieses Bild KI-generiert ist? Was würde das denn konkret verändern? Was würde ich dann darin anderes sehen? Auch das sind Fragen, wo wir aktuell in der Forschung noch nicht so wirklich Antworten darauf haben.

Prof. Dr. Monika Imschloß [14:11]

Ein anderer Bereich ist natürlich auch die zentrale Fragestellung, wie nutze ich als Verbraucherin oder als Verbraucher, wie nutze ich denn eigentlich KI, um zum Beispiel meine Kaufentscheidungen zu treffen? Auch da sehen wir, wenn wir aktuelle Studien anschauen, keine wissenschaftlichen Studien, aber eben Studien von zum Beispiel Marktforschungsberatungen oder anderen Firmen, dass wir eine Verlagerung des Suchverhaltens schon feststellen können. Gerade in den jüngeren Zielgruppen findet man eine Verlagerung von einer Google-Suche. Das ist ja so der Klassiker, wenn ich jetzt ein Produkt suche, dann gehe ich zu Google und tippe das da ein, hin zu Large-Language-Modellen, wie zum Beispiel ChatGPT. Es wird eben nicht mehr nach dem neuen Telefon bei Google gesucht, sondern man geht zu ChatGPT und sagt "Ich hätte gerne ein neues Telefon, es sollte die und die Größe haben, die Farbe, den und den Preis." Das heißt, wir beobachten hier, dass sich unser Suchverhalten zum einen verlagert, auf andere Maschinen. Aber mit dieser Verlagerung gehen natürlich auch bestimmte Veränderungen in unserem eigenen Verhalten einher.

Prof. Dr. Monika Imschloß [15:17]

Wenn man sich jetzt vorstellt, man sucht nach einem Mantel auf Google, dann gebe ich da ein, dass ich einen Mantel suche. Dann kriege ich von Google Suchvorschläge, verschiedene Bilder. Wir kennen das, das ist oben diese Kaufleisten meistens und darunter dann die ersten Angebote, die dafür bezahlt haben im Rahmen von sogenannten Search Engine Advertisements, wo die Suchworte dann klassifiziert werden und die Unternehmen dafür bezahlen, dass sie als erstes ausgespielt werden bei Google. Wenn ich jetzt bei ChatGPT suche, dann fange ich vielleicht an und schreibe als erstes "Ich suche einen Mantel", aber dann wird mir ChatGPT Rückfragen stellen.

Prof. Dr. Monika Imschloß [15:49]

"Was ist dir denn wichtig bei diesem Mantel? Sollt ihr Knöpfe haben, einen Reißverschluss, wie lang soll der sein, welche Farbe soll der haben?" Und dann begebe ich mich in ein Gespräch, in eine Konversation mit dieser künstlichen Intelligenz. Erzähle ihr oder ihm dann, was ich denn gerne für ein Produkt hätte. Und daraufhin geht diese KI quasi wie mein persönlicher Assistent in das World Wide Web und kommt mit Suchergebnissen zurück, die er mir dann präsentiert. Das ist natürlich eine gravierende Veränderung. Das kann man noch weiter denken, zum Beispiel.

Prof. Dr. Monika Imschloß [16:19]

Wenn ich jetzt eine Brille suche, dann kann ich ja zum Beispiel hergehen und kann meiner künstlichen Intelligenz, bleiben wir mal bei ChatGPT, weil es so schön einfach ist und weil wir das meistens kennen, könnte ich doch zum Beispiel ein Foto von meinem Gesicht geben und sagen, "Bitte suche eine Brille, die zu meiner Gesichtsform passt." Muss ich doch nicht selber hergehen und mir jetzt irgendwie erstmal 50 verschiedene Brillen anschauen, dann am besten noch irgendwie gucken, wie könnte diese Brille an mir aussehen, indem ich dann vielleicht solche virtuellen Spiegel verwende, die ja manche Brillenanbieter auch online schon integriert haben, sondern ChatGPT wird basierend auf meinem Foto von meinem Gesicht mir dann hoffentlich die beste Brille aussuchen. Das ist natürlich, wenn man das jetzt mal weiterdenkt, wenn das so sich durchsetzt. Und wir sehen ja die ersten Verlagerungen, die sind natürlich nur erstmal eine Tendenz. Das heißt, wir haben ja immer noch ein stark ausgeprägtes Suchverhalten, was über normale Suchmaschinen funktioniert. Ja, aber wenn wir jetzt stärker und mit mehr Jahren oder Monaten vielleicht auch nur an Erfahrung mit ChatGPT interagieren, dann kann es doch sein, dass unser eigenes Suchverhalten komplett anders ist am Ende, als wir es eigentlich aktuell haben. Ja, dass wir lernen, viel zielgerichteter zu suchen. Je besser ich der KI sage, was ich will, umso besser wird der Vorschlag sein, umso mehr Inspiration geht aber auch verloren.

