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Standpunkt: Warum Schiffscontainer als Geldanlage verkauft werden

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Die Pleite der Containerfirma P&R reiht sich ein in eine Vielzahl von Anlageskandalen und Pleite-Investments. Und wieder gibt es viele geschädigte Verbraucher. Die Ursache dafür ist der Verkauf von Anlageprodukten gegen Provisionen, vorbei am Bedarf der Verbraucher. Kaum ein Anleger, der lediglich Vermögen aufbauen oder anlegen will, würde auf die Idee kommen, Container zu kaufen und zu vermieten. Es würde wohl auch niemand irgendeinem Unternehmen ein nachrangiges Darlehen gewähren. Der Gesetzgeber trägt einen Großteil der Verantwortung, weil er es seit Jahren unterlässt, den Markt für Finanzberatung wirksam zu regeln. Wo Beratung draufsteht, ist weiterhin schlichter Verkauf gegen Provisionen drin. Dass solche hoch riskanten und intransparenten Produkte sogar als Vermögensanlagen gemäß Vermögensanlagengesetz bezeichnet werden dürfen, ist nichts anderes als eine Täuschung der Anleger.

Wo Beratung draufsteht, ist Verkauf gegen Provisionen drin.

Container zu vermieten, heißt unternehmerische Risiken auf eigene Rechnung tragen, das kann man nicht ernsthaft als Vermögensanlage bezeichnen. Privatanlegern stehen mit Fremdkapital- und Eigenkapitalprodukten, also den klassischen, für den Börsenhandel zugelassenen Anleihen und Aktien, genügend andere Möglichkeiten zur Verfügung, sich je nach Risikobereitschaft an Unternehmenserfolgen zu beteiligen, und dies sogar mit weitaus geringeren Summen als etwa bei Containern und anderen Vermögensanlagen üblich. Im Gegensatz zu den Vermögensanlagen sind diese Produkte weitaus transparenter und sie unterliegen tagtäglich einer Marktpreisbildung durch abertausende von privaten und professionellen Anlegern, was vor Übervorteilung durch falsche Beteiligungswerte schützt.  Auch börsennotierte Wertpapiere sind zwar vor Skandalen nicht gefeit, aber durch höhere Transparenz gelangen diese rascher ans Licht, was den möglichen Schaden begrenzt. Die hoch riskanten und intransparenten Vermögensanlagen werden von Vermittlern in erster Linie wegen der hohen Provisionen empfohlen. Wie viel Geld müssen Verbraucher noch verlieren, bis der Gesetzgeber endlich die Finanzberatung so regelt, dass diese stets bedarfsgerecht ist, Verbraucher sich also darauf verlassen können, dass ausschließlich ihre Interessen das Ergebnis der Beratung bestimmen?

Unsere Forderungen liegen auf dem Tisch: Beratung und Verkauf muss getrennt werden. Beratung muss provisionsfrei sein, auf angemessener Sachkunde beruhen und durch Aufsichtsorgane wirksam überwacht werden.

Niels Nauhauser