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Gebühren und Entgelte: Wie Sie der Geldfalle entkommen können

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Nicht auf Ihre Kosten

Oftmals haben Bankkunden das Gefühl, dass die Bank nicht ihr Geld verwaltet, sondern unberechtigt abkassiert. Unklare Abrechnungen, Entgelte, die zu hoch erscheinen, und fehlende Guthabenzinsen sind nur einige Punkte, die den Kunden verärgern. Die Verbraucherzentrale kann die Berechtigung bestimmter Entgelte für Bankdienstleistungen gerichtlich überprüfen lassen - und das nicht selten mit Erfolg.

Wir wollen Ihnen den Weg durch den Kostendschungel zeigen und Anregungen für den Umgang mit Ihrer Bank geben:

Girokonto - Preisverwirrung inbegriffen

Verschiedene Banken - unterschiedliche Preisgestaltungen. Teilweise wird selbst innerhalb einer Bank je nach Angebot differenziert. Mal gibt´s einen Pauschalpreis für die Kontoführung, in dem alle Leistungen enthalten sind. Bei anderen Banken hingegen schlägt neben dem Grundentgelt noch jede einzelne Kontobewegung zu Buche - oder aber sie rechnen ausschließlich anhand der Zahl der Buchungen ab. Geworben wird auch mit kostenlosen Konten. Dann muss allerdings genau geschaut werden, ob sich nicht im Kleingedruckten des Preisverzeichnisses oder hinter einem Sternchen-Hinweis ein Pferdefuß verbirgt.

Nehmen Sie Ihr Konto und Ihr persönliches Nutzungsverhalten über einen längeren Zeitraum kritisch unter die Lupe. Rechnen Sie alle Kosten zusammen und vergleichen Sie diese mit anderen Angeboten. Berücksichtigen Sie auch, dass einige Banken Guthabenzinsen zahlen. Lassen Sie sich bei Ihrer Kontoauswahl Zeit. Fragen Sie bei einem kostenlosen Kontoangebot genau nach, ob sich im Preisverzeichnis nicht doch Entgelte für bestimmte Leistungen verbergen. Zeit ist Geld!

Belastungsbuchungen - bitte nachvollziehbar

Die Entgelte zu überprüfen, mit denen die Bank Ihr Konto belastet, ist manchmal leichter gesagt als getan. Denn wenn in der Kontoabrechnung die Kosten lediglich im "Paket" aufgeführt werden, ist nicht immer nachvollziehbar, welche einzelnen Positionen sich dahinter verbergen.

Als Kunde haben Sie das Recht, von ihrer Bank eine detaillierte Aufgliederung der Kosten, zum Beispiel zu Zins- und Entgeltsätzen, zu verlangen, wenn Ihnen die Gesamthöhe zweifelhaft erscheint.

Pauschale Buchungen der Belastungen müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Auf jeden Fall sollten Sie selbst – zumindest stichprobenartig - nachprüfen, ob die Höhe der Pauschalsätze zutreffend ist. Wenn nicht, melden Sie umgehend Widerspruch an!

Preise - für jeden ersichtlich

Was bei Konzerten meistens selbstverständlich ist, sucht man bei Banken vielfach vergeblich: die kostenlosen Zugaben. Im Klartext: Für viele - eigentlich selbstverständliche - Leistungen wird Geld verlangt. So zum Beispiel für das Ausführen von Daueraufträgen oder das Übersenden von Scheckvordrucken. Davon ist in den Werbeblättchen selten die Rede. Auskunft über diese Kosten geben nur die detaillierten Preisverzeichnisse. Diese müssen am Schalter zur Einsicht bereitgehalten werden. Verlangen Sie bei der Kontoeröffnung in jedem Fall die Aushändigung dieses Verzeichnisses. Fehlen Preisangaben zu bestimmten Standardleistungen, so darf das Kreditinstitut für diese kein Entgelt verlangen.

Verlangen Sie ab und zu von Ihrer Bank die Herausgabe des aktuellen Preisverzeichnisses und schauen Sie auf der Homepage der Bank nach, ob Sie es dort finden. Erhöht die Bank ihre Preise, können Sie Ihr Konto in der Regel ohne Frist, bei gesonderter Vereinbarung innerhalb eines Monats kündigen - und zahlen bis zur Kontoauflösung die alten Gebühren.

