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Tötung von Eintagsküken: Diese Alternativen gibt es

Stand:

Wer Eier von speziellen Initiativen oder von so genannten Zweinutzungshühnern kauft, kann heute schon den frühen Tod männlicher Küken verhindern. Das Bundeskabinett hat einem Gesetzesentwurf zugestimmt, der das Töten von Eintagsküken ab Anfang 2022 verbieten wird.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Deutschland soll das millionenfache Töten männlicher Eintagsküken gesetzlich verboten werden.
  • Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft kritisiert die Gesetzespläne und beklagt Wettbewerbsnachteile für die deutsche Geflügelwirtschaft.
  • Für ein paar Cent mehr gibt es heute schon Eier von Produzenten, die auch männliche Küken aufziehen.
  • Die ersten Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei werden von Brütereien angewendet.
Eintagskücken
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Früher war es auf den bäuerlichen Betrieben so, dass die Hennen für die Eiproduktion und die männlichen Tiere für das Hähnchenfleisch gehalten wurden. Doch Mitte des letzten Jahrhunderts sind die Hühner auf zwei unterschiedliche Zwecke hin gezüchtet worden: Heute gibt es die Rassen der Hochleistungs-Legehennen und die Rassen der Masthühner. Die männlichen Küken der Legehühnerrassen legen natürlich keine Eier und ihre Mast lohnt sich wirtschaftlich gesehen nicht. Denn im Vergleich zu den Masthühnerrassen setzen diese Tiere nur sehr langsam Fleisch an. Daher werden sie in der Regel direkt nach dem Schlüpfen getötet. Das betrifft alle Haltungsformen – auch die "Brüder" der Bio-Legehennen.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 45 Millionen männliche Küken auf diese Weise "entsorgt". Das betrifft nur die männlichen Küken der Legerassen. Bei den Masthühnern werden keine Küken getötet, da hier beide Geschlechter gemästet werden.

Töten der Eintagsküken soll per Gesetz ab 1. Januar 2022 verboten sein

Als erstes Land will Deutschland nun per Gesetz das Töten von männlichen Eintagsküken verbieten. Einen Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hat das Bundeskabinett am 20. Januar 2021 verabschiedet. Wird er wie vorgesehen umgesetzt, darf ab dem 1. Januar 2022 kein Eintagsküken mehr wegen seines Geschlechts getötet werden. Entweder werden dann die männlichen Küken der Legehühnerrassen aufgezogen oder das Geschlecht der Embryonen wird in den Brütereien in Deutschland bereits im Brutei bestimmt und die Eier mit männlichen Embryonen werden aussortiert und nicht ausgebrütet (siehe unten). Darüber hinaus sieht der Gesetzentwurf vor, dass ab dem 1. Januar 2024 kein Hühnerembryo nach dem 6. Bebrütungstag getötet werden darf.

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) kritisiert das Gesetz "als nationalen Alleingang der Bundesregierung", der Wettbewerbsnachteile für die deutsche Geflügelwirtschaft bringe. Denn innerhalb der EU würden weiter Eier aus Brütereien verkehren, die männliche Küken am ersten Lebenstag töten.

Überblick über Initiativen, die die Brüder der Legehennen aufziehen

Wer Eier konsumiert, hat schon seit einigen Jahren Alternativen, um das frühe Töten zu verhindern. Das Prinzip ist bei allen gleich: Der Eier-Preis beinhaltet einen Aufschlag, mit dem die teure Mast der Legehennen-Brüder quersubventioniert wird. Durch Zuschuss aus dem Eier-Verkauf bleibt das Fleisch der Hähne bezahlbar. Einige Initiativen, die bundesweit oder in weiten Teilen Deutschlands aktiv sind, stellen wir nachfolgend vor. Darüber hinaus gibt es weitere regionale Initiativen. Wir bitten um Verständnis, dass wir keinen abschließenden Überblick geben können.