Prof. Dr. Monika Imschloß [17:43]

Also es ist natürlich auch ein Vorteil, wenn zum Beispiel durch die wiederholte Interaktion mit unseren KI-Assistenten wie ChatGPT, wenn die zum Beispiel in der Lage sind, sehr akkurat zum Beispiel vorherzusagen, welche Größen uns bei bestimmten Marken passen. Also alleine, was wir dann vielleicht für Retourenquoten reduzieren können, das ist, glaube ich, auch nicht zu unterschätzen, weil das ja doch noch ein zentrales Problem auch vom Online-Handel ist, dass sehr hohe Retouren häufig vorliegen. 

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Patrick Lohmeier [18:41]

Klingt ehrlich gesagt für mich nach einem traumhaften Shopping-Erlebnis. Wenn ich mich jetzt nicht mehr auf den, sage ich mal, bleiben wir beim Beispiel der Brille, auf den Geschmack der Brillenverkäuferin oder des Brillenverkäufers, der höchstwahrscheinlich nicht mein eigener ist, verlassen muss, sondern auf ein Large Language Model, das, weil ich vielleicht bei dem Anbieter schon seit fünf oder zehn oder 20 Jahren einen Account habe und der meine Vorlieben kennt, vielleicht auch mein Äußeres, mich da relativ gut darauf verlassen kann, dass eben mir diese Software etwas empfiehlt, was mir schon stehen wird, was mir passen wird. Also eigentlich eine Win-Win-Win-Situation für alle - außer dem klassischen Handel. Trotzdem jetzt beim Blick auf diese Large Language Models als Shoppinghilfe oder als Verkaufspersonal der neuen Generation. Hat das auch irgendwelche Nachteile, irgendwelche Schattenseiten?

Prof. Dr. Monika Imschloß [19:27]

Auf der Nachteilsseite, wenn man sich jetzt auch die weiteren Entwicklungen anschaut: Aktuell ist es ja vielleicht so, dass ChatGPT einfach wirklich versucht, das Beste aus dem Internet herauszusuchen und mir das dann vorzuschlagen. Es gibt aber natürlich dann auch Interessen von ChatGPT, damit Geld zu machen. Das bedeutet, wir wissen am Ende nicht mehr, was der Algorithmus ist, der dahinter liegt, warum uns genau ein bestimmtes Produkt dann auch vorgeschlagen wird. Das kann daran liegen, dass zum Beispiel diese Firma an OpenAI Geld bezahlt, dass da ein monetäres Modell dahinter steckt, ein Geschäftsmodell. Und dass ähnlich dann funktioniert, wie wir es jetzt auch mit Suchmaschinenmarketing haben, dass man da eben auch dafür bezahlt. Das kann natürlich in ChatGPT auf absehbare Zeit auch noch kommen. Ich glaube, es gibt auch schon aktuell die ersten Ansätze, wo Firmen sich dort auch professionell in den Account holen können. Wenn wir dann noch weiter denken, aktuell ist es ja so, dass wir immer noch den Kaufprozess selber tätigen.

Prof. Dr. Monika Imschloß [20:28]

Auch da gibt es ja schon neue Entwicklungen, dass wir zum Beispiel in der Zusammenarbeit von OpenAI und Stripe, einem Zahlungsanbieter, sehen, dass man zum Beispiel in ChatGPT direkt auf einen Kauf-Button klicken kann und dann, aktuell wird man noch weitergeleitet auf die Anbieter-Webseite, dort dann den Kauf abschießen kann. Ja, das heißt, wenn sich das noch weiter entwickelt für uns als Konsumierende, dass wir vielleicht irgendwann direkt in ChatGPT die Kaufentscheidung treffen können, beziehungsweise vielleicht nicht mal mehr wir die Kaufentscheidung treffen, sondern wir gelernt haben, dass ChatGPT ja zumindest für manche Produktkategorien eigenständig auf unser Geheiß hin einkaufen gehen kann, wenn unsere Kreditkartendaten zum Beispiel hinterlegt sind. Das sind Zukunftsszenarien, das sind aktuell noch Gedankenspiele.

