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Telefonrechnung prüfen: So reklamieren Sie falsche Abrechnungen

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So prüfen Sie die Rechnung Ihres Netzbetreibers und reklamieren falsche Beträge.

Frau versteht Schreiben nicht
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Die korrekte Telefonrechnung

Auch wenn Verbraucher mehrere Telefonanbieter nutzen, bekommen sie meist nur eine Telefonrechnung. Wer seinen Anschluss beispielsweise bei der Telekom Deutschland GmbH hat, findet in deren Rechnung neben der telekomeigenen Forderung auch die Rechnungsbeträge anderer Gesellschaften, wie beispielsweise Call-by-Call-Anbieter oder Betreiber von Mehrwertdiensten. In dieser Gesamtrechnung sind unter anderem aufzuführen:

  • Die konkrete Bezeichnung der in Rechnung gestellten Leistungen
  • die Gesamthöhe der Entgelte, die auf jeden Anbieter entfallen. Um die Rechnung nachvollziehen zu können, müssen in einer Gesamtübersicht die Rechnungspositionen der anderen Anbieter nach Einzelprodukten ausgewiesen werden. Die Preise der einzelnen Verbindungen sind aber in der Rechnung nicht zu nennen. Dies geschieht erst im Einzelverbindungsnachweis, den der Kunde allerdings eigens beantragen muss.
  • die einzelnen Anbieter mit Namen, ladungsfähiger Anschrift und kostenfreier Kundendienstrufnummer
  • der Hinweis, dass der Kunde gegen die einzelnen in Rechnung gestellten Forderungen begründete Einwendungen erheben kann.

Sofern die Mindestvertragslaufzeit mehr als einen Monat beträgt, sind zusätzlich aufzuführen:

  • das Datum des Vertragsbeginns
  • den aktuellen Zeitpunkt des Endes der Mindestvertragslaufzeit
  • die Kündigungsfrist und denletzten Kalendertag, an dem die Kündigung eingehen muss, um eine Vertragsverlängerung zu verhindern
  • einen Hinweis auf die Informationen zum generellen Ablauf des Anbierterwechsels auf der Internetseite der Bundesnetzagentur

Satz 1 gilt nicht für Vertragsverhältnisse mit einer Mindestlaufzeit von einem Monat oder weniger.

Mahnung stiftet oft Verwirrung

Ihr Anbieter, z.B. die Telekom Deutschland GmbH, leitet die fremden Rechnungsbeträge unter Umständen an die anderen Gesellschaften weiter, sobald der Kunde die Rechnung beglichen hat. Wird nicht pünktlich gezahlt, mahnt dann Ihr Anbieter jedoch nur dessen eigene Forderungen. Die Beträge für die anderen Telefongesellschaften muss er dann nicht eintreiben. Das heißt: Verbraucher, die nach der wiederholten Zahlungsaufforderung versehentlich nur die Telekombeiträge bezahlen, werden von den Call-by-Call-Anbietern möglicherweise separat angemahnt. Zahlt der Kunde dagegen den gesamten Betrag verspätet, muss die Telekom Deutschland GmbH die fremden Forderungen an die einzelnen Anbieter weiterleiten.

Damit es nicht so weit kommt, muss der Rechnungsbetrag innerhalb einer bestimmten Frist (bei der Telekom Deutschland GmbH innerhalb von 10 Tagen) dem Konto des Anbieters gutgeschrieben sein gutgeschrieben sein. Wichtig: Die Frist beginnt in der Regel erst, wenn die Rechnung in Ihrem Briefkasten oder etwa Email-Postfach liegt. Und das muss Ihr Anbieter im Streitfall beweisen.

Begleichen Sie korrekte Forderungen rechtzeitig oder lassen Sie die Telefonentgelte per Lastschrift von Ihrem Konto abbuchen.

Die Telefonrechnung richtig reklamieren

Wer mit der Telefonrechnung nicht einverstanden ist, sollte diese umgehend beanstanden und dabei folgende Punkte beachten:

  • Einwendungen gegen bestimmte Rechnungsposten sollten Sie sowohl gegenüber dem Anbieter erheben, dessen Forderung Sie reklamieren, als auch zusätzlich gegenüber Ihrem eigentlichen Anbieter, in unserem Beispiel der Telekom. Sind Sie zum Beispiel mit bestimmten Call-by-Call-Entgelten nicht einverstanden, müssen Sie die Einwendung also an den Call-by-Call-Anbieter richten, der die Forderung geltend macht und am besten zusätzlich an Ihren eigentlichen Anbieter, etwa die Telekom.
  • Reklamieren Sie innerhalb von acht Wochen, nachdem Sie die Rechnung erhalten haben. Generell gilt aber: Je früher Sie tätig werden, desto besser. Denn wenn Sie die Einwendungsfrist verpassen, trifft den Anbieter nicht mehr die Nachweispflicht für die einzelnen Verbindungen.
  • Reklamieren Sie die Rechnung und fordern Sie gleichzeitig einen Einzelentgeltnachweis (EEN) sowie die technische Prüfung an.
  • Einige Netzbetreiber akzeptieren nur schriftliche Beschwerden. Unabhängig davon sollten Sie schon im eigenen Interesse Einwände immer schriftlich und möglichst per Einschreiben mit Rückschein oder als Einwurfeinschreiben erheben. Nur so haben Sie im Streitfall handfeste Beweise.
  • Um eine Sperre Ihres Anschlusses zu vermeiden und die Überprüfung zu erleichtern, begründen Sie Ihre Einwendung.
  • Rechnungsbeträge, die Sie nicht reklamieren, müssen Sie fristgerecht zahlen, damit der Anbieter Sie nicht anmahnt.
  • Wollen Sie nur einen Teil der Rechnung zahlen, weil Sie zum Beispiel mit dem Betrag eines Call-by-Call-Anbieters nicht einverstanden sind, informieren Sie immer auch Ihren Rechnungsersteller - in unserem Beispiel die Telekom Deutschland GmbH. Eine Mitteilung, welche Position bei welchem Anbieter Sie nicht bezahlen wollen, reicht aus. Ohne diese Angabe würde der gezahlte Teilbetrag auf alle Telefonanbieter gleichmäßig verteilt. Sie hätten dann alle Forderungen nur teilweise beglichen und müssten damit rechnen, von allen Anbietern eine Mahnung zu bekommen.
  • Zahlen Sie die unstrittigen Teilbeträge lieber sofort. So vermeiden Sie weitere Unannehmlichkeiten. Falls Sie der Telefongesellschaft eine Einzugsermächtigung erteilt haben, können Sie der Lastschriftabbuchung durch die Bank widersprechen und den unbeanstandeten Teil überweisen.

Damit Sie zukünftig immer alles im Blick haben können Sie bei Ihrem Anbieter einen Einzelverbindungsnachweis beantragen. Das geht formlos per Brief oder E-Mail - oft auch online im Kundencenter.

Wer muss was beweisen?

Wenn der Kunde die Telefonrechnung beanstandet, muss der Netzbetreiber nachweisen, dass die Verbindungen richtig berechnet wurden und die technischen Einrichtungen für die Ermittlung der Verbindungsentgelte fehlerfrei funktionierten. Dazu wird dieser in der Regel die Verbindungsdaten in einem Einzelentgeltnachweis (EEN) aufschlüsseln und seine technischen Anlagen überprüfen. Das Ergebnis der Prüfung muss er dem Kunden nur auf Verlangen vorlegen.

Wegen der Beweisnachteile sollten Sie bei Vertragsschluss keinesfalls der sofortigen Löschung Ihrer Verbindungsdaten zustimmen. Besser ist es, die Daten auch nach Rechnungsversand ungekürzt speichern zu lassen. Geben Sie sich bei der technischen Prüfung nicht mit einer nichts sagenden Zertifizierungsbescheinigung zufrieden, sondern bestehen Sie auf ein kostenloses Prüfprotokoll. Solange Ihnen der Netzbetreiber keines vorlegt, brauchen Sie die Rechnung nicht zu zahlen.

Ergibt die Prüfung Mängel, wird zu Gunsten des Kunden vermutet, dass der Rechnungsposten falsch ist. Sind dagegen technische Prüfung und EVN in Ordnung, muss der Verbraucher darlegen, dass die Rechnung dennoch nicht korrekt ist. Der bloße Hinweis auf die eigene Abwesenheit genügt insbesondere dann nicht, wenn das Telefon Familienmitgliedern, Untermietern oder Nachbarn zugänglich war. Nur wer nachweislich mit allen Mitteln versucht hat, den Zugang zu seinem Telefon zu verhindern, muss für Telefonverbindungen Dritter nicht aufkommen. So haben Kunden bei einem Telefonmissbrauch durch einen Einbrecher in der Regel gute Karten.

Lassen Sie sich bei Fragen zu Ihrer Telefonrechnung von der Verbraucherzentrale beraten.

Für Einwendungen gegen eine Telefonrechnung können Sie hier einen Musterbrief herunterladen.