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Aloe Vera - die Pflanze für Schönheit und Gesundheit?

Stand:

Aloe Vera wird als Wellness- und Gesundheitspflanze beworben. Lohnt es sich, den Saft oder die Kapseln auszuprobieren?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Aloe Vera wird seit langem als Zusatz in Kosmetika sowie als arzneiliches Abführmittel verwendet.
  • In den letzten Jahren werden Aloe Vera-Säfte, -Gele und -Kapseln für die innere Anwendung mit den unglaublichsten Wirkungsaussagen angeboten.
  • Zugelassene Werbeaussagen für solche Aloe Vera-Produkte gibt es bisher nicht und wissenschaftliche Belege sind Mangelware.
  • Vorsicht ist bei empfindlichen Personen geboten, da allergische Reaktionen auftreten können.
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Was steckt hinter der Werbung zu Aloe Vera?

Aloe Vera soll das Immunsystem stärken, den Körper entgiften und für Wohlbefinden und Schönheit sorgen. In einigen Internetforen wird sogar berichtet, dass es bei Aids, Asthma, Depressionen, Migräne oder Neurodermitis hilft. Auch bei der Krebsbekämpfung und Infektabwehr soll es den Körper unterstützen. Die meisten der behaupteten Wirkungen beruhen allerdings auf Erfahrungsberichten. Wissenschaftliche Belege gibt es kaum. Werbeaussagen, die sich auf die Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sind für Aloe Vera Produkte verboten.

In der Blattrinde der Aloe Vera Pflanze sind stark abführende Stoffe enthalten, weshalb der Saft zur kurzzeitigen Anwendung bei Verstopfung eingesetzt wird. Hierbei handelt es sich allerdings um Arzneimittel und die Einnahme sollte mit dem Arzt oder Apotheker abgesprochen sein. Bei Aloe Vera Produkten (meist aus der Aloe barbadensis) , die als Lebensmittel, inklusive Nahrungsergänzungsmittel im Handel zu finden sind, dürfen diese Stoffe nicht enthalten sein. Von einer abführenden Wirkung ist daher nicht auszugehen.

Neuerdings wird aber auch der Saft von gepressten ganzen, ungeschälten Blättern der Aloe arborescens (Krantz Aloe, Kandelaber Aloe) als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Eine Risikobewertung durch das BfR hat ergeben, dass diese Produkte keine sicheren Lebensmittel sind und daher nicht verkauft werden dürften.

Was ist Aloe Vera?

Die Aloe-Vera-Pflanze zählt zu den Liliengewächsen, die in Wüstengebieten wachsen. Nur wenige der etwa 300 verschiedenen Aloe-Arten enthalten die Inhaltsstoffe, denen besondere Wirkungen nachgesagt werden. Hauptsächlich wird die Art Aloe Vera Barbadensis Miller verwendet.

Die dickfleischigen Blätter der Aloe Vera-Pflanzen werden entweder als Ganzes oder geschält zu Saft gepresst. Oder das Blattmark (Gel) wird herausgelöst. Bittere und abführende Stoffe (Anthrachinone) müssen sorgfältig abgetrennt werden, da sie im Lebensmittel nicht enthalten sein dürfen. Bei unsauberer Trennung kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder allergischen Reaktionen kommen. Aloe Vera wird getrocknet in Kapseln bzw. als Saft oder Gel angeboten.

Welche Inhaltsstoffe sind in Aloe Vera enthalten?

Bisher wurden mehr als 200 verschiedene Inhaltsstoffe in den Aloe-Vera-Blättern nachgewiesen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Mucopolysaccharide (Schleimstoffe aus Kohlenhydraten), Anthrachinone, Salicylsäure, Saponine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und andere Kohlenhydrate. Das Spektrum an Inhaltsstoffen ist zwar groß, die einzelnen Konzentrationen sind jedoch sehr gering. Viele dieser Stoffe sind auch in heimischem Obst und Gemüse zu finden.