Patrick Lohmeier [21:21]

Ja, aber doch naheliegend, wenn man bedenkt, dass viele Menschen jetzt schon dieser Tage, und ich spreche da durchaus auch über Menschen, die sich in meinem unmittelbaren Bekanntenkreis auch befinden, ihren kompletten Urlaub planen lassen von Large Language Models. Oder es eben auch diverse Leute gibt, die ihre Smart Home Devices so eingerichtet haben, dass sie darüber Bestellungen vornehmen können. Im Sinne von "Alexa, ich brauche einen neuen DIN A4-Block, bestell mal fünf davon!" Also das sind jetzt natürlich nur subjektive Einzelbeispiele, jetzt nicht in irgendeiner Form repräsentativ, aber es zeigt mir zumindest, also lässt mich ahnen, dass dafür in der Bevölkerung unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine große Bereitschaft dazu besteht, sowas in Zukunft auch zu nutzen. Also sagen wir mal ChatGPT oder einem anderen Anbieter als OpenAI die Kreditkartendaten anzuvertrauen, zu sagen "Du wirst schon wissen, was ich brauche. Du weißt, ich brauche alle sechs Monate einen Halbjahresvorrat Katzenfutter, mach du das mal!"

Prof. Dr. Monika Imschloß [22:14]

Natürlich. Also wenn es was gibt, was unser Kauf- und Konsumverhalten so stark beeinflusst wie kaum was anderes, dann ist das neben Preis meistens einfach Convenience [Bequemlichkeit]. Es ist bequem. Also das ist etwas, wo wir alle sehr dankbar sind, wenn uns jemand irgendwas abnimmt, was eigentlich für uns selber langweilig ist, unbequem oder mit Zeitaufwand verbunden ist. Und genau da werden sich solche Modelle dann natürlich höchstwahrscheinlich durchsetzen.

Patrick Lohmeier [22:42]

Ja, ich glaube, deswegen sind auch diese tausendfach kopierten Alexa-Gags hier, die man überall online findet, so populär.

[CLIP]

Patrick Lohmeier [22:59]

Was steckt psychologisch dahinter, dass wir solchen Large-Language-Modellen, also der KI, da sehr viel anvertrauen und diese vielleicht, also einige von uns zumindest, diese gar nicht mehr so sehr als Online-Plattform oder Shopping-Plattform wahrnehmen, sondern tatsächlich ein parasoziales Verhältnis mit ihr eingehen? Im Sinne von "Ja, das ist sowas wie mein bester Kumpel, meine beste Freundin und der vertraue ich eben meine Daten an und vielleicht sogar in letzter Konsequenz meine Kaufentscheidungen."

Prof. Dr. Monika Imschloß [23:29]

Ich wünschte, ich hätte die Antworten darauf. Ich kann aber meine Vorstellung dazu teilen. Es gibt einen bestimmten Bereich, wo man davon spricht, dass es sogenannte AI-Companions sind. Das heißt, da wird die künstliche Intelligenz quasi zu einer Art Buddy, zu einem Freund. Und Menschen fangen auch wirkliche Beziehungen mit einer künstlichen Intelligenz an. Man verliebt sich, man denkt, man ist in einer Partnerschaft, um das ins ganze Extrem auch zu bringen. Das ist eine Seite des Kontinuums. Auf der anderen Seite des Kontinuums gibt es aber sicherlich auch individuelle Nutzerinnen und Nutzer von KI, die das nur für bestimmte Aufgaben in Betracht ziehen. Das heißt, wir sind aktuell in einem Zustand, wo wir einfach ein unfassbares Spektrum haben an verschiedenen Beziehungsformen, die Menschen mit KI haben. Zum einen quasi die Fast-Ehe, wo man seine persönlichen Probleme und Emotionen mit KI teilt. Und auf der anderen Seite diejenigen, die das vielleicht nur schnell nutzen, weil sie sich was Kurzes übersetzen lassen möchten auf eine einfache Art und Weise. Das ist das Spannungsfeld ... oder nicht das Spannungsfeld: Das ist die Welt, wie wir sie einfach gerade haben. Sehr divers.

