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Stevia – zuckerfreie Süße mit fraglichem natürlichem Image

Stand:

Steviablätter gelten in der EU als neuartiges Lebensmittel. Als Lebensmittel dürfen die Blätter nicht verwendet werden. Ausnahmen sind die Verwendung in Kräuter- und Früchtetees und die Verarbeitung zu einem Süßstoff.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Stevia-Pflanze und ihre Blätter gelten in der EU als neuartiges Lebensmittel und sind als solches bisher nicht zugelassen.
  • Eine Ausnahme ist die Verwendung von Steviablättern als Zutat für Teemischungen, da die Blätter bereits vor 1997 in Tees in der EU eingesetzt wurden.
  • Extrakte aus der Stevia-Pflanze (Steviolgylcoside) sind als Süßstoff E960 mit gesetzlich festgelegten Höchstmengen zugelassen. Der Süßstoff fällt nicht unter die Novel-Food-Verordnung, so dass dieser für diverse Lebensmittel eingesetzt werden darf.
  • E960 ist etwa 200-400 Mal süßer als Haushaltszucker.
Stevia Pflanze
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Was steckt hinter den Werbeversprechen für Stevia bzw. Steviolglycoside?

Verbrauchern wird oft das Bild einer "gesunden Süße aus der Natur" vermittelt

Während Stevia eine natürliche Pflanze mit einer komplexen Struktur ist, werden Steviolglycoside mittels eines chemischen, mehrstufigen Extraktionsverfahrens aus der Pflanze isoliert und müssen gesetzlich definierte Reinheitsanforderungen erfüllen. Auch wenn der Rohstoff eine Pflanze ist, haben der Herstellungsprozess und die gewonnenen Extrakte mit "Natürlichkeit" nicht mehr viel zu tun.

Somit ist der Süßstoff ein Industrieprodukt – so wie auch raffinierter Zucker ein Industrieprodukt ist, der aus der "natürlichen" Pflanze der Zuckerrübe bzw. des Zuckerrohrs gewonnen wird.

Der Süßstoff soll eine "gesunde Alternative für Zucker" sein

Vor etwa 10 Jahren hat Stevia hierzulande einen großen Hype ausgelöst. Die Hoffnung war groß, dass alle Probleme rund um das Thema Diabetes bzw. Zuckerkonsum gelöst seien – diese Wunschvorstellung ist jedoch nicht eingetreten.

Steviolglycoside liefern in der Tat keine Kalorien, da sie für den Menschen unverdaulich sind. Aufgrund der besonderen sensorischen Eigenschaften wie einer relativ langsam einsetzenden Süße und dem lakritzartigen, bitteren Beigeschmack lässt sich Zucker jedoch nur zu einem geringen Anteil in Lebensmitteln durch den Süßstoff ersetzen. Zudem muss beim Backen auch das fehlende Volumen des Zuckers ausgeglichen werden, wenn Zucker durch Steviolglycoside ersetzt werden soll.

Stevia ist in Südamerika seit langer Zeit als Heilkraut bekannt und wird dort bei diversen Beschwerden eingesetzt. Angeblich soll Stevia blutzucker- und blutdrucksenkend, gefäßerweiternd, Zahnbelag hemmend und antimikrobiell wirken. Diese Wirkungen sind jedoch wissenschaftlich nicht bewiesen. Aussagen zu gesundheitlichen Wirkungen von Stevia oder Steviolglycosiden sind daher auf Lebensmitteln nicht zugelassen.

"Stevia Streusüße"

Diese Formulierung auf Tafelsüße / Streusüße vermittelt Verbrauchern einen falschen Eindruck über die Zusammensetzung, da diese ein kalorienfreies Produkt ausschließlich aus Steviolglycosiden erwarten. Doch das trifft in den meisten Fällen nicht zu.

Oftmals dienen kalorienhaltige Stoffe, wie der Mehrfachzucker Maltodextrin oder Haushaltszucker als Füllstoff. Manche Hersteller verwenden stattdessen auch den kalorienfreien Zuckeraustauschstoff Erythrit. Wer komplett auf Kalorien verzichten möchte, sollte daher die Zutatenliste genau studieren.

Ein Beispiel: Borchers Kristalline Streusüße Stevia

Welche gesundheitlichen Risiken hat/haben Stevia bzw. Steviolglycoside?

Frühere Bedenken, dass Stevia krebserregend und erbgutschädigend sei, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in einem Gutachten ausgeräumt, solange die Höchstmengen eingehalten werden.

In Lebensmitteln dürfen nur geringe Mengen verwendet werden, um zu gewährleisten, dass die von der EFSA festgelegte tägliche Aufnahmemenge (ADI-Wert) nicht überschritten wird.

