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Appetithemmer für ein Abnehmen ohne Hunger

Stand:

Frei verkäufliche Appetitbremsen (Nahrungsergänzungsmittel) bestechen eher durch schöne Geschichten als durch echte Wirkung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Für Nahrungs­ergänzungs­mittel mit angeblichen Appetit­bremsen wie Mate oder Guarana gibt es keine wissen­schaftlichen Beweise für eine Gewichts­reduktion.
  • Wer es trotzdem ausprobieren möchte: Gesundheitliche Gründe sprechen bei gesunden Menschen nicht dagegen - es sei denn, jemand reagiert empfindlich auf Koffein.
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Was verspricht die Werbung?

Endlich weniger Appetit - das klingt verlockend, ist es doch gerade der Heißhunger auf Süßes oder auch Herzhaftes, welcher das Abnehmen so schwer macht. Inwieweit die Produkte tatsächlich wirken können, hängt von ihrem Wirkprinzip ab.

Bei den sogenannten Appetit­bremsen handelt es sich um frei verkäufliche Nahrungs­ergänzungs­mittel (NEM). Dadurch unterscheiden sie sich von den Appetit­züglern (Medikamenten), die verschreibungs­pflichtig sind. Der appetit­hemmende Arzneistoff Sibutramin ist seit 2010 weltweit verboten. Bereits seit 2007 ruht - ebenfalls wegen schwerer Nebenwirkungen - die Zulassung für einen anderen appetit­zügelnden Arzneiwirkstoff (Rimonabant).

Nicht zuletzt gibt es noch Nahrungs­ergänzungs­mittel mit Ballaststoffen wie Pektin oder Glucomannan, die durch Aufquellen im Magen eine sättigende Wirkung haben.

Was leisten Appetitbremsen?

Meist enthalten appetit­bremsende Nahrungs­ergänzungs­mittel Mate- oder Guarana-Extrakte, die ganz leicht hunger­dämpfend, anregend und leicht entwässernd wirken, aber nicht zu einer echten und schon gar nicht zu einer dauerhaften Gewichts­reduktion führen. Entsprechende Tees wirken durch die Magenfüllung etwas sättigend. Im Gegensatz zu Arznei­mitteln müssen für Nahrungs­ergänzungs­mittel keine Wirkstudien vorliegen; die Werbung darf allerdings auch nicht irreführend sein. Hier werden dann oft schöne Geschichten von einsamen Andenvölkern in unwirtlicher Gegend erzählt...

Was kann Mate bewirken?

Mate wird zwar mit einer ganze Reihe von positiven Wirkungen auf Gewicht und Gesundheit in Verbindung gebracht, darunter fettstoff­wechsel- und gewichts­regulierende Effekte. Die wissenschaftliche Evidenz ist mangels Studien außerhalb des Reagenzglases aber nicht ausreichend. Die Europäische Behörde für Lebensmittel­sicherheit EFSA hat beantragte gesundheits­bezogene Angaben (Health Claims) zur diuretischen (entwässernden) Wirkung von Mate sowie zu einer antioxidativen, zell­schützenden Wirkung daher abgelehnt. Ebenso wurde ein Zusammenhang zwischen Koffein und Gewichts­abnahme nicht bestätigt. Eine aktuelle Untersuchung von Ökotest aus dem Februar 2017 stellte allerdings fest, dass Mate-Produkte - vermutlich durch das Trocknen der Blätter - massiv mit krebserregenden Anthrachinonen belastet sind, die Höchstmengen überschritten werden. Grüner, ungeräucherter Mate ist dabei weniger belastet als geräucherter oder gerösteter Mate.

 

Quellen:


Winkler G. et al (2014): Mate - ein "neuer", koffeinhaltiger Rohstoff für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Ernaehrungs Umschau international (10): 160-3. DOI: 10.4455/eu.2014.027

EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2010): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to various food(s)/food constituent(s) claiming an increase in renal water elimination, "kidneys health", "urinary health", "bladder health", "health of lower urinary tract", "blood health", "elimination", "urinary system benefits" and/or "supports/promotes the excretory function of the kidney", and treatment/prevention of renal gravel/kidney stones and urinary tract infections pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal 8(10): 1742

16. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2010): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to various food(s)/food constitu- ent(s) and protection of cells from premature aging, antioxidant activity, antioxidant content and antioxidant properties, and protection of DNA, proteins and lipids from oxidative damage pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal 8(2): 1489

Test Matetees: Teesaster. Öko-Test (2): 45-9, 2017

 

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