Patrick Lohmeier [24:55]

Wow, das war eine ganze Menge. Und auch, wenn wir noch nicht auf alles eine Antwort haben, was die KI-Shopping-Zukunft betrifft, so hat zumindest Professorin Monika Imschloß schon einige Dinge sehr, sehr eindeutig formuliert. Nicht zuletzt die Tatsache, dass das Thema Large Language Models, also künstliche generative Intelligenz, maßgeblich unseren Online-Konsum beeinflussen wird. Und ehrlich gesagt, mein erster Impuls ist bei sowas immer "Ich muss mit meiner Kollegin Julia Gerhards darüber reden." Und warum auch nicht? Das habe ich dann eben auch getan.

... eine technische Möglichkeit zu schaffen, in ChatGPT direkt Kaufvorgänge zu tätigen. Also zu sagen, welches Produkt empfiehlst du mir hier und dafür? Der und der Anlass, ich brauche mal Schickes anzuziehen. Dann spuckt mir ChatGPT Antwort aus und über Stripe, über diesen Zahlungsdienstleister, werde ich dann vermittelt an den Shop, mit dem die wiederum einen Vertrag haben, also das andere Unternehmen, und kann bei denen das dann einkaufen, beispielhaft.

Dr. Julia Gerhards [26:06]

Ja, also es wäre weltfremd, nicht darüber zu reden, Denn ganz ehrlich, wenn es gut funktioniert, dann wäre das ja großartig. Also vor allem, wenn ich überlege, mir eine neue Waschmaschine zu kaufen, dann sage ich hier, find doch erst mal heraus, was ist mein Bedarf? Stell mir doch einfach mal ein paar Fragen, dass ich das gut einschätzen kann. Find mir dann heraus, was sind denn da die Besten? Und dann recherchiere mir doch noch die Preise irgendwie dazu und mache das einfach alles im Hintergrund. Wirf mir danach einfach das für mich beste Ergebnis aus. Diese ganzen Suchkosten, von denen wir eben gesprochen haben, dass es eben immer weniger gemacht wird, das könnte ich dann auch bei Alltagsgegenständen machen, weil ich ja viel weniger Aufwand irgendwie damit hätte. Das Problem ist natürlich: Dann weiß ich eben noch viel weniger als jetzt. Warum wird mir eigentlich welches Ergebnis ausgespuckt und ist das neutral? Vermutlich nicht, sondern es wird eben meine Kaufbereitschaft und meine Preisbereitschaft ganz genau abgefischt. Und ja, wenn ich wirklich Herrschaft darüber haben will, dann müsste ich mir ja immer die Mühe machen, selber auch nochmal nachzugucken. Dann ist es nicht mehr so interessant. Also wenn ich dann danach die Arbeit wieder machen muss, weil ich prüfen muss, was mir die KI irgendwie auswirft und ob das wirklich das Richtige für mich ist, dann wird es ad absurdum geführt. 

Dr. Julia Gerhards [27:39]

Wir sehen hier, dass es schon allererste Ansätze dafür gibt. Also es gibt ja schon so KI-gestützte Reisebuchung oder zumindest Reiseplanung, ganz genau. Und da werden ja sofort, mein Augenmerk wird auf bestimmte Dinge irgendwie gelenkt und anderes wird komplett hinten runterfallen. Und wir werden ja überhaupt nicht durchschauen können, warum wird jetzt irgendwas in eine bestimmte Richtung gelenkt? Was steckt dahinter? Also da werden wir es ganz, ganz schwer haben, das ganze Universum zu sehen. Also vor allem, wenn wir im Bereich Planung sind. Also wenn ich als allererstes nur mal sage "Mach mir doch ein paar Vorschläge. Ich möchte gerne in den Süden. Es soll warm sein, aber nicht zu heiß."

