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Stromsperre - was nun?

Stand:

Krank, ohne Job, verschuldet oder in den Mühlen der Bürokratie: Es gibt viele Gründe für eine Stromsperre. Wir sagen Ihnen, was Sie tun können, wenn die Abschaltung droht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zahlungen für Strom, Heizung und Miete sollten immer Vorrang haben. Bereits ab einem Zahlungsrückstand von 100 Euro kann Ihnen der Strom abgeklemmt werden.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Abschlagszahlungen zu Ihrem Stromverbrauch passen und lesen Sie Ihre Zählerstände regelmäßig ab.
  • Die Versorgungsunterbrechung kann unberechtigt sein, wenn die ausstehende Forderung gering ist, aber die Folgen der Sperre eine besondere Härte darstellen.
  • Eine Energiesperre zu verhindern ist leichter zu bewerkstelligen, als einen gesperrten Anschluss wieder freizuschalten.
Nahaufnahme eines Stromzählers.
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Stellen Sie sich vor, Sie stehen morgens auf und der Strom ist weg: Es gibt kein Licht, keinen Kaffee, kein Frühstücksei, keine Morgenmusik und keine warme Dusche. Genau das ist einer Mutter von 2 Kindern passiert. Die Alleinerziehende hatte sich darauf verlassen, dass das Jobcenter die monatlichen Abschläge für ihren Strom bezahlt. Aber das war nicht passiert.

Die Gründe für eine Stromsperre sind vielfältig. Es kann fast jeden treffen. Vor allem Menschen mit geringem Einkommen sind bei gleichzeitig steigenden Energiekosten gefährdet. Zu diesem Resultat kommt auch eine aktuelle Untersuchung der Marktwächter Energie im Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Wann darf der Versorger den Strom abschalten?

Bereits ab einem Zahlungsrückstand von 100 Euro kann Ihr Versorger den Strom oder das Gas abklemmen. Davor muss er allerdings bestimmte gesetzliche Vorgaben einhalten. Er darf eine Energiesperre verhängen, wenn

  • er die Sperre vier Wochen vorher androht,
  • den Vollzug der Sperre drei Werktage vorher ankündigt,
  • der Verbraucher mindestens einen Betrag von 100 Euro nicht gezahlt hat und
  • die Sperre verhältnismäßig ist bzw.
  • der Verbraucher dem Energieversorger nicht in Aussicht stellt, seinen Zahlungspflichten nachzukommen.

Im Fall der jungen Mutter kam der finale Brief mit der Sperr-Androhung am Freitagnachmittag mit der Post. Sie sollte bis Montagfrüh 1.000 Euro bezahlen, auf diesen Betrag hatten sich die nicht gezahlten Abschläge ohne ihr Wissen aufsummiert. Doch so viel konnte sie übers Wochenende nicht auftreiben.

Gibt es aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie besondere Regelungen?

Ja! Um die durchgehende Versorgung mit Strom, Gas und Wasser sicherzustellen, hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, Zahlungen bis zu drei Monate lang aufzuschieben, zunächst jedoch maximal bis zum 30. Juni. Das ist jedoch an Bedingungen geknüpft:

  • Wichtig ist, dass Sie sich gegenüber dem Energieversorger auf dieses temporäre Leistungsverweigerungsrecht berufen. Dazu müssen die Umstände für den Zahlungsverzug direkt auf das Virus und auf dessen Verbreitung zurückzuführen sein – etwa weil Sie dadurch arbeitslos geworden oder in Kurzarbeit geraten sind und nun zu wenig Geld zur Verfügung haben. Sollten Sie oder andere Mitglieder Ihres Haushalts nicht betroffen sein, können Sie sich nicht auf das Leistungsverweigerungsrecht berufen.
  • Der Energieversorgungsvertrag muss vor dem 8. März 2020 geschlossen worden sein.

