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Welche Nachteile haben ETFs?

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Börsengehandelte Indexfonds (ETFs), haben viele Vorteile. Aber keine Produktklasse ist ohne Nachteile -  – auch ETFs nicht. Anleger sollten dennoch genau hinschauen, bevor sie einen ETF kaufen. Denn auch bei diesen in der Regel kostengünstigen Produkten ist nicht alles so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Kontrahentenrisiko von Swap ETFs

Durch den Abschluss einer Swap-Vereinbarung entsteht ein so genanntes Kontrahentenrisiko: Der ETF ist davon abhängig, dass der Swap-Partner (der Kontrahent) seinen Verpflichtungen auch nachkommt. Sollte die Bank aber in die Insolvenz rutschen, bleibt der ETF auf eventuell bestehenden Forderungen aus dem Swap-Vertrag sitzen - und das Geld der Anleger ist weg. Denn: Der Swap ist nicht Teil des Sondervermögens.

Die Auswirkungen des Kontrahentenrisikos sind allerdings durch die europäischen Vorschriften zur Regulierung von Investmentfonds (OGAW) begrenzt: Der Wert der Swaps darf höchstens zehn Prozent des Fondsvermögens betragen. ETF-Anbieter betonen zudem immer wieder, dass der tatsächliche Swap-Wert normalerweise deutlich unter dieser Zehn-Prozent-Grenze liegt.

Zusätzlich treffen die verschiedenen ETF-Anbieter Vorkehrungen, um das Kontrahentenrisiko zu mindern. So werden die Swap-Partner zum Teil dazu verpflichtet, Sicherheiten für ihre Verpflichtungen zu hinterlegen, die über den tatsächlichen Wert des Swaps hinausgehen. Diese Besicherungs-Verpflichtungen sind aber in aller Regel nicht in den Verkaufsprospekten verankert. Anleger sollten sich daher nicht komplett auf diese Versprechungen verlassen.

Einige Anbieter setzen statt auf Besicherungen der Swap-Vereinbarungen lieber auf Verträge mit verschiedenen Banken, um das Risiko des Ausfalls eines einzelnen Vertragspartners zu begrenzen. Den Nutzen dieser so genannten Multi-Kontrahenten-Strukturen für Anleger zu beziffern, ist nur schwer möglich.

Kosten bei Swap ETFs

Ein weiteres Problem: Anleger können die Gebühren für die Swaps nicht nachvollziehen. Denn Swaps werden nicht an Börsen gehandelt, sondern frei zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt. Da die ETF-Anbieter oft Teil von riesigen Bankkonzernen sind und die Swap-Verträge mit ihren Mutterhäusern abschließen, besteht die Gefahr, dass die Anleger dabei durch überhöhte Gebühren geschädigt werden.

Die Anbieter stellen statt dieser Probleme allerdings lieber die angeblichen Vorteile von Swap-ETFs in den Vordergrund: die unkomplizierte Abbildung komplizierter Indizes und die Kostenersparnis - auch für Anleger. Tatsächlich müssen die genannten Risiken und Probleme nicht gegen den Kauf von Swap-ETFs sprechen. Nur sollte jeder wissen, worauf er sich mit dem Kauf eines synthetisch replizierenden ETF einlässt.

Kosten und Risiken von physisch replizierenden ETFs

Auch ETFs, die physisch replizieren, also die in einem Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich auch im Fondsvermögen halten, haben so ihre Tücken. Praktisch alle Gesellschaften behalten sich nämlich die Möglichkeit vor, die Wertpapiere im Besitz des Fonds zu verleihen. Die Leihenden können zum Beispiel Spekulanten sein, die auf den Absturz einer bestimmten Aktie setzen und diese deshalb leer verkaufen wollen.

Um diese Aktie vom ETF leihen zu können, müssen sie eine Gebühr an den Fonds zahlen. Durch die Wertpapierleihe entstehen also Zusatzeinnahmen für die Anleger. Das ist zunächst einmal positiv - schließlich verbessert sich dadurch die Rendite ihres Investments.

Allerdings gibt es dabei auch Probleme. Zum einen gibt es höhere Renditen nicht ohne ein höheres Risiko. Und so stellt auch die Leihgebühr letztlich eine Entschädigung für das Risiko dar, das der ETF eingeht, indem er die Wertpapiere aus der Hand gibt. Denn: Sollte der Ausleihende zahlungsunfähig werden, erhält der ETF die Papiere womöglich nicht zurück. Die ETF-Anbieter versuchen, sich dagegen abzusichern, indem sie Wertpapiere nur gegen Sicherheiten verleihen. Ein hundertprozentigen Schutz lässt sich aber auch dadurch nicht gewährleisten.

Das womöglich noch größere Problem ist aber: Die Anleger müssen zwar das volle Risiko der Wertpapierleihgeschäfte tragen - von den Erträgen erhalten sie aber nur einen Teil. Die ETF-Anbieter räumen sich in den Verkaufsprospekten normalerweise das Recht ein, 50 Prozent der Erträge aus Leihgeschäften für sich zu behalten.

Fazit: ETFs sind gegenüber aktiv gemanagten Fonds eine interessante Alternative, haben aber gewisse Tücken, die man kennen muss

Auch wenn ETFs gegenüber aktiv gemanagten Fonds viele Vorteile haben, müssen Verbraucher vor der Entscheidung zum Kauf auch die oben dargestellten Nachteile in die Überlegungen mit einfließen lassen. Aber trotz dieser Schwächen schneiden ETFs im direkten Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds gut ab – und sogar relativ transparent. Und die Nachteile der ETFs treffen zum Teil auch auf aktiv gemanagte Fonds zu – denn auch diese verwenden beispielsweise Derivate oder tätigen Wertpapiergeschäfte.