Als Wirkstoffe werden vor allem Glykosaminoglykane (Acemannan), Anthrachinone (dürfen im Lebensmittel/Nahrungsergänzungsmittel nicht enthalten sein), Salicylsäure, Saponine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe genannt. Der größte Teil (ca. 99 %) des Aloe-Vera-Gels besteht aus Wasser. Die Vitaminmengen sind eher gering. Werden Vitamine besonders erwähnt, handelt es sich meist um zugesetzte (synthetische) Vitamine. Vitamin C wird häufig zur Konservierung zugefügt.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Aloe Vera-Produkten achten?

Bei empfindlichen Personen kann es beim Verzehr von Aloe Vera-Produkten zu Magen-Darm- Problemen oder (pseudo)allergischen Reaktionen kommen.

Abführmittel mit Aloe Vera sind pflanzliche Arzneimittel und sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker eingenommen werden. Bei den in der Blattrinde enthaltenen Anthrachinonen wie Aloin und Aloe Emodin können Krebs erregende und Erbgut schädigende Wirkungen nicht ausgeschlossen werden. Daher sind diese Produkte eher nicht zu empfehlen.

Nahrungsergänzungsmittel aus ungeschälten Blättern von Aloe arborescens enthalten ebenfalls Anthrachinone und sind als "nicht sicher" eingestuft.

Können Aloe Vera-Produkte Schadstoffe, Konservierungsmittel und Co. enthalten?

Nach Deutschland importierte Produkte stammen überwiegend aus den USA, Mittel- und Südamerika, Spanien und Australien. Dort werden sie zumeist intensiv in Monokulturen angebaut. Die Gabe von Dünger bewirkt einen größeren Wassergehalt, wodurch sich die Konzentration an möglicherweise wertgebenden Inhaltsstoffen verringert. Außerdem werden (außer im Bio-Anbau) Insektizide und Herbizide eingesetzt.

Der Zusatz von Konservierungsstoffen ist in Fruchtsäften und Gemüsesäften nicht erlaubt. Wird der Aloe Vera-Saft jedoch aromatisiert, zum Beispiel durch kleine Mengen Honig oder durch die Mischung mit anderen Säften, zählt er zu den alkoholfreien Erfrischungsgetränken. Daher enthalten einige Produkte den künstlich hergestellten Konservierungsstoff Natrium-Benzoat (Benzoesäure, E 211) oder Kaliumsorbat (E 202). Beide können bei empfindlichen Personen (Pseudo-)Allergien auslösen. Weitere Zutaten sind je nach Produkt Xanthan, ein Verdickungsmittel (E 415), und Tocopherol (Vitamin E).

Einige Produkte tragen das Siegel des International Aloe Science Council. Diese Organisation legt Qualitätskriterien für die Produkte fest und zertifiziert sie. Andere Produkte tragen das Siegel des Institut Fresenius. Auch damit wird lediglich die Einhaltung der firmeneigenen Qualitätssicherung bestätigt.

Keinesfalls ganze Aloe-Blätter zur Nahrungsergänzung pürieren oder zu Smoothies verarbeiten. Das sorgfältige Schälen der Blätter, um wirklich nur das anthrachinon-freie Gel zu erhalten, überlässt man besser Fachleuten. Die meisten der in Aloe Vera enthaltenen Stoffe sind auch in heimischen Gemüsen und Früchten enthalten.

 

Quellen:


Edwards SE, da Cosat Rocha I, Williamson EM, Heinrich M.. Phytopharmacy an evidance-based guide to herbal medicinal products. Wiley Blackwell S24-26, 2015

Hahn A.: Nahrungsergänzungsmittel und ergänzende bilanzierte Diäten. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2. Auflage, 2006

BVL-Report 8.4: Stoffliste des Bundes und der Bundesländer Kategorie "Pflanzen und Pflanzenteile"

Hanssen HP, et al.: Biogene Nahrungsergänzungsmittel. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2008

IARC Monographs 108: on the Evaluation of Carcinogenic risks to human

Stellungnahme Nr. 032/2017 des BfR vom 02.11.2017: Nahrungsergänzungsmittel mit anthranoidhaltigen Aloe-Ganzblattzubereitungen bergen gesundheitliche Risiken.