Wichtig: Ein Zahlungsaufschub ist keine Zahlungsbefreiung! Den ausstehenden Betrag müssen Sie nur später zahlen. Setzen Sie daher unbedingt Prioritäten in Ihrem Zahlverhalten und tätigen Sie existenzielle Zahlungen wie etwa für Strom vor anderen. Wenn Sie Ihre Abschläge nicht mehr bezahlen können, sprechen Sie mit Ihrem Energieversorger. Möglicherweise können Sie zumindest Teilzahlungen leisten, um die Zahlungsrückstände gering zu halten. Denn aufgelaufene Zahlungsrückstände können Ihr Budget auch zu einem späteren Zeitpunkt besonders stark belasten. Deutet sich an, dass Sie auch nach Ablauf der Stundung nicht zahlen können, suchen Sie sich frühzeitig Hilfe und melden Sie sich bei Ihrem Energieversorger.

Geraten Sie – unabhängig von der Corona-Pandemie - in Zahlungsschwierigkeiten, stehen Ihnen selbstverständlich weiterhin die unten beschriebenen Lösungsmöglichkeiten offen. Suchen Sie auch hier frühzeitig den Kontakt zu Ihrem Versorger.


Hinweis: Alle unsere Informationen für Verbraucher in Corona-Zeiten finden Sie übrigens auf unserer Übersichtsseite zum Thema.


Wie kann ich mich vor Zahlungsrückständen und einer Stromsperre schützen?

Bezahlen Sie Ihre Abschläge regelmäßig und pünktlich. Denn wenn Zahlungsrückstände auflaufen, ist Ihr Energieversorger berechtigt, die Belieferung mit Energie einzustellen. Zahlungen für Strom, Heizung und Miete sollten für Sie darum immer Vorrang haben. Generell gilt: Diese Zahlungen müssen vor allen anderen Rechnungen beglichen werden.

  • Verbraucher, die Leistungen von Jobcenter oder Sozialamt beziehen, können ihre Abschläge auch direkt vom Sozialleistungsträger an den Energieversorger überweisen lassen. Gut zu wissen: Sie können einen formlosen Antrag direkt bei der entsprechenden Behörde stellen.
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Haushaltsfinanzen und achten Sie darauf, dass Ihre Ausgaben nicht Ihre Einnahmen übersteigen.
  • Notieren Sie Ihre Einkünfte und Ausgaben für jeden Monat z.B. in einem Haushaltsbuch. So haben Sie immer im Blick, wohin Ihr Geld fließt.
  • Halten Sie fest, wie viel Geld Sie im Monat für Miete, Nebenkosten, Strom, Versicherungen etc. benötigen. Den Rest Ihrer Einnahmen können Sie für Ihre Lebenshaltung ausgeben oder sogar ansparen. Kontrollieren Sie Ihre Ausgaben sorgfältig - dann können Sie auch ein knappes Budget sinnvoll verwalten.
  • Bei Minirente und geringem Einkommen lohnt es sich für Sie zu prüfen, ob ein ergänzender Anspruch auf staatliche Hilfen (Wohngeld, Grundsicherung etc.) besteht.

Wie behalte ich meinen Energieverbrauch unter Kontrolle?

Lesen Sie Ihre Zählerstände regelmäßig - mindestens einmal im Quartal - ab und notieren Sie diese z.B. in einer Tabelle. Nutzen Sie darüber hinaus konsequent Ihre individuellen Möglichkeiten der Energieeinsparung.

Achten Sie darauf, dass Ihre Abschlagszahlungen zu Ihrem Stromverbrauch passen und weder zu niedrig noch deutlich zu hoch bemessen sind. Zu niedrige Abschlagszahlungen führen zu hohen Nachforderungen bei der Jahresrechnung. Bei zu hohen Abschlagszahlungen können Sie sich bei der Jahresrechnung auf eine Rückzahlung freuen - doch fehlt das Geld in den Vormonaten vielleicht an anderer Stelle.

  • Prüfen Sie Ihre Abschlagszahlungen und lassen Sie diese bei Bedarf von Ihrem Stromversorger an den tatsächlichen Energieverbrauch anpassen.
  • Manchmal ist es sinnvoll zu prüfen, ob ein Tarif- oder Anbieterwechsel zur Kosteneinsparung beiträgt.
  • Achtung: Bedenken Sie auch, dass der günstigste Anbieter nicht automatisch der für Sie beste Anbieter sein muss.

Was kann ich machen, wenn die Stromsperre kurz bevorsteht oder der Energieversorger den Strom bereits abgestellt hat?

