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App-Test »givit!«: An wen soll ich's verschenken?

Stand:
Bevor ein Besitztum jahrelang ungenutzt unter dem Bett oder im hintersten Fach des Kleiderschranks verstaubt, sollte man ihm neues Leben einhauchen - und zwar als Geschenk. Das schafft Platz im Haushalt, ist sozial- und umweltverträglich. Aber zum Schenken gehören immer zwei. Oder drei.
Illustration eines Geschenks mit dem Buchstaben "g" als Logo der App "givit!"

Hast du etwas, "das du selbst nicht mehr brauchst, es ist aber zu schön, um es wegzuwerfen?" fragt givit! auf seinem Startscreen und beschreibt damit auch gleich die Kernfunktion der App: Mach Menschen in deiner Umgebung ein Geschenk mit Dingen, auf die du verzichten kannst, und begib dich selbst auf die Suche nach Präsenten aus zweiter Hand. Das klingt gut. Aber das Schenken und Beschenktwerden via App kann ohne andere Menschen nicht funktionieren. Und wenn der Anbieter offenbar keinen Ehrgeiz zeigt, Verbraucherinnen und Verbraucher für sein Community-gestütztes Angebot zu begeistern, wird es schwer mit der nachhaltigen Großzügigkeit. 

 

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag ursprünglich im Mai 2024 veröffentlicht wurde und einige Informationen ggf. nicht mehr dem aktuellen technischen Stand der App entsprechen.

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Name: givit!
Anbieter: apirious GmbH (givitapp.com)
Kategorie: Müllvermeidung
Zielgruppe: Erwachsene
Betriebssystem: iOS | Android
Preis: kostenlos

Datensicher zur Geschenkesuche

Egal, ob man schenken oder sich beschenken lassen möchte, an einer Registrierung führt kaum ein Weg vorbei. Zumindest, wenn man nicht als anonyme:r Nutzer:in erscheinen und damit die eigenen Chancen zum Verschenken und Beschenktwerden einschränken möchte. Vertrauen schafft ein individuelles Profil, da es bei givit! um den Austausch mehr oder weniger wertvoller Sachgüter geht und andere Nutzer:innen daher mutmaßlich Wert auf ein gewisses Maß an Vertrauenswürdigkeit legen. Ein persönlicher Account ist also optional, erfreulicherweise gestaltet sich das Anlegen eines Nutzerkontos aber als einfach. Neben einem Login via Google-, Apple- oder Facebook-Account kann die E-Mail-Adresse zur Registrierung genutzt werden. Nach Bestätigung selbiger per Mail (die sogenannte Zwei-Faktor-Authentisierung) müssen noch ein selbstgewählter Name sowie Angaben zum Wohnort gemacht werden. Dies kann über Smartphone-Ortung via GPS geschehen, oder aber durch die Angabe der Postleitzahl. Zugunsten der Datensparsamkeit empfehlen wir letzteres. Ebenfalls optional ist die Erlaubnis der App zum Zugriff auf Kamera- oder Mediathekenfunktionen. Das ist ebenso verbraucherfreundlich wie givit!s Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen, die keinen werblichen Hintergrund, ungewöhnliche Trackingmechanismen oder sonstige kommerzielle Interessen vermuten lassen. Auch die sofort im Menü sichtbare Option zur Löschung des Accounts ist lobenswert.

Nicht viel los in der givit!-Nachbarschaft

Der größte Kritikpunkt an givit! tritt nicht in Gestalt datenschutzrechtlicher Defizite oder technischer Probleme in Erscheinung, sondern als Abwesenheit einer Nutzerschaft von relevanter Größe. Was damit gemeint ist? Selbst in Metropolen wie Berlin, Köln, Leipzig, München oder Hamburg finden sich kaum givit!-Nutzer:innen, die aktuell (Stand: Mai 2024) etwas anzubieten haben. Beispielsweise werden in der Bundeshauptstadt im gesamten Stadtgebiet zum Testzeitpunkt nur drei Geschenke aufgeführt, die alle seit mehr als einem Jahr online und damit womöglich gar nicht mehr verfügbar sind. Überhaupt hat deutschlandweit nur eine einzige Nutzerin zum Zeitpunkt unseres Tests in den letzten 30 Tagen etwas zu verschenken. Ein Blick auf die Social-Media-Präsenzen des Darmstädter Anbieters apirious GmbH verrät, dass auch dieser mutmaßlich kein ausgeprägtes Interesse daran hat, weitere Menschen für sein digitales Angebot zu begeistern: Facebook- und X-Accounts wurden seit mehreren Jahren nicht aktualisiert, im zugehörigen YouTube-Channel finden wir nur ein drei Jahre altes Promovideo zur App. Gestaltung und Funktionsumfang von givit! sind weitgehend gelungen und beinhalten alles, was man zum Aufspüren und Anbieten von Restposten, Altgedientem und Ungenutztem benötigt. Schade nur, wenn so gut wie niemand die App nutzt, um solche Geschenke zu machen beziehungsweise sie entgegenzunehmen. Aufgrund dieses Umstands war es uns auch nicht möglich, die App vollumfänglich zu testen.

 

Beispielhafte Screenshots der Marktplatz-App "givit!"
Eine sympathische Aufmachung und die durchdachte, von anderen Marketplace-Apps inspirierte Funktionen sprechen für "givit!". Doch eine relevante Reichweite ist für ein Angebot zum lokalen Vernetzen unverzichtbar. Leider fehlt diese. (Quelle: Screenshots)

Fazit

Ein flüchtiger Blick auf givit!s Nutzeroberfläche lässt vermuten, hier handle es sich um eine weitaus bekanntere Marktplatz-Apps wie Kleinanzeigen (ehemals: eBay Kleinanzeigen) oder nebenan.de: Umkreissuche, die Aufmachung der Inserate und Ansicht der Nutzerprofile wirken vertraut und sind auch ähnlich leicht bedienbar wie bei der großen Konkurrenz. Genau diese prominenten und extrem erfolgreichen Mitbewerber dürften aber auch das größte Problem für givit! darstellen, denn kostenlose Angebote vor Ort erstellen und finden ist bei ihnen ebenfalls möglich. Somit machen givit! nicht etwa inhaltliche oder technische Schwächen den Garaus, sondern das mangelnde Alleinstellungsmerkmal der App und damit das Fehlen einer engagierten Nutzer:innenschaft.

Handhabung4 Sterne
Spaß2 Sterne
Mehrwert1 Stern
Motivation1 Stern
Datensparsamkeit4 Sterne
Gesamtwertung2 Sterne

Diese App-Rezension entstand im Rahmen des zum 31. Dezember 2024 beendeten Projekts "Smart fürs Klima", gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Verbraucherschutz und nukleare Sicherheit (BMUV). Ziel des Projekts war die Prüfung von Nachhaltigkeits- und Klimaschutz-Apps auf Verbraucherschutzaspekte sowie ihre Eignung als Unterstützung für umweltbewusstes Alltagsverhalten. Weitere Testberichte finden Sie unter www.verbraucherzentrale.de/climapps/archiv.

Förderhinweis BMUV

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