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Fertigpackungen: Eichämter beanstanden immer wieder unerlaubtes Untergewicht

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Das Gesetz erlaubt geringfügige Abweichungen. Das gilt etwa für Schokolade und Müsli ebenso wie zum Beispiel für abgepacktes Obst und Fleisch.

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Fast jede 10. Stichprobe bei Fertigpackungen mit unterschiedlicher Nennfüllmenge mussten die Eichämter 2013 beanstanden. Neuere Daten wurden noch nicht veröffentlicht.

Produkte mit unterschiedlicher Nennfüllmenge sind beispielsweise abgepackte, unterschiedlich große Käsestücke an der Selbstbedienungstheke. Bei Produkten mit gleicher Nennfüllmenge - zum Beispiel Schokoladentafeln, Milchtüten oder andere Fertigpackungen - fielen 5,6 Prozent mit Untergewicht auf. Damit zeigt sich einmal mehr, dass es Hersteller beim Befüllen oftmals nicht so genau nehmen. Unsere Tipps helfen, beim täglichen Einkauf nicht für weniger Inhalt zu zahlen als der Verpackungsaufdruck verspricht:

  • Was das Gesetz sagt: Der Hersteller muss auf einer Fertigpackung die Nennfüllmenge angeben – so schreibt es das Gesetz vor. Das heißt, er muss den Kunden informieren, welche Menge des Erzeugnisses in der Packung enthalten sein soll, wenn sie aus der Herstellung in den Handel geht. Die Füllmenge hingegen ist die Menge, die dann tatsächlich in der Fertigpackung enthalten ist. Übrigens: Die Kunden müssen - nach Gewicht, Volumen, Länge, Fläche oder Stückzahl - deutlich und leicht erkennbar auf der Packung lesen können, wie viel in ihr steckt.

  • Geringfügige Abweichungen erlaubt: Der Hersteller darf die Füllmenge – innerhalb einer Charge – bei Produkten mit gleicher Nennfüllmenge im Mittel nicht unterschreiten. Minusabweichungen einzelner Packungen sind jedoch innerhalb bestimmter Toleranzgrenzen erlaubt: So darf beispielsweise eine 100-Gramm-Tafel Schokolade 4,5 Gramm leichter sein. Bei einer 500-Gramm-Packung Müsli braucht’s 485 Gramm, damit sie nicht untergewichtig ist.

  • Ungleiche Nennfüllmenge: Weil nicht jeder Apfel oder jede Wurstscheibe gleich groß ist, werden diese Produkte grammgenau gewogen und verpackt: Das jeweilige Gewicht bestimmt den Preis. Somit gibt es auch keinen Mittelwert, weil die Nennfüllmengen eben variieren. /li>
     
  • Obst in Schalen: Für Schalen und Körbe mit Obst oder durch ein Band zusammengehaltenes Gemüse wie Spargel gelten die gleichen Anforderungen wie für Fertigpackungen: Hier müssen Händler Mittelwerte einhalten und die Einhaltung der Toleranzgrenzen bei der Herstellung beachten. So müssen Schalen mit 500 Gramm Erdbeeren bei der Abfüllung im Mittel 500 Gramm der süßen Frucht enthalten. Bei einzelnen Packungen sind 485 Gramm erlaubt, zwei Prozent der Schalen dürfen 470 Gramm auf die Waage bringen – unter dieser absoluten Toleranzgrenze darf nicht mehr verkauft werden.

  • Mitwiegen von Verpackungen verboten: Das Verkaufspersonal darf beim Wiegen von Käse, Parmaschinken, Aufschnitt oder Feinkostsalate das Verpackungsmaterial nicht mitwiegen und berechnen. Sie sollten beim Einkauf darauf achten, dass die so genannte Tara-Taste (für Verpackungsgewicht) beim Abwiegen gedrückt wird. Im Zweifelsfall machen Sie das Verkaufspersonal darauf aufmerksam!

  • Reklamieren und beschweren: Zuständig bei Beanstandungen, zum Beispiel über unzureichend gefüllte Fertigpackungen oder das Mitwiegen von Verpackungsmaterialien, sind die Eichämter. Bestätigt sich der Verdacht, kann die Eichbehörde den Abfüllbetrieb überprüfen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Hier die Adressen der Eichbehörden.

Forderung der Verbraucherzentrale

Statt des jetzigen, undurchsichtigen Mittelwertsprinzips sollte das sogennante Mindestmengenprinzip eingeführt werden; das besagt, dass in jeder Packung mindestens das drin sein muss, was drauf steht. Mit dieser leicht nachvollziehbaren Regelung wäre ein andauerndes Verbraucherärgernis mit einem Schlag vom Tisch, und die Eichbehörden könnten wesentlich schneller und problemloser kontrollieren. Außerdem sollte es den Herstellern von Fertigpackungen dank hochentwickelter Technik und ausgefeilten Abfüllanlagen heute durchaus möglich sein, ihre Produkte mit geringen Schwankungsbreiten abzufüllen.