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Hoodia: Gefahr für Gesundheit und Umwelt

Stand:

Schlank mit Hoodia, der kaktusähnlichen „Wunder“-Pflanze aus der Wüste?

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesundheit schaden!

  • Hoodia ist weder als Lebensmittel noch als Nahrungsergänzung offiziell zum Verkauf zugelassen, ein privater Import gilt als illegal.
  • Deutliche Gewichtsveränderungen durch die Einnahme von Hoodia-Produkten sind nicht belegt.
  • Vorsicht: Eine appetithemmende Wirkung ist, wenn überhaupt, häufig mit schweren Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Herzrasen verbunden.
Hoodia
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Was steckt hinter der Werbung zu Hoodia?

Hoodia-Produkte werden vor allem über das Internet angeboten, beispielsweise Kapseln, Tropfen, Gels oder Kaugummis mit zahlreichen nicht belegten Wirkversprechen: Laut Werbung ist Hoodia ein "Wunderkaktus", "natürlicher Appetitzügler", er soll "die Kalorienaufnahme um 40-50 % hemmen" und das Hungergefühl soll "viele Stunden ausbleiben".

Ob die Produkte überhaupt Hoodia enthalten, ist allerdings fraglich, bei Untersuchungen enthielt ein Großteil gar keine Hoodia-Bestandteile. Der Preis für eine Tagesration liegt bei etwa 2 Euro, Tropfen können aber auch schon mal bis zu 5 Euro pro Tag kosten.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Hoodia-Produkten achten?

Nahrungsergänzungsmittel mit "Hoodia" sind nach Auffassung der Behörden als nicht verkehrsfähig zu beurteilen, das heißt, der Import - auch für die private Nutzung - gilt als illegal. Trotzdem bestellte Produkte können vom Zoll abgefangen werden. Bei einer ganz aktuellen europaweiten amtlichen Kontrolle von Lebensmittelangeboten im Internet wurde eine Vielzahl von nicht zugelassenen Hoodia Produkten gefunden. Solange es keinerlei Standards für die Zubereitung des Hoodia-Extrakts gibt und keine toxikologischen Untersuchungen vorliegen, kann über Risiken und Nebenwirkungen keine klare Aussage getroffen werden, erst recht nicht zur Langzeit­sicherheit.

Über Neben­wirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, schnellen Puls und erhöhten Blutdruck wurde bereits berichtet.

Der Raubbau an der Pflanze führte dazu, dass wildwachsende Hoodia inzwischen als bedrohte Art gelten. Sie unterliegen bereits seit 2004 den Regelungen des Washingtoner Artenschutz­übereinkommens. In Plantagen angebaute Pflanzen haben vermutlich aufgrund des Schnell­wachstums andere oder weniger Inhaltsstoffe im Vergleich zur Wildpflanze.

Was ist Hoodia?

Hoodia gordonii ist eine kaktusähnliche Pflanze, die unter anderem in südafrikanischen Halbwüsten wächst. Traditionell wird Hoodia von Buschmännern bei der Jagd gegen Hunger und Durst genutzt. Es gibt nur wenige, wissenschaftlich akzeptable Studien zur Einnahme von Hoodia-Extrakten. Eine anhaltende Wirkung auf die Energie(Kalorien)-Zufuhr, auf den Körperfett­anteil oder das Gewicht konnte allerdings nicht belegt werden, der Hoodia-Extrakt hatte die gleiche Wirkung wie Placebo-Pillen.

Welche Inhaltsstoffe sind in Hoodia-Produkten enthalten?

Bei dem isolierten Hoodia-Wirkstoff P57 handelt es sich um eine Substanz, die dem Gehirn einen ausreichend hohen Blutzucker­spiegel vortäuscht. Hierdurch soll kein Hungergefühl entstehen.

Trotz der Anmeldung von Patenten und Lizenzen ist P57 bis heute nicht zugelassen und als Appetitzügler nicht offiziell erhältlich, auch nicht als Medikament. Lebensmittel mit der verarbeiteten Hoodia-Pflanze sind in ganz Europa nicht als neuartige Lebensmittel zugelassen.
Als Schlankheits­mittel wird Hoodia alleine, aber oft auch in Kombination mit Chrom, Hydroxy­citronensäure und Frucht­extrakten angeboten - letzteres vermutlich, um den bitteren, unangenehmen Eigengeschmack von Hoodia zu überdecken.

Tipps:

  • Natürliche" Schlankheitsmittel mit exotisch klingenden Namen verkaufen sich zwar gut. Doch weder ist sicher, dass in den "Hoodia"-Produkten auch Wirkstoffe aus der Pflanze enthalten sind noch ist eine appetitzügelnde Wirkung bewiesen.
  • Stattdessen muss mit möglicherweise gefährlichen Nebenwirkungen gerechnet werden.
  • Die Verbraucherzentrale rät vom Verzehr solcher Produkte ab.

Quellen:


Smith C, Krygsman A. Hoodia gordonii: to eat, or not to eat. J Ethnopharmacol. 2014 Sep 11;155(2):987-91.

Blom WA et al. Effects of 15-d repeated consumption of Hoodia gordonii purified extract (HgPE) on safety, ad libitum energy intake, and body weight in healthy, overweight women: a randomized controlled trial. Am J Clin Nutr. 2011 Nov;94(5):1171-81

Pharmazeutische Zeitung. Artenschutz: Hoodia-Extrakte nur mit Einfuhrgenehmigung (2009)