Kostenloses Webinar Stromanbieterwechsel - so geht's am Donnerstag, 28.11., um 18:00 Uhr. Jetzt hier anmelden und bequem von zuhause aus teilnehmen!

Kokosblüten-, Birkenzucker, Stevia & Co. kein sinnvoller Zuckerersatz

Stand:

Süßmacher, die als Zuckeralternative angepriesen werden, sind meist nicht natürlicher, aber durchweg teurer als Haushaltszucker. Auch mit der Werbung als gesund versprechen einzelne Hersteller zu viel. Einen sinnvollen Ersatz für Zucker stellt keiner der Süßmacher dar.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Birkenzucker, Erythrit und Zuckerersatz mit Steviasüße sind nicht natürlich, sondern technologisch aufwändig hergestellt.
  • Alle Zuckerersatzstoffe sind um ein Vielfaches teurer als die hinsichtlich der Süßkraft vergleichbare Menge Haushaltszucker.
  • Keine der vermeintlich natürlicheren oder auch als gesünder beworbenen Zuckeralternativen ist ohne Kritikpunkt als sinnvolles Süßungsmittel zu empfehlen.
Ein Streuer mit Zuckerersatz liegt auf dem Tisch, daneben ein Haufen Zucker.
On

Karies, Übergewicht und Diabetes – Haushaltszucker gilt als Mitverursacher und hat ein Imageproblem. Die Lebensmittelindustrie bietet mit Kokosblüten- und Birkenzucker, mit Erythrit und Stevia-Streusüßen Alternativen an, die sie als natürlicher oder auch gesünder bewirbt. Eine Marktstichprobe der Verbraucherzentrale Hessen zeigt aber: Die meisten der als "natürlich" beworbenen Produkte sind technologisch aufwändig hergestellt. Zudem sind sie durchweg um ein Vielfaches teurer als Haushaltszucker. Eine echte Alternative zu Zucker ist keiner der trendigen Süßmacher.

Die Lebensmittelexperten der Verbraucherzentrale Hessen haben in ihrer Marktstichprobe die Werbeaussagen zur Natürlichkeit, zu Gesundheit und zum Nährwert sowie die Herkunft und den Preis von 13 Süßmachern geprüft. Bei den Produkten handelte es sich um Birkenzucker (Xylit), Erythrit und Kokosblütenzucker oder Zuckerersatz mit Steviolglykosiden.

Birkenzucker (Xylit) und Erythrit – aus pflanzlichen Rohstoffen, aber nicht natürlich

Die Zuckeralkohole Xylit und Erythrit werden zwar aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen. Von "natürlichem" Zuckerersatz kann aber nicht die Rede sein. Xylit wird in der Regel nicht aus Birkenholz, sondern aus Stroh oder Maiskolbenresten gewonnen, Erythrit aus Kohlenhydraten.

Bei Xylit erfolgt die Herstellung industriell mit Säuren oder Laugen in mehreren Schritten, bei Erythrit mittels mikrobieller Fermentation. Beide Stoffe sind nicht Karies fördernd, kalorienärmer als Zucker oder kalorienfrei wie Erythrit und belasten den Insulinspiegel nicht. In größeren Mengen allerdings wirken sie, wie alle Zuckeralkohole, blähend und abführend.

Mehr zu Xylit und Erythrit

Natürlich?

Erythrit kommt natürlicherweise nur in geringen Mengen in Obst, Gemüse und Käse vor. Das in Läden und Onlineshops angebotene Erythrit stammt daher aus industrieller Produktion. Es wird in mehreren Verarbeitungsschritten biotechnologisch mit Hilfe von Pilzen aus Kohlenhydraten wie Glukose oder Saccharose (Haushaltszucker) hergestellt.

Birkenzucker (Xylit) wird in der Regel nicht aus Birkenholz, sondern aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Maiskolbentrester, Stroh und aus Harthölzern gewonnen. Die darin enthaltene Xylose wird unter Verwendung von Natronlauge bei 200 Grad Celsius aus den Rohstoffen gewonnen.

Gesünder als Zucker?

Beides sind Zuckeralkohole. Sie haben mit dem herkömmlichen Trinkalkohol nichts zu tun. Zuckeralkohole haben keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und sind nicht Karies fördernd. Xylit hat etwa die Hälfte der Kalorien von Zucker, Erythrit ist kalorienfrei. Andere gesundheitliche Vorteile sind aber nicht wissenschaftlich bewiesen.

Bei Zuckeralkoholen ist es wichtig, die Angaben zur Dosierung auf der Packung zu beachten. Zuckeralkohole werden nur zum Teil in den Blutkreislauf aufgenommen und gelangen daher in tiefere Darmabschnitte, wo sie den Bakterien als Futter dienen. In deren Stoffwechsel entstehen Gase und Wasser. In größeren Mengen können Zuckeralkohole deshalb Blähungen und Durchfall verursachen.

Das meinen wir

Normalen Zucker in Maßen durch Zuckeralkohole zu ersetzen, kann für Menschen mit Gewichtsproblemen oder Diabetiker durchaus in Frage kommen. Erythrit und Xylit sind jedoch 10- bis 40-mal so teuer wie die hinsichtlich der Süßkraft vergleichbare Menge Haushaltszucker. In jedem Fall handelt es sich nicht um "natürliche" Alternativen zu Haushaltszucker.