Wenn Sie Zweifel daran haben, dass die Energiesperre berechtigt ist, suchen Sie sich frühzeitig Hilfe bei der Verbraucherzentrale, einer gemeinnützigen Schuldnerberatungsstelle oder bei einem Rechtsanwalt. Die Versorgungsunterbrechung kann beispielsweise unberechtigt sein, wenn die ausstehende Forderung gering ist, aber die Folgen der Sperre eine besondere Härte für den betroffenen Haushalt darstellen.

Die junge Mutter blieb am Ende „nur“ 4 Tage ohne Strom. 4 Tage, in denen sie telefonisch schwer erreichbar war, nicht waschen und nicht kochen konnte. Eine Situation, die sie auch wegen ihrer kleinen Kinder als „unmenschlich“ beschreibt. Sie hat sich juristische Hilfe gesucht, nachdem sie allein beim Versorger und dem Jobcenter keinen Erfolg hatte. Kurz darauf bezahlte das Jobcenter die fehlenden Abschläge und sie wurde wieder ans Stromnetz angeschlossen.

In der Regel gilt: Eine Energiesperre zu verhindern ist leichter zu bewerkstelligen als einen gesperrten Anschluss wieder freizuschalten. Außerdem fallen bei einer Sperre weitere Kosten an - denn sowohl die Sperrung selbst als auch die Entsperrung kosten Geld. Diese Zusatzkosten treiben die Rechnung zusätzlich in die Höhe.

Doch auch wenn die Sperre berechtigt ist, gilt: Werden Sie aktiv und bemühen Sie sich frühzeitig um Hilfe.

Strom gesperrt: Tipps für den Notfall

Das können Sie tun, wenn der Strom abgeschaltet wurde:

1. Kontaktieren Sie Ihren Energieversorger

Erläutern Sie Ihre aktuelle finanzielle und persönliche Situation und fragen Sie gezielt nach Möglichkeiten, die Sperre aufzuheben.

2. Suchen Sie sich Unterstützung

In Akut-Situationen berät Sie jede Beratungsstelle der Verbraucherzentrale kostenlos. Auch Schuldner- und Sozialberatungsstellen zeigen Ihnen Lösungsmöglichkeiten auf.

3. Fragen Sie bei kommunalen Sozialleistungsträgern nach finanziellen Soforthilfen

Wenn Sie Sozialleistungen beziehen, sollte Ihr Jobcenter oder Sozialamt die Energieschulden im Normalfall darlehensweise übernehmen.

Ist Ratenzahlung eine sinnvolle Möglichkeit?

Ratenzahlung kann durchaus eine sinnvolle Alternative sein. Versuchen Sie mit Ihrem Energieversorger eine Ratenvereinbarung auszuhandeln. Denn der Energieversorger sollte nach Auffassung der Verbraucherzentrale im Vorfeld einer Energiesperre prüfen, ob es mildere Mittel zur Durchsetzung seiner Forderung gibt. Die Vereinbarung einer Ratenzahlung gehört dazu. Dabei gilt: In der Regel werden keine Ratenzahlungen auf offene Abschläge gewährt, sondern nur auf Forderungen aus der Jahresendabrechnung.

  • Achten Sie darauf, dass die Raten aus dem verfügbaren Einkommen bezahlt werden können. Tragfähig ist eine Zahlungsvereinbarung nur dann, wenn Sie es schaffen, über einen längeren Zeitraum neben den geforderten Raten auch die laufenden Abschläge zu bezahlen.
  • Achtung: Stellen Sie bei Zahlungen unmissverständlich klar, welcher Anteil der Summe auf laufende Abschlagszahlungen entfällt und welcher auf die Altforderung. Hierdurch vermeiden Sie erneute Zahlungsrückstände.

Gibt es Alternativen zur Ratenzahlung?

Wenn keine Ratenzahlung möglich ist, sollten Sie sich an das örtliche Jobcenter bzw. Sozialamt wenden. Dort können Sie einen Antrag auf Übernahme der Energieschulden stellen. Sollte der Antrag bewilligt werden, erfolgt dies im Regelfall auf Darlehensbasis. Dieses Darlehen muss ab dem Folgemonat zurückgezahlt werden, z.B. durch Aufrechnung mit Ihren monatlichen Leistungen.