Dr. Julia Gerhards [28:30]

"Ich möchte irgendwie in der Nähe vom Meer sein und so ein bisschen ansprechendes kulturelles Angebot. Wo könnte ich denn da hinfahren?" Das wird ja das sein, was ich jetzt im Reisebüro frage. Das wird das sein, was ich die KI frage, unter anderem. Und dann wird die mir die zehn most instagramable Spots irgendwie raussuchen, weil sie weiß, dass dann da alle immer hinfahren. Also das wird, glaube ich, richtig krass, wenn das stärker um sich greift, weil dann einfach solche Massen von Leuten mit den immer gleichen Infos versorgt werden. Also gut, vielleicht wird es dann auch wieder die Gegenbewegung geben und dann wird es genügend Leute geben, die sagen, "Ich bin auf der Suche nach Geheimtipps, sagt mir eben gerade nicht, wo alle hinfahren, wo fährt denn keiner hin irgendwie?" Aber ja, ich werde keinerlei Ahnung haben, wie kommt diese Antwort eigentlich zustande, was ist in die Antwort eingeflossen und was nicht? Und schon jetzt, also vielleicht werden die Modelle besser, wahrscheinlich werden sie besser. Ich sehe jetzt bei manchen Fragen, dass ich vor allem zurückbekomme, was ich reingebe.

Dr. Julia Gerhards [29:44]

Die KI ist immer darauf angewiesen, logischerweise, auf die Informationen, die vorhanden sind. Welche Informationen sind zu Produkten oder Reisen irgendwie vorhanden? Das sind Bewertungen und das sind vor allem die Anbieter selbst. Und das wird ja das Gros der Informationsbasis sein, aus der überhaupt was gezogen werden kann. Wie kritisch kann das sein? Wie gut kann das die Wirklichkeit irgendwie abbilden? Ja, ich glaube, das wird dann eine sehr anbieterseitige Darstellung sein.

Patrick Lohmeier [30:18]

Das ist nämlich auch meine Frage. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, solche Prozesse, zu denen es ja kommen wird, die teilweise jetzt schon am Laufen sind, und das sind ja auch durchaus - ich würde mal sagen - attraktive Angebote für uns als Konsumentinnen und Konsumenten ... gibt es auch eine Möglichkeit, die verbraucherfreundlich zu gestalten, wenn dahinter immer eindeutige wirtschaftliche Interessen stehen? Und natürlich auch ein eingeschränkter Angebotsumfang. Weil natürlich, sobald ein ein Dienstleister kooperiert mit einem Anbieter wie OpenAI und sagt, ChatGPT soll mir Konsumvorschläge bereiten, dann wird er die natürlich nur bereiten für andere Dienstleister, mit denen der E-Commerce-Dienstleister auch irgendwie einen Vertrag hat und nicht sagen "Geh doch zu einem Dritten oder am besten noch zu irgendeinem völlig unabhängigen Non-Profit-Anbieter und buch dort oder kauf dort!" Wahrscheinlich nicht. Weil meine Wahrnehmung ist ja immer so: Das Schöne an der KI ist, die ist unbefangen. Die speist im besten Falle ihre Informationen aus seriösen Quellen und hat keine Agenda, was natürlich Quatsch ist. Also wir sehen das ja im politischen Bereich, dass es auch komplett anders geht wie da mit Elon Musks Grok, was ja auch politisch rechtskonservativ gefärbt ist. Also so kann eine KI auch eben agieren. Und ich befürchte, das sehen wir dann eben auch im Onlineshopping.

Dr. Julia Gerhards [31:46]

Ja, zumal das ja schon nicht neutral ist, also zu politischen Themen hast du ja alle möglichen Akteure. Die sich auf verschiedenen Kanälen, die dann auch im Netz präsent sind, zu irgendwas äußern können. Da hast du die Chance, ein diverseres Bild irgendwie abzubilden. Und wenn es jetzt um Produkte, die ich kaufen kann, im Sinne von ein Smartphone oder eine Waschmaschine, dann könntest du dem Produkttests gegenübersetzen. Aber wenn es natürlich um so Reiseerlebnisse geht, ja, dann wirst du diese, du wirst eben vielleicht, du wirst Blogs haben, Reisejournalisten, die irgendwie Tipps geben und ansonsten Reiseanbieter. Du wirst keine Stimme haben, die wahrscheinlich sagt "Ach komm, denk doch mal drüber nach, ob du wirklich gerne fliegen möchtest." Das wird wahrscheinlich untergehen. Auf der anderen Seite frage ich mich auch gerade, also wenn ich tatsächlich mich für Reise interessiere, wenn ich ins Reisebüro gehen würde ...

