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Nachtspeicherstrom: Tarif- und Anbieterwechsel möglich

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Auch wer mit Strom heizt, kann mittlerweile zu einem anderen  Anbieter wechseln. Mancherorts lassen sich dadurch gleich mehrere hundert Euro im Jahr sparen.
  • Welche Anbieter für einen Kunden in Frage kommen, hängt davon ab, wie der Heizstromverbrauch erfasst wird.
  • Tarifrechner können bei der Auswahl helfen.
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Günstigerer Tarif beim bisherigen Versorger

Den geringsten Aufwand bedeutet der Wechsel in einen günstigeren Tarif beim bisherigen Versorger. Ein Anruf oder ein Blick auf die Internetseite des Unternehmens lohnt sich in vielen Fällen. Allerdings halten längst nicht alle örtlichen Versorger eine günstigere Alternative bereit, und der Tarifwechsel bedeutet immer eine verlängerte Mindest- und oft auch Folgelaufzeit. Ein Anbieterwechsel ermöglicht zudem häufig eine weitaus größere Ersparnis.

Messweisen und technisch passende Anbieter

Welche Anbieter für einen Kunden in Frage kommen, hängt davon ab, wie der Heizstromverbrauch erfasst wird: In gemeinsamer Messung mit dem Haushaltsstrom oder über einen getrennten Zähler. Bei getrennter Messung ist außerdem zu klären, ob zur Heizung ein Ein- oder ein Zweitarifzähler gehört. Nur wenige Unternehmen bieten Verträge für alle Varianten an.

Heizstromversorgung

Bei der gemeinsamen Messung gibt es nur einen einzigen Stromzähler. Dieser erfasst den Verbrauch sowohl der Heizung als auch aller anderen elektrischen Geräte eines Haushalts. Er arbeitet mit zwei separaten Zählwerken, die abwechselnd aktiv sind: In den Zeiten, die der Netzbetreiber als günstigeres Niedertarif-Zeitfenster vorgibt, läuft das entsprechende NT-Register. Bei Speicherheizungen ist das vor allem nachts der Fall, wenn die Heizungen üblicherweise aufgeladen werden. In den restlichen Zeiten läuft das andere Register. Der darauf festgehaltene Verbrauch wird zum teureren Hochtarif (HT) abgerechnet.

Ob Strom zum Hoch- oder Niedertarif bezogen wird, hängt bei der gemeinsamen Messung allein von der Uhrzeit ab. Wofür die Energie genutzt wird – tatsächlich zum Heizen oder für den Betrieb anderer Geräte - kann der Stromlieferant nicht nachvollziehen. Sowohl einige örtliche Grundversorger als auch einige alternative Anbieter haben deshalb ein System von Ausgleichsmengen eingeführt: Sie gehen davon aus, dass während der NT-Zeiten auch eine erhebliche Menge an Strom bezogen wird, die nicht für die Heizung genutzt wird. Deshalb erhöhen sie vor der Abrechnung den vom HT-Zähler gemessenen Verbrauch um einen festen Anteil von bis zu 25 Prozent.

Die Zahl an Kilowattstunden (kWh), die sie so auf den HT-Verbrauch aufgeschlagen haben, ziehen sie dann vom gemessenen NT-Verbrauch ab. Das Ausgleichsmengen-System erhöht also regelmäßig die abgerechneten Heizkosten und sollte beim Tarifvergleich unbedingt berücksichtigt werden.

Zwei Zählwerke haben Stromzähler, die den Verbrauch von Heiz- und Haushaltsstrom gemeinsam erfassen. Foto: Elektrizitätswerke Schönau

Zwei Zählwerke haben Stromzähler, die den Verbrauch von Heiz- und Haushaltsstrom gemeinsam erfassen.

Foto: Elektrizitätswerke Schönau
 

Bei der getrennten Messung hat die Heizungsanlage einen eigenen, separaten Stromzähler. Dieser misst unabhängig vom Haushaltsstrom nur den Verbrauch der Heizung. Dennoch kann auch dieser Zähler ein Zweitarifzähler sein, dessen Register wie bei der gemeinsamen Messung abwechselnd laufen und getrennt einen NT- und einen HT-Verbrauch erfassen. So werden beispielsweise Nachladungen von Speicherheizungen während des Tages teurer abgerechnet als die Ladung in der Nacht.

Haushalte, deren Verbrauch in getrennter Messung erfasst wird, können zwei separate Verträge für Haushalts- und Heizstrom mit zwei unterschiedlichen Anbietern haben. Manche Lieferanten bieten den günstigen Heizstrom-Tarif aber nur in Kombination mit einem Vertrag für Haushaltsstrom an. Auch wenn ein Kunde beides von ein- und demselben Unternehmen bezieht, bestehen rechtlich betrachtet jedoch zwei voneinander unabhängige Verträge mit diesem Anbieter.

Tarifrechner als Orientierung

Die Auswahl an Anbietern ist regional unterschiedlich. Inzwischen gibt es zwei größere Tarifportale, die eine Übersicht über die alternativen Angebote bei Heizstromtarifen anbieten: Verivox und Check24. Sie eignen sich zu einer ersten Orientierung, enthalten aber nicht alle Anbieter. Die genannten Tarifportale bilden bei Nachtspeichertarifen mit gemeinsamer Messung keine Ausgleichsmengen ab. Auf den Internetseiten der meisten Anbieter gibt es eigene Tarifrechner, die nach Auswahl der Messart und Eingabe der Postleitzahl eine direkte Rückmeldung geben, ob eine Belieferung möglich ist. Entscheidend dafür, von welchen Unternehmen Verbraucher ihren Heizstrom beziehen können, ist jedoch ihre genaue Wohnanschrift. Von den in Frage kommenden Firmen sollten sich Verbraucher persönliche Angebote erstellen lassen.

Rechte von Heizstromkunden

Heizstromkunden sind rechtlich wohl als so genannte Sonderkunden anzusehen und haben damit die gleichen Rechte wie Sonderkunden beim Haushaltsstrom. Die gesetzliche Pflicht zur Grundversorgung, die für das Unternehmen mit den meisten Kunden in einem Netzgebiet beim Haushaltsstrom besteht, ist nämlich beim Heizstrom nicht ausdrücklich geregelt. Dies bedeutet aber nicht, dass Energieversorger die Kunden willkürlich behandeln dürften. Solange es keinen funktionierenden Wettbewerb für Heizstrom gibt, haben die (Grund-) Versorger unserer Ansicht nach die Pflicht, alle interessierten Kunden gleich zu behandeln. Verbraucher haben gegenüber dem örtlichen Grundversorger einen Anspruch auf Lieferung vergünstigten Stroms für das Heizen (sofern ein solcher Tarif angeboten wird) und Bestandskunden kann der Versorger nicht einfach kündigen.

Anders kann die Rechtslage in Grundversorgungsgebieten sein, wo Verbraucher auch bei Heizstrom den Anbieter wechseln können. Je mehr Konkurrenzangebote es gibt, desto weniger wird eine Versorgungspflicht des örtlichen Grundversorgers bestehen. Eine verbindliche Grenze, zum Beispiel anhand der Anzahl konkurrierender Anbieter oder Tarife, lässt sich jedoch nicht ziehen.

Um gegen ungerechtfertigt steigende Preise gewappnet zu sein, sollten alle Stromkunden wissen, wie sie bei einer Preiserhöhung ihre Rechte wahren können. Wer seinem bisherigen Lieferanten den Rücken kehren möchte, sollte sich zudem informieren, was bei einem Stromanbieterwechsel zu beachten ist.