Anschlussvertrag statt echtem Vorteil: Wenn Verlängerungen teuer werden

Stand: 08. Dezember 2025

Wenn die Bank unvermittelt anruft, um für einen auslaufenden Vertrag einen neuen bzw. Folgevertrag zu verkaufen, dann sollten Verbracher:innen besonders aufmerksam sein und zunächst Vergleiche einholen. Selten sind die neuen Vertragskonditionen besser als die alten oder die anderer Anbieter.

  • Unternehmen haben in der Regel ein starkes Interesse daran, Kund:innen lange an sich zu binden.
  • Kund:innen, deren Verträge auslaufen, werden oft proaktiv von Vertrieblern angesprochen. Ziel ist es, Anschlussverträge zu verkaufen.
  • Häufig sind diese Angebote aber weniger attraktiv. Verbraucher:innen sollten sie kritisch hinterfragen und nicht sofort zugreifen. 

Wurden Sie schonmal unvermittelt von Ihrer Bank zu einer Vertragsänderung befragt? Immer mehr Finanzdienstleister:innen gehen proaktiv auf Kund:innen zu, um sie durch Vertragsverlängerungen langfristig zu binden – häufig zum Vorteil für das Unternehmen und zum Nachteil für den Vertragsinhaber. Verbraucher:innen sollten deshalb besonders achtsam sein und Finanzprodukte stets kritisch prüfen.

Wie gehen Finanzdienstleister:innen vor?

Unternehmen haben meist ein starkes Interesse, Kund:innen – und vor allem deren Geld – lange an sich zu binden. Wird ein Vertrag fällig oder will ein Kunde kündigen, werden folglich Vertriebler aktiv. Wichtig zu wissen: Sie sind geschult und gehen in der Regel strategisch vor. Zum Beispiel nehmen sie schon früh Kontakt auf, sind freundlich, kompetent und hilfsbereit. Für ihre Kund:innen haben sie immer das passende Angebot bereit.

Bestehende Kundenbeziehungen werden regelmäßig zum Anlass genommen, weitere Finanzprodukte zu verkaufen oder bestehende Verträge „umzudecken“. So heißt die Überführung des Vermögens von einem Vertrag in einen anderen, wenn dies auf die Initiative des Versicherungsunternehmens zurückgeht. Diese Umdeckungen dienen oft nur dem Interesse des Unternehmens beziehungsweise des Vermittlers. Nicht immer geht es darum, Verträge zu verlängern.

Als beispielsweise die Zinsen vor ein paar Jahren stark sanken, versuchten Sparkasse und Banken ihre Verpflichtungen aus langlaufenden Verträgen vorzeitig loszuwerden und kündigten gegen einseitig langfristige Prämiensparverträge. Bei genauer Prüfung stellte sich heraus, dass einige Kündigung rechtswidrig waren.

Wann sollten Verbraucher:innen misstrauisch werden?

Bei dem Neuabschluss eines Vertrages verdienen Verkäufer:innen Provisionen. Für Verbraucher:innen drücken sich diese in Abschlusskosten aus, die die Rendite des Finanzproduktes schmälern. Das bedeutet nicht nur messbare Geldverluste, sondern auch die Bindung an ein ineffizientes Produkt.

Insbesondere, wenn sie eine Kontaktaufnahme unvorbereitet trifft, sind Verbraucher:innen leichte Beute für Finanzverkäufer:innen.

Worauf setzen die Vertriebler:innen?

Wenn Verbraucher:innen von einem in Kürze auslaufenden Vertrag überrascht werden, ist der Anbieter klar im Vorteil. Denn Finanzunternehmen setzen auf Bequemlichkeit und fehlende Erfahrung. Wenn Sie sich unter à Zeitdruck schnell entscheiden sollen, wird Ihnen die Möglichkeit verwehrt, andere Produkte zu prüfen. Sicherlich ist es bequem, sich auf das Angebot der Bank oder Sparkasse zu verlassen. Doch solch „blindes Vertrauen“ kann viel Geld kosten.

Der unüberlegte Abschluss eines langlaufenden Vertrags, der möglicherweise nicht zur aktuellen Lebenssituation passt, kann viele wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen. Deshalb ist es unerlässlich, sich auf Verkaufsgespräche vorzubereiten und selbstbestimmt Bedenkzeiten einzuräumen.

Worauf sollten Verbraucher:innen achten?

  • Zuallererst: Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Verträge. Notieren Sie die Laufzeiten und deren Kündigungstermine, sodass Sie selbst entscheiden können, wann Sie sich um einen Anschlussvertrag kümmern müssen.
  • Seien Sie kritisch, wenn das Unternehmen von sich aus auf Sie zukommt und einen neuen Vertrag mit vermeintlich besseren Konditionen anbietet (das gilt übrigens nicht nur für Verträge des Finanzbereichs, also Sparkasse, Banken und Versicherungen etc., sondern auch für Telefon-, Energie oder Fitnessverträge).
  • Sollten Sie von einer Kündigung durch den Anbieter während der Laufzeit überrascht werden, prüfen Sie, ob das Institut überhaupt ein Kündigungsrecht hat.
  • Nutzen Sie das Werben um Neukund:innen. Vergleichen Sie Angebote anderer Unternehmen, gerade bei Tagesgeld- und Girokonten gibt es teils attraktive Neukundenrabatte bzw. -konditionen.
  • Sollten Sie Hilfe beim Vergleich der Konditionen und der Bewertung des neuen Angebots brauchen, nehmen Sie eine Beratung bei der Verbraucherzentrale in Anspruch. 

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