Kostenloses Online-Seminar "Heizen mit Weitsicht: Warum jetzt die richtige Zeit für den Umstieg ist!" am 19. Januar um 10 Uhr. Jetzt hier anmelden.

Gibt es Phosphor nicht als Nahrungsergänzung?

Stand:
Phosphor als Nahrungsergänzungsmittel finde ich nicht im Verkauf. Warum nicht?
Off

Frage

Laut meinem Orthopäden soll ich Phosphor als Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Wieso finde ich es weder in Drogerien noch in Apotheken?

Antwort

Phosphat/Phosphor beschreibt eine Gruppe von Substanzen, die allgemein als „Phosphate“ bezeichnet werden und in der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen sind. In Deutschland liegen keine repräsentativen Daten zur Phosphoraufnahme vor. Auf Basis verfügbarer Daten aus verschiedenen EU-Ländern liegt die geschätzte Aufnahme zwischen 1.000 und 1.767 mg/Tag beim Erwachsenen und somit deutlich oberhalb der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Zufuhr von 550 mg/Tag. Nach Auffassung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist davon auszugehen, dass die geschätzte Gesamtaufnahme von Phosphaten aus Lebensmitteln die unbedenkliche Aufnahmemenge (UL) überschreitet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt fest, dass es aufgrund der Versorgungslage und möglicher Gesundheitsrisiken keinen Grund gibt, Phosphat gezielt über Nahrungsergänzungsmittel oder mit Phosphat angereicherte Lebensmittel zuzuführen. Vermutlich sind deshalb nur selten Phosphatpräparate erhältlich.

Phosphate kommen natürlicherweise im menschlichen Körper vor und stellen ebenso einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Ernährung dar. Die Substanz ist unter den Mineralstoffen am weitesten verbreitet. Vor allem eiweißreiche Lebensmittel wie Käse und Milchprodukte, Wurst und Fleisch sind reich an Phosphor. Auch Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse enthalten größere Mengen.

Jedoch spielen Phosphataufnahmen aus natürlichen Quellen eher eine untergeordnete Rolle. Problematisch wird es eher bei industriell hergestellten Lebensmitteln, die phosphathaltige Zusatzstoffe enthalten. Hier gelten Höchstmengen, die zwischen 500 und 20.000 Milligramm pro Kilogramm der entsprechenden Lebensmittelgruppe variieren. Sie erkennen sie an den E-Nummern E 338, E 339, E 340, E 341, E 343, E 450, E 451 und E 452 in der Zutatenliste. Sie dienen unter anderem als Bindemittel in Wurstwaren, als Stabilisator oder Schmelzsalz in Eis und Desserts sowie als Konservierungsstoff und Trennmittel. Lebensmittel mit Phosphatzusätzen sind zum Beispiel: Erfrischungsgetränke (insbesondere Cola-Getränke), Fleischerzeugnisse, Schmelzkäse, Kaffeeweißer, Milchpulver und Milchgetränke, Schlagsahne oder Sahneerzeugnisse. Im Gegensatz zu naturbelassenen Phosphatquellen ist die Aufnahme frei löslicher Phosphate über industriell hergestellte Lebensmittel bzw. Fast Food und koffeinhaltige Softdrinks deutlich höher.

Hohe Dosierungen von Phosphatzusätzen in Lebensmitteln können vor allem mit risiken für die Nierenfunktion verbunden sein. Laut EFSA liegt die maximale akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI) für Phosphate bei 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Das bedeutet eine maximale tägliche Aufnahme von 2.400 mg Phosphor für eine Person mit einem Körpergewicht von 60 kg. Dieser Wert beinhaltet sowohl das natürliche in Lebensmitteln vorkommende als auch das aus Lebensmittelzusatzstoffen sowie ggf. aus Nahrungsergänzungsmitteln stammende Phosphor.