  • Den Antrag können Sie formlos stellen. Wir empfehlen allerdings, ihn schriftlich zu stellen und den Empfang vom Sozialleistungsträger quittieren zu lassen.
  • Auch als Arbeitnehmer mit geringem Einkommen können Sie beim Sozialamt einen Antrag auf Übernahme der Energieschulden stellen, wenn Sie den Forderungen aus eigenen Mitteln nicht nachkommen können und alle anderen Möglichkeiten wie z.B. Ratenzahlungsvereinbarungen mit dem Energieversorger ausgeschöpft sind.
  • Verhandlungen mit dem Energieversorger und den Sozialleistungsträgern können unter Umständen schwierig und zeitintensiv werden. An dieser Stelle sind Eigeninitiative, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen gefragt.
  • Bei Bedarf holen Sie sich Unterstützung bei örtlichen Sozialberatungsstellen oder der Verbraucherzentrale.

Was kann ich gegen die zusätzlichen Kosten im Rahmen der Rechnungsstellung machen?

Generell gilt: Zahlen Sie Ihre Abschläge oder Rechnungen nicht zum vereinbarten Zeitpunkt an den Energieversorger, geraten Sie in Verzug. Den daraus entstandenen Schaden kann der Energieversorger von Ihnen ersetzt verlangen.

Aber Achtung: Neben den Sperrkosten und den Kosten für die Entsperrung machen Energieversorger häufig zusätzliche Kosten mit ihrer Rechnung geltend. Hier gilt die Devise: Nicht alle Kostenpositionen auf der Rechnung sind automatisch auch zulässig.

Welche Kosten sind bei einer Stromsperre zulässig - und welche nicht?

Mahnkosten sind bis zu einem Betrag von etwa 2,50 Euro pro Mahnbrief zulässig und müssen grundsätzlich bezahlt werden. Mahnt der Energieversorger eine Zahlung jedoch mehrfach an, ist zu beachten, dass lediglich die Kosten für zwei bis drei Mahnschreiben zu bezahlen sind.

Inkassokosten müssen im Regelfall nicht bezahlt werden. Ausnahme: der Energieversorger macht den Zahlungsrückstand durch ein externes Inkassobüro gerichtlich geltend, indem dieses einen Mahnbescheid beantragt, der schließlich in einem Vollstreckungsbescheid endet. In diesem Fall sind 25 Euro für den Aufwand des Inkassobüros (zzgl. Gerichtskosten für das Mahnverfahren) zu bezahlen.

Die Kosten eines Inkassobüros sind zudem zu zahlen, wenn Sie Mahnungen des Versorgers komplett ignoriert haben, ihm also weder gesagt haben, dass die Forderung falsch sei noch dass Sie Zahlungsprobleme o.ä. haben.

Macht der Energieversorger die Kosten für eine rechtmäßige Stromsperre geltend, so ist dies zulässig. Er kann die Bezahlung der Sperr- und Entsperrungskosten sogar vor dem Wiederanschluss der Stromversorgung verlangen. Sind die Kosten höher als 50 Euro pro Vorgang, empfehlen wir, sich die Berechnungsgrundlage des Energieversorgers nachweisen zu lassen, um zu prüfen, ob die Kosten nicht zu hoch angesetzt sind.

  • Wenn Sie Zweifel an der Berechtigung von Kosten haben, ist es empfehlenswert, der entsprechenden Teilforderung zu widersprechen und nur den unbestrittenen Rechnungsbetrag zu überweisen. Bezüglich der strittigen Rechnungsposten sollte eine Prüfung erfolgen bzw. darüber verhandelt werden.
  • Der Kostendschungel der Energieversorger ist häufig nicht nachvollziehbar. Wenn Sie die Kosten auf Ihrer Rechnung nicht mehr verstehen, wenden Sie sich gerne an die Verbraucherzentrale. Hier werden die einzelnen Kostenpositionen mit einem geschulten Auge überprüft. Von der Verbraucherzentrale erhalten Sie darüber hinaus nützliche Tipps für eine Verhandlung mit dem Energieversorger. Bei Bedarf übernehmen wir auch Ihre außergerichtliche Rechtsvertretung.