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Wann zu viel Risiko kritisch wird

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Mit dem Thema Risiko machen Anleger nicht immer gute Erfahrungen. Wer etwa Geld in Aktien der Telekom oder des Neuen Marktes angelegt hatte, wird den Börsen meist nichts Positives abgewinnen können. Risiko ist aber nicht nur schlecht, denn mit Risiken sind auch immer Chancen verbunden. Entscheidend ist es, schlechte Risiken zu meiden und stattdessen die guten Risiken zu tragen.

Schlechte Risiken sind solche, die bei einzelnen Wertpapieren auftreten, denn dabei kann man alles verlieren. Beispiele gibt es zuhauf: Die Babcock Borsig AG war einst im Aktienindex MDAX enthalten, KarstadtQuelle AG und Praktiker AG waren beide einmal im DAX gelistet. Dass auch Weltkonzerne keine sichere Bank sind, zeigen Enron, Worldcom, Lehman Brothers oder General Motors.

Gute Risiken dagegen sind solche, die nur die Entwicklung des gesamten Aktienmarktes betreffen, gemessen an einem Aktienindex. Dazu ein Beispiel: Als die "Volksaktie" Telekom an die Börse ging, stand der DAX noch bei unter 3.000 Punkten, heute notiert er rund viermal so hoch. Manche Anleger hätten heute wohl ein anderes Verhältnis zum Aktienmarkt, wenn sie damals gut beraten worden wären. Viele der damaligen Bankberater feuerten den Hype an, schließlich verdienten die Banken an dem Börsengang glänzend. Besser beraten gewesen wären die Anleger, wenn sie damals statt eine Aktie zu kaufen einfach einen Anteil am gesamten Aktienmarkt gekauft hätten. Wie das geht? Mit guten Aktienfonds, am besten mit preiswerten Indexfonds. Mehr dazu unter "Was kommt in der Kategorie Aktien in Frage?".

Bevor Sie aber am Aktienmarkt Geld anlegen, gibt es eine zentrale Frage, die nur Sie alleine beantworten können: Wollen Sie für mehr Chancen auch mehr Risiko tragen und wenn ja, wo liegt Ihre Schmerzgrenze? Auf wie viel Euro (oder Prozent der Anlagesumme) könnten Sie im schlimmsten Fall verzichten? Viele Anleger tun sich schwer, hierauf eine Antwort zu finden. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit dafür. Blicken Sie dabei nicht nur auf die Risiken, wägen Sie auch die Chancen ab. Ihr Bauchgefühl ist dabei wichtig, denn wenn Sie sich nicht wohl fühlen, sobald es an den Aktienmärkten mal wieder kracht – und das tut es andauernd – sollten Sie die Finger davon lassen oder den Aktienanteil begrenzen.

Wie kann ein Mischungsverhältnis konkret aussehen?

Anlagebetrag: 100,- Euro monatlich (Summe 24.000,- Euro)

Verlustrisiken bei verschiedenen Aktienquoten nach 20 Jahren Anlagedauer (Zins: 1%, Aktienrendite 5%)
Aktienquote Normales Aktienumfeld Sehr negatives Aktienumfeld
20% Aktien 28.900,- € 23.700,- €
50% Aktien 32.800,- € 19.300,- €
80% Aktien 37.300,- € 15.000,- €

Die Beispiele zeigen, dass sich das Risiko durchaus auch lohnen kann. Bei den Berechnungen wurde ein Zinssatz für sichere Anlagen von einem Prozent angenommen und für ein normales Aktienumfeld eine Rendite von fünf Prozent. Das sehr negative Aktienumfeld setzt eine Halbierung der Aktienwerte voraus, was historisch bei weltweiter Streuung auch in etwa das maximale Verlustrisiko war, wenngleich es auf Sicht von 20 Jahren noch nie in dieser Höhe eingetreten ist.

Ein sehr positives Aktienumfeld mit einer Vervielfachung der Geldanlage haben wir hier bewusst außen vor gelassen, obwohl es ebenso (un)wahrscheinlich ist wie ein sehr negatives. Wenn es besser kommt als erwartet, können Sie sich darüber freuen, unbedingt zu vermeiden sind aber böse Überraschungen.

Ein Punkt ist beim Thema Risiko noch wichtig: Wer das Geld zum Leben braucht, kann damit natürlich auch kein Risiko eingehen. Einige ältere Menschen beispielsweise, die Geld aus einer fälligen Lebensversicherung anlegen wollen, sind auf diese Reserven angewiesen.