  • Die Geflügelhalter der "Bruderhahn Initiative Deutschland" (BID) sind Demeter- und Biolandbetriebe. Die Bruderhähne werden nach Richtlinien aufgezogen, die in Teilen über die Anforderungen von Demeter und Bioland hinausgehen. Die Eier kommen aus sieben Bundesländern zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg und zwischen NRW und Sachsen. Auf der BID-Internetseite gibt es eine Liste mit den Verkaufsstellen.
  • Die "basic Bruderherz-Initiative" zieht die Bruderhähne nach Bioland-Richtlinien mit auf. Die Eier sind bundesweit in allen Basic-Biomärkten erhältlich.
  • Eier der Initiative "haehnlein" sind bundesweit in den denn's Biomärkten, den Alnatura-, Real- und in den Globus-Märkten zu kaufen. Auch die Märkte von Edeka Nord und Ost sowie die Citti-Filialen in Schleswig-Holstein bieten "haehnlein"-Eier an. Händler in Ihrer Nähe finden Sie hier. Bei der Initiative werden die Bruderhähne unter ökologischen Bedingungen – mindestens nach den Anforderungen der EG-Öko-Verordnung – mit aufgezogen. Die Eier kommen aus Mecklenburg-Vorpommern.
  • Des Weiteren findet man in Alnatura-Märkten Eier der "Bruderküken-Initiative". Für alle Eier der Marke Alnatura gilt: Die männlichen Geschwisterküken werden mit aufgezogen.
  • Die SuperBioMärkte bieten in ihren Läden Eier der "Initiative Bruder-Ei" an. Die Eier stammen von einem Bioland- oder Naturlandhof aus der Region des SuperBioMarktes. Der Mehrerlös der Bruder-Eier von 4 Cent pro Ei fließt direkt in Aufzuchtsprojekte der Initiative Bruder-Ei.
  • Das erste Pilotprojekt im konventionellen Bereich wurde 2016 von der Rewe-Gruppe initiiert: "Spitz & Bube". Dort werden sowohl den Legehennen die Schnäbel nicht gekürzt (daher der Name: Spitz), als auch die männlichen Küken mit aufgezogen. Die Legehennen leben in Freilandhaltung und sie erhalten wie ihre Brüder gentechnikfreie Futtermittel. Ihre Brüder werden nicht unter ökologischen Bedingungen aufgezogen, sondern konventionell, jedoch mit mehr Platz im Stall. Sie werden rund 80 Tage lang gemästet. Angesichts des großen Erfolgs wurde das Projekt auf weitere Haltungsformen ausgeweitet: "Spitz und Bube"-Eier aus ökologischer Haltung gibt es in einigen ausgewählten Märkten und die "Spitz & Bube"-Eier aus Bodenhaltung in allen Rewe-Märkten deutschlandweit.
  • Als erster Discounter hat Penny mit seiner Eiermarke "Herzbube" eine Alternative zum Kükentöten angeboten. Die männlichen Küken werden mit aufgezogen und es wird auch auf das Kürzen der Schnäbel der Legehennen verzichtet. Alle Herzbube-Eier stammen aus Bodenhaltung und sind deutschlandweit erhältlich.
  • Auch Aldi Nord und Aldi Süd bieten mit "Henne & Hahn!" Eier aus Bodenhaltung an, deren Brüder mit aufgezogen werden. Die Brüderhähne bekommen genau wie ihre Schwestern gentechnikfreies Futter und Beschäftigungsmaterial wie z.B. Picksteine und Heuballen. Die Schnäbel der Brüderhähne sind wie die der Legehennen nicht gekürzt. Die Aufzucht der Hähne dauert rund 12 bis 16 Wochen. Diese Eier kann man in ausgewählten Filialen in NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, dem Saarland und im Norden Bayerns kaufen.

Das Zweinutzungshuhn

Ein anderer Ansatz ist die Haltung von so genannten Zweinutzungsrassen. Die männlichen Hühner werden gemästet und die Hennen legen Eier. Weder im Fleischansatz noch in der Legeleistung erzielen sie Höchstleistungen – in der Regel liefern sie ein Drittel weniger Eier und Fleisch. Doch dafür dürfen beide Geschlechter leben.

Einzelne kleinere Initiativen sind uns aus Süddeutschland und der Region Berlin bekannt. So arbeitet das Projekt "ei care" seit 2011 mit Hühnern der Rasse "Les Bleues". Auf "Naturland"-Biohöfen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern legen die Hennen Eier und die Hähne werden aufgezogen. Eier und Fleisch werden in Bioläden in Berlin und den benachbarten Bundesländern verkauft. Aus NRW ist uns nur ein einzelnes, kleines Angebot bekannt. Weitere Adressen von Landwirten, die Zweinutzungshühner halten, finden Sie auf der Internetseite der Initiative Zweinutzungshuhn.

Insbesondere in der Biobranche wird die Idee des Zweinutzungshuhns intensiv verfolgt. So hat sich die Ökologische Tierzucht gGmbH zur Aufgabe gemacht, geeignete Zweinutzungshühner für Biobetriebe zu züchten. Die Züchtung hat schon so große Fortschritte gemacht, dass die Tiere bereits von einigen Biobetrieb gehalten werden. So können Eier mit dem ÖTZ-Siegel in den Basic-Biosupermärkten gekauft werden. Wunsch der Ökologischen Tierzucht ist es, in Zukunft vorrangig Zweinutzungshühner auf den Biohöfen zu sehen.

Gerichte erlaubten das Töten weiterhin

Bereits 2013 hatte der Landwirtschaftsminister NRW einen Erlass mit Bezug auf das Tierschutzgesetz (TierSchG) ausgegeben, der den Brütereien das Töten der Eintagsküken in NRW verbieten sollte. Am 20. Mai 2016 hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster in einem Grundsatzurteil diesen Erlass gekippt.