Wie immer - keine Regel ohne Ausnahme

Obwohl die Banken grundsätzlich zur "Preisauszeichnung" verpflichtet sind, gibt es einige Leistungen, die kostenpflichtig sind und dennoch nicht im Preisverzeichnis stehen müssen. Dazu zählen solche Leistungen, die nicht zum Tagesgeschäft gehören und die in Ihrem Auftrag oder mutmaßlichen Interesse erbracht werden: beispielsweise das nochmalige Übersenden der Kontounterlagen auf Wunsch des Kunden oder die Vorlage einer individuellen Bescheinigung über Kapitalgewinne für das Finanzamt. Entgelte hierfür dürfen sich jedoch nicht im luftleeren Raum bewegen; sie dürfen nicht unangemessen hoch sein, müssen individuell festgelegt werden und nachvollziehbar sein. Auch fürs Gericht. Denn dort muss das Kreditunternehmen im Streitfall seine Kalkulation offen legen.

Ein kritisches Auge auf solche Sonderentgelte zu werfen ist durchaus angebracht. Ist das Entgelt überhöht oder kommt die Bank ihrer Darlegungs- und Beweispflicht nicht nach, kann das Gericht den Betrag herabsetzen. Ein Beispiel: die Bank verlangt für die Kopie eines bestimmten Kontoauszugs 30,00 Euro. Da der Bankmitarbeiter kaum eine halbe Stunde damit verbracht hat, diese Kopie aus der EDV abzurufen, sind die Kosten zu hoch. Kommen Ihnen die Kosten spanisch vor und lenkt die Bank nicht ein, können Sie kostenlos die Schlichtungsstelle des Kreditinstituts anrufen. Der Weg zum Anwalt sollte jedoch nur gewählt werden, wenn eine Rechtsschutzversicherung besteht. Eine einfachere - und zuweilen preiswertere - Lösung des Konfliktes ist bei besonderer Sturheit des Instituts das Wechseln der Bank.

Service - nicht immer kostenlos

Die Bank hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Und die dürfen gemeinhin nichts kosten. Darunter fallen Servicedienste, die einfach zum Girovertrag dazugehören - wie die Auflösung des Kontos oder die Erstellung eines Kontoauszuges, sofern er nicht, wenn der Kunde dies ausdrücklich wünscht, per Post zugeschickt wird. Da "moderne Bankgehilfen" wie Geldautomat oder Kontoauszugdrucker die Wartezeiten verringern und Personal freisetzen, dürften durch diese modernen Bankdienstleistungen eigentlich keine Mehrkosten für den Kunden entstehen, sondern der Kunde müsste einen Kostenvorteil haben.

Die Hauptserviceleistungen einer Bank müssen kostenfrei sein. Setzen die Banken verstärkt auf Selbstbedienung, so dürfen dadurch keine Mehrkosten für den Kunden entstehen. Gibt es keine kostenlosen Kontoauszüge mehr am Schalter, müssen diese umsonst am Automaten ausgegeben werden - und zwar auf Wunsch mit einer kosten- und risikofreien Kundenkarte.

Mehrkosten - vom Kunden verursacht

Natürlich kann es vorkommen, dass Sie als Kunde einer Bank Mehrkosten verursachen - etwa wenn Mahnungen verschickt werden müssen. Da ist es gerechtfertigt, dass der Kunde diese Kosten aus eigener Tasche zahlt - allerdings auch nur diese. Die Bank hat Anspruch auf Schadenersatz, darf den Preis aber nicht willkürlich festsetzen. So haben Gerichte in einigen Fällen sogar 2,50 Euro als für eine Mahnung überhöht angesehen. Die erste Mahnung muss kostenlos sein. Wird eine Lastschrift nicht eingelöst, kann nach der geltenden Rechtsprechung die eigene Bank dafür ein sog. Benachrichtigungsentgelt verlangen.

Mit Einführung der neuen Zahlungsdiensteregeln wurde im Bürgerlichen Gesetzbuch die Möglichkeit geschaffen, für nicht eingelöste SEPA-Lastschriften ein Entgelt zu fordern. Eine Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zum 9. Juli 2013 führte zur Anpassung unserer bekannten Lastschrift an die SEPA-Lastschrift, so dass nach Meinung des Bundesgerichtshofs für Lastschriften nach dem 8. Juli 2013 ein Benachrichtigungsentgelt zulässig ist, unabhängig davon, ob eine SEPA- oder Einzugsermächtigungslastschrift vorlag.

