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Implantate können auch Risiken und Nebenwirkungen haben

Stand:
Implantate sind das Zauberwort der modernen Zahnmedizin, die Werbung verspricht "eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität". Viel seltener werden aber die Risiken von Implantaten thematisiert. Die Verbraucherzentralen erklären Ihnen, worauf Sie achten müssen.
Grafik: Implantat als künstliche Zahnwurzel

Das Wichtigste in Kürze:

  • Implantate werden auf Internetseiten von Zahnärzt:innen häufig sehr positiv dargestellt, Risiken eher selten thematisiert.
  • Patient:innen mit Risikofaktoren brauchen eine besonders ausführliche Aufklärung durch den Zahnarzt bzw. die Zahnärztin.
  • Zusatzuntersuchungen und Folgebehandlungen bei Komplikationen müssen Patient:innen ebenso privat bezahlen wie die Implantat-Behandlung selbst.
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Vermutlich mehr als eine Million Zahnimplantate werden pro Jahr in Deutschland eingesetzt. In der öffentlichen Wahrnehmung spielen Implantate eine wichtige Rolle, sie stehen als Synonym für die moderne Zahnmedizin und werden in der Werbung offensiv angepriesen.

Die Verbraucherzentralen analysierten im Jahr 2017 bundesweit über 100 Webseiten auf Werbeaussagen zu Implantaten und Hinweisen zu Risiken. Dabei fiel auf: Viele Homepages beschreiben eine Implantat-Behandlung entweder als äußerst risikoarm, schonend, problemlos oder sogar unverzichtbar. Aber was ist mit den tatsächlichen Risiken?

Welche Risiken gibt es bei Implantaten?

Deutlich seltener werden in der Öffentlichkeit die Risiken von Zahnimplantaten thematisiert. Implantate werden im Knochen verankert. Es ist also ein chirurgischer Eingriff nötig, bei dem Nerven, Blutgefäße oder Nebenzahnwurzeln verletzt werden können. Positioniert man die Schraube nicht richtig, kann das Nachbarzähne schädigen oder die Versorgung mit Zahnersatz erschweren.

Meist wird bei Implantaten mit einer langen Lebensdauer geworben. So sind nach 10 Jahren noch etwa 98 Prozent der Implantate im Kiefer. Das heißt aber nicht, dass es keine Komplikationen geben kann. Eine der häufigsten Komplikation ist die Periimplantitis, die meist erst nach mehreren Jahren Symptome zeigen kann. Diese Entzündung des Gewebes um das Implantat herum verläuft schnell, oft unbemerkt, ist schwer zu behandeln und führt zum Knochenabbau. Laut Studien tritt sie mit einer Häufigkeit von 10 bis 16 Prozent auf.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Komplikationen sind bekannt: eine bereits vorliegende Parodontitis ("Parodontose"), schlechte Mundhygiene, ein schlecht eingestellter Diabetes, Rauchen sowie bestimmte Arzneimittel wie etwa Bisphosphonate, die bei Krebserkrankungen oder Osteoporose verschrieben werden. In solchen Fällen sollten Patient:innen mit ihren Zahnärzt:innen besprechen, ob Implantate dennoch möglich sind.

Es gibt ein sehr geringes Risiko für Allergien und Unverträglichkeiten, etwa bei Titan-Implantaten. Eine Allergie ist wahrscheinlicher, wenn die Beschwerden, zum Beispiel Entzündungen, Brennen, Rötungen oder Schwellungen, direkt nach Kontakt mit dem Material auftreten, andere Ursachen ausgeschlossen wurden und die Symptome trotz einer Anpassung des Zahnersatzes andauern. Keramik anstelle von Titan kann helfen. 

Welche Folgekosten können bei einer Implantat-Behandlung entstehen?

Zudem sind Implantate eine reine Privatleistung. Die Krankenkasse bezahlt zwar einen geringen Festzuschuss für Zahnersatz, aber der gesamte Eingriff wird nach der privaten Gebührenordnung der Zahnärzte (GOZ) abgerechnet. Treten Komplikationen auf, müssen gesetzlich versicherte Patient:innen diese selbst bezahlen. Ebenso wie die angepriesenen Begleituntersuchungen, die Patient:innen "größtmögliche Sicherheit" vermitteln sollen: moderne bildgebende Verfahren und computergestützte Navigation lassen die Kosten schnell ansteigen.

In einer Online-Befragung der Verbraucherzentrale NRW unter 600 Implantat-behandelten Patient:innen zeigten sich wesentliche Mängel in der Aufklärung einer Implantat-Behandlung. Etwa jedem Dritten ist unbekannt, dass persönliche Risikofaktoren wie Rauchen, Zähneknirschen oder schlechte Mundhygiene gegen Implantate sprechen können. 

Fast jeder Dritte weiß auch nicht, dass Folgekosten bei Komplikationen selbst zu zahlen sind. Zwar würden sich insgesamt gut 90 Prozent der Befragten wieder für Implantate entscheiden, aber 34 Prozent davon würden sich vorher mehr über Risiken und Kosten informieren.

Download: Marktcheck Implantate


Daher der Tipp der Verbraucherzentralen:

Bestehen Sie darauf, dass Ihr Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin Sie ausführlich berät - zu Behandlungsalternativen der Krankenkasse wie einer Brücke oder einer Prothese, zu Ihren individuellen Risiken einer Implantat-Behandlung und zu den Gesamtkosten des Eingriffs!


 

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