Das OVG entschied, dass das Töten der männlichen Eintagsküken direkt nach dem Schlupf nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoße. Das Tierschutzgesetz erlaube das Töten von Tieren, wenn dafür ein vernünftiger Grund vorliege. Das Gericht befand, ein vernünftiger Grund liege vor, da die Aufzucht der männlichen Küken mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden sei. In der Urteilsbegründung heißt es: Die Tötung der Küken sei "daher Teil der Verfahren zur Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch".

Da eine Revision gegen dieses Urteil nicht zugelassen wurde, haben die Kreise Gütersloh und Paderborn auf Veranlassung des NRW-Umweltministeriums im August 2016 Beschwerde eingelegt. Im Januar 2017 wurde bekannt, dass das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Revision zugelassen hat. Die Verhandlung hat am 16. Mai 2019 stattgefunden. Das Urteil wurde am 13. Juni verkündet und erlaubt das weitere Töten von Eintagsküken vorübergehend. "Da voraussichtlich in Kürze Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung stehen werden, beruht eine Fortsetzung der bisherigen Praxis bis dahin auf einem vernünftigen Grund", erklärte das Gericht. Hier lesen Sie die Pressemitteilung dazu.

Geschlecht soll schon im Ei bestimmt werden

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat seit 2008 die die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei mit mehreren Millionen Euro gefördert. Daraus sind diese zwei unterschiedliche Verfahren entstanden:

  • Beim endokrinologischen Verfahren werden die Eier etwa neun Tage lang bebrütet. Dann wird von jedem Ei etwas Flüssigkeit gewonnen, ohne dass das Ei-Innere berührt wird. An diesen Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt.
  • Beim spektroskopischen Verfahren werden die Eier etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt.

Ziel beider Verfahren ist es, Bruteier mit männlichen Embryos bereits vor dem Schlüpfen auszusortieren und zu vernichten. Tierschützer halten den Hoffnungen, dadurch Tierleid zu vermeiden, entgegen, dass es sich auch bei den Embryos um Lebewesen handelt. Schmerzempfinden entwickelt sich bei Hühnern nach derzeitiger Forschung wohl ab dem 7. Bruttag. Werden Eier – wie bei der endokrinologischen Geschlechtsbestimmung im Ei – erst nach dem 7. Tag vernichtet, bleibt es also eine umstrittene Frage, ob dies ein ethisch akzeptabler Weg ist, das Problem der "überflüssigen" männlichen Legerassen-Küken zu lösen.

Ein Video des Bundeslandwirtschaftsministeriums stellt die Methoden der Geschlechtsbestimmung im Ei anschaulich dar.

Das "Seleggt-Verfahren"

Im November 2018 hat das Ministerium das sogenannte "Seleggt-Verfahren" der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war das erste "marktreife" Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Seit 2020 wird das patentrechtlich geschützte endokrinologische Verfahren den Brütereien zur Nutzung angeboten.

Die Eier, die von Legehennen gelegt wurden, die mit Hilfe des Seleggt-Verfahrens erzeugt wurden (das heißt, dass die Brüder der Legehennen nicht getötet, sondern nach dem 9. Tag in der Brüterei aussortiert wurden), sind in Rewe- und Penny-Märkten erhältlich. Die 6er-Packungen Eier sind mit den Schlagworten "respeggt" und "ohne Kükentöten" gekennzeichnet.

Das "PLANTegg"-Verfahren

Ein weiteres Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei ist das PLANTegg-Verfahren. Es handelt sich um eine molekularbiologische Methode. Dazu wird – ebenfalls am 9. Bruttag – etwas Flüssigkeit durch ein winziges Loch in der Eischale entnommen. Anhand des darin befindlichen Erbmaterials (DNA) wird analysiert, ob sich im Ei ein weiblicher oder ein männlicher Embryo befindet. Bruteier mit männlichen Embyonen werden aussortiert und nicht weiter bebrütet.

Der Discounter Aldi hat mitgeteilt, dass für seine Eier unter anderem das PLANTegg-Verfahren angewendet wird. Man erkennt die Eier an dem Logo "ohne Kükentöten".

Supermärkte werben auf Eierpackungen mit dem Logo "ohne Kükentöten"

Mittlerweile findet man in vielen Geschäften Eier, die mit dem Logo "ohne Kükentöten" werben. Aldi, Kaufland und Rewe haben schon vor Bekanntgabe des Gesetzentwurfes der Bundesregierung angekündigt, schrittweise bis zum Jahr 2022 auf das Töten männlicher Eintagsküken für das gesamte Frischeier-Sortiment aus Bio-, Freiland- und Bodenhaltung zu verzichten.

Vermieden wird das Kükentöten entweder durch die Geschlechtbestimmung im Ei oder durch die Aufzucht der Bruderhähne. Doch welches Verfahren jeweils angewendet wird, wird häufig auf den Eierpackungen nicht gekennzeichnet. In einer repräsentativen Umfrage haben Verbraucher mehr Transparenz dazu auf den Verpackungen gefordert.