Gegenüber dem Anbieter, dem die Einzugsermächtigung erteilt wird, besteht eine Pflicht zur Kontodeckung und, bei einem Verstoß dagegen, eine Pflicht zum Schadenersatz.

Werden Ihnen überhöhte Kosten Mahnkosten berechnet, so sollten Sie das bei ihrer Bank beanstanden und eine Herabsetzung fordern. Zu haften brauchen Sie nur, wenn Sie nachweislich Schuld an einem Schaden haben - nicht aber wenn die Bank in ihrem eigenen Geschäftsinteresse handelt.

Homebanking - per PC

Bankgeschäfte am PC vom heimischen Schreibtisch aus abzuwickeln - das ist gerade für Berufstätige eine verlockende Alternative zum (oftmals zeitlich nicht möglichen) Gang zur Bank. Durch dieses "Homebanking" lassen sich rund um die Uhr Überweisungen tätigen, Daueraufträge einrichten oder Kontoauszüge ausdrucken. Das spart Zeit. Weil die Kunden der Bank dabei Arbeit abnehmen, werden "Homebanker" oft mit geringeren Kontokosten belohnt - und diejenigen, die sich dem Homebanking verweigern, mit höheren Kosten bestraft.

Für Sicherheit ist beim Transfer der Daten gesorgt: Sie werden verschlüsselt übertragen. Dennoch ist Homebanking nicht frei von jedem Risiko. Denn Gauner können auf dem PC des Bankkunden Ausspähprogramme ablegen, um an die für Überweisungen erforderlichen Daten zu kommen. Oder sie bedienen sich des so genannten "Phishings", abgeleitet aus "Password" und "Fishing": Dabei wird per E-Mail ein Link zu einer täuschend echt nachgebauten Webseite der Bank geschickt - mit der Bitte, wegen eines Sicherheitschecks PIN und TAN einzutragen.

Wenn Sie ohnehin einen PC besitzen, warum sollten Sie ihn nicht auch fürs "Homebanking" nutzen? Sorgen Sie im eigenen Interesse dafür, dass wirksame Virenschutzprogramme zum Einsatz kommen, die automatisch aktualisiert werden. Dies schafft keinen absoluten Schutz, erschwert Tätern jedoch möglicherweise den Zugriff. Reagieren Sie nicht auf Aufforderungen, PIN oder - mehrere - TAN telefonisch oder per E-Mail im Zusammenhang mit angeblichen Prüfungen der Sicherheit anzugeben. Keine Bank wird von sich aus in dieser Weise an Sie herantreten.

Bankwechsel - gut für den Wettbewerb

Eine offizielle Preisaufsicht des Staates oder der Verbraucherverbände über die Banken gibt es nicht. Die Banken stellen einen ganz normalen wirtschaftlichen Markt da; die Preise bilden sich durch den Wettbewerb. Sie als Kunde sind die einzige Preisaufsicht. Durch Ihre Entscheidung zum Bankwechsel können Sie Druck auf die Preisgestaltung der Kreditinstitute ausüben. Und Sie haben es selbst in der Hand, sich die Bank mit den besten Konditionen auszusuchen.

Die Entgelte der einzelnen Banken zu vergleichen lohnt sich immer. Vor allem, wenn Ihnen die Preise Ihres Kreditinstitutes zu hoch erscheinen, sollten Sie sich die Tarife der Konkurrenz besorgen und gegebenenfalls das Institut wechseln. Die Auflösung der Kontoverbindung geht übrigens jederzeit, ohne Begründung und ohne Einhaltung einer Frist. Keine Angst vor lästigem Papierkram! Den nimmt Ihnen mit etwas Glück die neue Bank ab. Manchmal rechnet es sich auch, mit mehreren Banken zusammenzuarbeiten - je nachdem, welche Leistung Sie in Anspruch nehmen wollen und was man Ihnen dafür bietet. Bietet die Hausbank keine Guthabenzinsen, sollten Sie z.B. Ihr Guthaben bei einer Direktbank parken, die Sie mit einem guten Tagesgeldzins belohnt.