Dr. Julia Gerhards [32:53]

Ja, die geben mir vielleicht nochmal ein bisschen unabhängigere Empfehlungen, aber in Wirklichkeit, die wollen mir auch eine Reise verkaufen und auch gerne von den Anbietern, mit denen sie besonders kooperieren. Und es gibt super Reisebüros und der Markt hat sich auch ja nochmal verändert, dass ich auch so Spezialisten habe für bestimmte Arten von Reisen oder für bestimmte Regionen und so weiter und so fort. Das wird die Frage sein: Wird es sowas auch irgendwie geben?

Dr. Julia Gerhards [33:21]

Wird es noch neben KI irgendwie existieren? Ja, das liegt wahrscheinlich auch an uns, ein kleines Stück weit, aber es wird einfach so undurchschaubar sein, warum werden mir bestimmte Dinge empfohlen und warum wird es mir wohl empfohlen? Weil man nicht eben kennt. Das ist ja genau der Mehrwert, den mir versprochen wird: "Guck mal, du musst nicht lange suchen, denn ich weiß ja schon, was du möchtest." Ob man wirklich immer nur das sehen möchte und empfohlen bekommen möchte, was man möchte, oder ob man gerne selber auch noch mal gucken würde, das ist dann so die Frage, die jeder für sich beantworten muss. Aber ich werde immer nur rausbekommen, was ich schon reingegeben habe.

Patrick Lohmeier [34:17]

Müsste ich das inhaltliche Herzstück meiner Gespräche mit Aline Blankertz von Rebalance Now, Professorin Imschloß und Julia Gerhards benennen, es wäre wohl die Erkenntnis, dass KI das Potenzial hat, unseren Konsum so zu revolutionieren, wie es zuletzt vor gut 20, 25 Jahren die ersten großen Onlineshops und Smartphones getan haben. Und noch etwas. Trotz aller kritischen Vorsicht aus Verbraucherschutzsicht können wir optimistisch sein. Auch das meinte ich herausgehört zu haben. Zumindest, wenn es um Aspekte wie treffsichere Kaufberatung, Vermeidung überflüssiger Retouren und Convenience, also unser aller Komfort, geht. Und Stichwort Optimismus: Hoffentlich nimmt sich die Politik diese Zäsur in der Geschichte des Onlineshoppings zum Anlass, digitalen Verbraucherschutz effektiver und schneller umzusetzen als in der Vergangenheit. Will heißen, dass wir zum Beispiel auf sowas Grundsätzliches wie den Kündigungsbutton für Onlineverträge bis 2022 warten mussten ... also, liebe EU, das wäre doch schneller gegangen. Sowas passiert nicht noch einmal, oder? 

Patrick Lohmeier [35:29]

Aber ja, und ohne Augenzwinkern: Über den Umgang der Politik mit den E-Commerce-Playern aus Fernost, neuen Technologien und dem Thema Social Shopping müssen wir reden. Und das werden wir in der nächsten und letzten Folge unserer kleinen Reihe zum Onlineshopping im Jahr 2026 tun. Und wenn Sie sich vielleicht fragen, wie und warum wir am Ende da doch wieder in der Fußgängerzone landen, wo wir in der ersten Episode begonnen haben, abonnieren Sie doch diesen Podcast-Feed oder skippen Sie gleich weiter. Ich habe es mir hier im digitalen Äther jedenfalls schön muckelig bequem gemacht und freue mich aufs Wiederhören.

Patrick Lohmeier [36:16]

DÜRFEN DIE DAS? ist ein Podcast der Verbraucherzentrale Berlin, gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, und wird moderiert und produziert von mir, Patrick Lohmeier. Ich bedanke mich herzlich bei allen Menschen, die die Entstehung dieses Formats ermöglichen und mit ihrer Expertise unterstützen. Sollten Sie Fragen, Kritik oder Themenwünsche haben, schreiben Sie mir gerne an podcast@vz-bln.de. Diese und weitere Kontaktmöglichkeiten und Informationen finden Sie natürlich auch im Begleittext zu dieser Episode. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

 

Bei Fragen, Kommentaren und Themenwünschen rund um den Podcast erreichen Sie Patrick Lohmeier per E-Mail an podcast@vz-bln.de.

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