Der ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) gibt die Menge eines Stoffes an, die über die gesamte Lebenszeit täglich verzehrt werden kann, ohne dass dadurch gesundheitliche Gefahren zu erwarten sind.

Für Steviolglycoside liegt der ADI-Wert bei vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Dieser kann vor allem von Kindern aufgrund ihres geringen Körpergewichts leicht überschritten werden. Deshalb gelten für Erfrischungsgetränke niedrigere Höchstmengen. Steviolglycoside sind in der EU für mehr als 30 Lebensmittelkategorien zugelassen, so dass es auch zu erhöhten Aufnahmemengen kommen kann, wenn mehrere Produkte zu sich genommen werden, die mit Stevia gesüßt wurden.

Was ist Stevia und was steckt drin?

Die Pflanze Stevia rebaudiana ist auch als Süßkraut oder Honigkraut bekannt und kommt ursprünglich aus Südamerika, wird heute aber auch in China angebaut. Die Blätter der Pflanze enthalten süß schmeckende Pflanzenstoffe, die sogenannten Steviolglycoside. Traditionell werden die getrockneten und zerkleinerten Steviablätter in Südamerika zum Süßen von Tees und Speisen verwendet.

Als Stevia wird auch oft – nicht ganz korrekt - das Stoffgemisch aus verschiedenen Steviolglycosiden bezeichnet, welches aus den Blättern extrahiert wird. Glycoside sind Pflanzenstoffe, die zwecks Wasserlöslichkeit und Transport innerhalb der Pflanze an einen Zuckerrest gebunden sind. Bisher sind etwa elf Steviolglycoside bekannt, die für den süßen Geschmack verantwortlich sind.

Weitere Inhaltsstoffe der Blätter sind u.a. sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamin C, Vitamin B1, Eisen, Magnesium, Selen, Zink und ungesättigte Fettsäuren.

Wofür wird Stevia verwendet?

Bei der Verwendung von Stevia muss man zwischen den Steviablättern und dem Steviaextrakt unterscheiden.

Die Blätter der Steviapflanze fallen als "neuartige Lebensmittel" unter die sogenannte Novel-Food-Verordnung. Das bedeutet, dass das Kraut so lange nicht als Lebensmittel verkauft werden darf, bis seine gesundheitliche Unbedenklichkeit nachgewiesen ist. Das ist bislang nicht geschehen.

Es gibt allerdings zwei Ausnahmen:

  • Kräuter- und Früchteteemischungen dürfen Steviablätter seit 2017 als Zutat beigemischt werden. Für alle anderen Lebensmittel ist der Einsatz aber verboten.
  • Der Extrakt aus den Blättern, die Steviolglykoside, sind dagegen als Süßstoff E960 in der EU zugelassen. In über 30 Lebensmittelkategorien, meist kalorienreduzierten Produkten, werden die Steviolglycoside eingesetzt.

Auf dem Markt findet man beispielsweise Erfrischungsgetränke, Marmeladen, Joghurts, Ketchups, Bonbons, Lakritze und sogar Schokolade, die mit Steviolglycosiden gesüßt sind. Der Süßstoff ist nur für konventionelle Lebensmittel zugelassen – in biologisch erzeugten Produkten ist er deshalb nicht zu finden.

Auch Tafelsüßen, also Streu-, Flüssigsüße oder Tabletten zum Süßen von Getränken oder Speisen mit Steviolglycosiden, sind auf dem Markt zu finden.

Für kosmetische Zubereitungen werden wässrige Ansätze mit Pulver aus Steviablättern hergestellt, welche beispielsweise in Cremes, Lotionen oder Badezusätze eingerührt werden. Das Pulver wird auch gerne zur Zahnpflege angeboten.

Was ist beim Verzehr von Stevia zu beachten?

Verbraucher sollten bei täglichem Verzehr von mit E960 gesüßten Lebensmitteln auf die Einhaltung der festgelegten duldbaren, täglichen Aufnahmemenge von 4mg pro Kilogramm Körpergewicht achten – besondere Vorsicht gilt beim Einsatz von Tafelsüße mit Steviolglycosiden, denn auf der Verpackung fehlen oft entsprechende Hinweise.

  • Tafelsüße mit Steviolglycosiden sind um ein Vielfaches teurer als die hinsichtlich der Süßkraft vergleichbare Menge Haushaltszucker oder anderer Süßstoffe.
  • Steviablätter müssen einen weiten Weg hinter sich bringen, um zu uns zu gelangen – der Transport belastet unnötig die Umwelt und das Klima.
  • Die Verwendung von Süßstoffen unterstützt zudem den Gewöhnungseffekt an den süßen Geschmack.
  • Steviablätter, die als Kosmetikprodukte vermarktet werden, dürfen nicht als Lebensmittel bezeichnet werden bzw. darf auch nicht der Eindruck entstehen, dass es sich um ein Lebensmittel handelt.