Dieser Richtwert gilt für gesunde Erwachsene. Nicht für Menschen mit mittlerer bis starker Einschränkung der Nierenfunktion. Säuglinge, Kleinkinder und Kinder können diesen ADI-Wert bereits bei mittleren Verzehrmengen überschreiten. Dies gilt auch für Jugendliche, die sich aufgrund von vielen Fertigprodukten oder Cola-Getränken phosphatreich ernähren.

Bei einer hohen Phosphat-Zufuhr und gleichzeitig geringer Calcium-Aufnahme erhöht sich das Risiko für eine Knochendemineralisation. Damit nimmt die Knochendichte ab und das Osteoporose- und Frakturrisiko steigt.

Sofern tatsächlich eine medizinische Notwendigkeit für die Einnahme von Phosphor besteht (z.B. bei einer genetisch bedingten hypophosphatämischen Rachitis), dann ist nicht ein Nahrungsergänzungsmittel (= Lebensmittel) angeraten, sondern ein ärztlich verordnetes Medikament.

 

Quellen:


BfR (2024): Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln. Stellungnahme Nr. 006/2024 vom 22.02.2024 (zuletzt abgerufen am 29.10.2025)

BfR (2024): Höchstmengenvorschläge für Phosphor/Phosphat in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmittel (zuletzt abgerufen am 29.10.2025)

BfR (2019): Phosphataufnahme: Säuglinge, Kleinkinder und Kinder können die gesundheitlichen Richtwerte überschreiten. Mitteilung Nr. 022/2019 vom 13.06.2019 (zuletzt abgerufen am 29.10.2025)

EFSA veröffentlicht neue Empfehlungen zu Phosphaten, Stand: 12.06.2019 (zuletzt abgerufen am 29.10.2025)

DGE-Referenzwert Phosphor. Stand der wissenschaftlichen Ableitung 2022 (zuletzt abgerufen am 29.10.2025)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Phosphor. Stand: 10.09.2025 (zuletzt abgerufen am 29.10.2025)

Stiftung Warentest (2019): Phosphate in Lebensmitteln: Zu viel ist schlecht für die Nieren (zuletzt abgerufen am 29.10.2025)

Ritz E et al. (2012): Gesundheitsrisiko durch Phosphatzusätze in Nahrungsmittel. Deutsches Ärzteblatt (2012): 109(4): 49-55 (zuletzt abgerufen am 29.10.2025)

Jemand schließt ein Bankschließfach auf

Einbruch in der Sparkasse Gelsenkirchen: Wer haftet für mein Schließfach?

Nach dem Einbruch in der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer sorgen sich viele Betroffene um Ersatz für ihre Verluste. Und auch generell wirft das Geschehen die Frage auf, wann Banken oder Versicherungen in solchen Fällen haften.
Gemüse auf einem Teller

So energiereich ist To-go-Essen

Verbraucherzentralen auf der Grünen Woche in Berlin
Logo des Podcasts "genau genommen" mit der Illustration einer Frau

Podcast: Was Sie schon immer über Cybercrime wissen wollten...

Datendiebstahl und Onlinebetrug sind keine Kavaliersdelikte, sondern verursachen jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Und Dank der weitreichenden Digitalisierung unseres Alltags und immer leistungsfähigerer Software geraten neben großen Firmen zunehmend Privatpersonen ins Visier von Cyberkriminellen.
Aldi Logo auf Schild

Urteil gegen Aldi Süd wegen irreführender Preiswerbung

Oberlandesgericht bestätigt Auffassung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Aldi-Streit
Schmuckbild

Festlich, gemütlich, bewusst: Energie sparen an Weihnachten

Weihnachten ist die Zeit des Lichts, des Duftes von Plätzchen und des Zusammenseins. Gleichzeitig steigen in vielen Haushalten Strom- und Heizkosten – oft unbemerkt. Dabei lässt sich das Fest mit kleinen, alltagstauglichen Tricks noch gemütlicher gestalten, ohne dass jemand auf Stimmung oder Wärme verzichten muss.