 

Kokosblütenzucker – weitgehend natürlich, aber hoher CO2-Fußabdruck

Verglichen mit Haushaltszucker ist lediglich Kokosblütenzucker geringer verarbeitet. Für ihn wird der Blütennektar der Kokospalme gesammelt, gekocht und getrocknet. Er stammt aber ebenso wie die Blätter der Stevia-Pflanze aus Übersee. Der Transport verbraucht im Vergleich zu Zucker aus heimischen Zuckerrüben mehr Energie und belastet das Klima mit großem CO2-Fußabdruck. Ein Hersteller im Marktcheck warb für seinen Kokosblütenzucker mit nicht zugelassenen Gesundheitsversprechen wie "... enthält Enzyme, die eine langsame Aufnahme des Zuckers in den Blutkreislauf unterstützen".

Kokosblütenzucker besteht hauptsächlich aus Zucker und hat daher fast so viele Kalorien wie Haushaltszucker. Bei mangelnder Zahnhygiene kann er gleichfalls Karies verursachen. Da er einen karamellartigen Eigengeschmack hat, kann man ihn in der Küche im Vergleich zu Haushaltszucker nur beschränkt einsetzen.

Mehr zu Kokosblütenzucker

Natürlich?

Bei der Herstellung wird der Nektar aus Kokosblüten gekocht und getrocknet. Das ist vergleichsweise wenig Verarbeitung.

Gesünder als Zucker?

Vorsicht bei vollmundigen Versprechen zum Gesundheitswert! Einzelne Hersteller im Marktcheck bewarben ihn mit Aussagen wie "enthält Radikalenfänger, also Antioxidantien, die die freien Radikale neutralisieren" und "enthält Enzyme, die eine langsame Aufnahme des Zuckers in den Blutkreislauf unterstützen". Diese Aussagen sind aber wissenschaftlich nicht belegt. Daher ist es nach Ansicht der Verbraucherzentrale Hessen auch nicht erlaubt, damit zu werben. Da es sich um ein naturbelassenes Produkt handelt, enthält Kokosblütenzucker zwar Vitamine und Mineralstoffe. Die kleinen Mengen tragen aber nur wenig zur Nährstoffversorgung bei.

Das meinen wir

Kokosblütenzucker ist ein relativ natürliches Produkt. Zur Gewichtsreduktion oder bei Diabetes ist er nicht geeignet, da er die gleiche Wirkung auf den Blutzuckerspiegel hat wie normaler Zucker. Sein Eigengeschmack kann aber ein Vorteil sein, denn er kann übermäßigen Konsum verhindern. Allerdings ist er etwa 20- bis 50-mal so teuer wie die für die Süßkraft vergleichbare Menge Haushaltszucker.

 

"Stevia" – hohe Süßkraft, aber kein natürliches "Stevia"

Die Zuckerersatzstoffe mit Produktnamen wie "Stevia" oder "Stevia-Streusüße" bestehen hauptsächlich aus Erythrit oder dem Mehrfachzucker Maltodextrin. Sie enthalten – anders als Hersteller durch die Abbildung von Blättern der Stevia-Pflanze und die Produktnamen nahe legen – kein "Stevia" in natürlicher Form. Zugelassen sind bisher in der EU seit 2011 nur die isolierten süßen Inhaltsstoffe der Blätter (Steviolglykoside) als Zusatzstoff E 960.

Die Steviolglykoside werden mit organischen Lösungsmitteln aus den Steviablättern herausgelöst. Es stecken jedoch nur geringe Mengen davon in den entsprechenden Zuckerersatzstoffen, denn im Vergleich zu Zucker haben sie etwa die 300-fache Süßkraft, zudem einen lakritzartigen Eigengeschmack.

Steviolglykoside haben keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und wirken nicht karieserzeugend. Sie sind fast kalorienfrei und in Streusüßen auf Basis von Erythrit, das ebenfalls keine Kalorien hat, für Menschen mit Gewichtsproblemen oder Diabetiker interessant.

Steviablätter stammen jedoch nicht aus der Region oder Europa. Der Transport der Rohstoffe belastet daher unnötig die Umwelt und das Klima.

Mehr zu Stevia

Natürlich?

Durch die Abbildungen von grünen Blättern auf Stevia-Streusüßen entsteht der Eindruck, dass die Süße aus der Steviapflanze natürlicher ist als die von anderen Süßungsmitteln. Auch wenn Hersteller es gern so darstellen – Steviolglykoside sind keine Natursüßungsmittel, da sie in einem sehr aufwendigen chemischen und physikalischen Verfahren aus den getrockneten Stevia-Blättern herausgelöst, anschließend gereinigt, isoliert und konzentriert und weiter zu Pulver verarbeitet werden.

Auch die Füllstoffe, Erythrit und Maltodextrin, werden industriell gewonnen.

Gesünder als Zucker?

Es ist kein Einfluss auf den Blutzuckerspiegel bekannt und Stevia wirkt nicht karieserzeugend. Da sie fast kalorienfrei sind, sind die Produkte für Menschen mit Gewichtsproblemen oder Diabetiker interessant.

Das meinen wir

Zucker durch Zuckersatzprodukte mit Stevioglykosiden zu ersetzen, kann für die oben genannten Personengruppen durchaus eine Option sein. Zucker in der Küche vollständige dadurch zu ersetzen ist jedoch schwierig. Der Preis von Stevia-Streusüßen hängt davon ab, ob die Basis Maltodextrin oder Erythrit ist. Die Stevia-Streusüßen mit Maltodextrin sind etwa vier- bis fünfmal so teuer, die mit Erythrit bis zu rund 40-mal so teuer wie die für die Süßkraft vergleichbare Menge Haushaltszucker.

 

 

Fazit

Wer es gesünder möchte, sollte eher seinen Zuckerkonsum generell überdenken. In zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln versteckt sich Zucker unter verschiedensten Namen, was erst der genaue Blick auf die Zutatenliste verrät.

Wer Lust auf Süßes hat, greift besser auf altbewährte natürliche Süßmacher wie Honig, Fruchtdicksäfte und Trockenfrüchte aus der Region zurück.